„Wirst du gerne hart gef*ckt, Babe?“

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Sind wir uns mal ganz ehrlich, wann hat es schon jemals geklappt mit solchen Nachrichten wirklich an Sex zu kommen? Ich vermute stark in 0 von 100 Fällen!

Schon fast jeder hatte in seinem Postfach eine ähnlich übergriffige Nachricht. So ging es auch Kim und Caro aus Wien und ihren Freundinnen. Über WhatsApp tauschten sie Screenshots dieser Nachrichten aus und begannen sie irgendwann zu speichern. Sie gründeten eine Instagram Seite, um diese zu teilen und um darauf aufmerksam zu machen, wie häufig solche Nachrichten versendet werden. Zunächst wurden nur Nachrichten, die sie und Freundinnen bekommen haben, gepostet, bald bekamen sie etliche Zusendungen.

Ziel von „antiflirting“ ist es, eine Plattform darzustellen, um diese Nachrichten komplett anonym zu teilen. Die Mädels wollen niemanden bashen, sie wollen lediglich auf das ganze übergriffige System aufmerksam machen und Bewusstsein schaffen, dass dies nicht nur auf der Straße passiert. Sie wollen niemandem vorschreiben, wie sie darauf reagieren sollen, denn manchmal hat man gerade Lust darauf sich auf eine Diskussion einzulassen und ein andermal hat man einfach keine Energie dafür und sollte die Person einfach blockieren.

Einen Grund für diese Nachrichten sehen sie darin, dass auf Dating-Plattformen verschiedene Erwartungshaltungen herrschen. Manche suchen Sex, manche Gespräche, manche Dates, manche Beziehungen. Caro sagt: „Wir lieben beide Tinder, wir lieben Flirten, wir lieben Sex. Aber das Wichtige ist der Konsens bei allem.“

© instagram/ antiflirting (Screenshot)

„Jeden Tag verhalten sich Menschen auf Instagram (…) respektlos, sind sexistisch, rassistisch und abelistisch. Sie senden Nachrichten mir extrem sexuellen Texten und Bildern, kommentieren übergriffige Aussagen und überschreiten die Grenzen anderer“ postet antiflirting auf ihrem Instagram Account. Die 2011 veröffentlichte „Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern“ besagt, dass bereits drei Viertel aller Frauen in Österreich sexuelle Belästigung erlebt haben. Dazu zählt auch ein ungefragtes Dickpic. Am häufigsten handelt es sich bei den Tätern um unbekannte Männer. Deshalb werden sexuell übergriffige Nachrichten überwiegend auf Plattformen, auf denen man anonym unterwegs sein kann, versendet. Bereits 39 Prozent der weiblichen Teenager zwischen elf und 19 Jahren waren mindestens einmal unangenehmen intimen Situationen im Netz ausgesetzt.

Beispiel für eine übergriffige Nachricht
© Instagram/ antiflirting (Screenshot)

Die Studie fand ebenfalls heraus, dass 83 Prozent der betroffenen Frauen sexuelle Belästigung ausschließlich von Männern erfuhren. Kim und Caro können diese Zahlen bestätigen: 90 Prozent der Einsendungen sind Screenshots von Nachrichten, die Männer Frauen schreiben, ab und an erhalten sie auch Nachrichten mit Konversationen zwischen Mann und Mann. Bis jetzt kam es allerdings erst zweimal vor, dass in einer Konversation die Frau sich übergriffig verhalten hat. Die Leiterinnen der Instagram-Seite denken, dass ein Grund dafür durchaus sein kann, dass Frauen weniger solcher Nachrichten versenden, zum anderen haben Männer aber wahrscheinlich größerer Hemmungen die Nachrichten zu teilen, da sie diese, der gesellschaftlichen Norm entsprechend, ja eigentlich „geil“ finden sollten.

Beispiel für eine übergriffige Nachricht
© Instagram/ antiflirting (Screenshot)

Da sexuelle Belästigung ja leider nicht bei Nachrichten aufhört und 29,5 Prozent aller Frauen bereits Opfer sexueller Gewalt wurden und fast alle der Betroffenen noch heute unter den psychischen Folgen leiden, setzten die Mädels an verschiedensten Stellen Triggerwarnungen. Auf die Frage, wie Kim und Caro selber mit den Nachrichten umgehen, antworteten die beiden, dass ihnen beim Öffnen jeder Nachricht bewusst ist, dass diese etwas triggerndes beinhalten könnte. Außerdem kommunizieren die beiden auch durchgehend und erkundigen sich danach, wie es der jeweils anderen geht.

Den Täter*innen raten die Mädels sich zu fragen, wie sie sich fühlen würden, wenn sie oder eine ihnen nahestehende Person eine solche Nachricht gesendet bekommen würden.

Beispiel für eine übergriffige Nachricht
© Instagram/ antiflirting (Screenshot)

 

von Marina Eberherr

Quellen: Vice, Deutschlandfunk Nova, Der Standard, Wienerin, antiflirting2 (Instagram)

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