Mom-Shaming vs. Dad-Shaming – selbst beim “Shaming” wird diskriminiert

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Heute ist Muttertag. Der Tag, an dem wir alle unsere Mütter in den Himmel loben, sie mit einem Frühstück im Bett überraschen und den ganzen Tag über verwöhnen.

Schön, dass Mütter wenigstens diesen einen Tag für sich haben. An allen anderen 364 Tagen im Jahr werden sie kritisiert, beschimpft, blöd angeschaut oder müssen sich jeden noch so, eigentlich ungewollten, „gut“ gemeinten Tipp anhören. Das übrigens nennt sich Mom-Shaming. Kurz gesagt: Andere haben mehr Ahnung davon, wie man das eigene Kind zu erziehen hat, als die Mutter oder der Vater selbst.

Natürlich wird auch bei dieser besonderen Form von Shaming wieder diskriminiert, denn Mütter machen ganz offensichtlich andere Dinge falsch in der Erziehung des Kindes, als der Vater. Aber was will ich mit meinen jungen 20 kinderlosen Jahren schon groß darüber zu wissen meinen – ich habe die Erfahrung von Mom-Shaming ja noch nicht gemacht. Viel mehr interessiert mich, wie meine damals noch 19 Jahre alte Oma Veronika im Jahr 1970 zum ersten Mal Mom-Shaming erleben musste und welche Erfahrungen mit Dad-Shaming der 21-jährige Thomas im Jahr 2000 gemacht hat, als er zum ersten Mal Vater wurde. Was sie ganz sicher gemeinsam haben ist, dass sie sehr jung Eltern wurden.

Ist Dad-Shaming unter Männern, deiner Meinung nach, genauso ausgeprägt wie Mom-Shaming unter Frauen?

Thomas: Ich denke, dass es bei den Frauen wahrscheinlich noch ein bisschen härter ist. Der entscheidende Faktor ist sicher immer noch, dass die Mutterrolle als die wichtigere Rolle in der Erziehung gesehen wird. Die Mutter ist das Bindeglied zum Kind. Der Vater ist einfach der, der das Umfeld organisiert. Mütter sind schnell einmal eine Angriffsfläche in ihrem täglichen Tun und Handeln. Auf die schaut man wesentlich mehr.

War dir vor der Mutterschaft/Vaterschaft bewusst, mit welchen Herausforderungen du plötzlich konfrontiert sein würdest? In Bezug auf ungewollte Tipps und Kommentare von anderen Eltern oder sogar von kinderlosen Personen.

Oma: Ja, das habe ich gleich gewusst. Meine Chefin, im Kindergarten, die war ja sehr fromm. Und ihr habe ich es ja auch sagen müssen. Überraschenderweise meinte die Chefin aber: „Nein, also ein Kind ist ein Segen Gottes.“

Thomas: Dad-Shaming habe ich am meisten gespürt, als ich, von einer mir eigentlich fremden Person im selben Alter, als Kinderschänder beschimpft wurde. Aufgrund dessen, dass meine damalige Partnerin (heutige Ehefrau) zum Zeitpunkt der Geburt noch minderjährig war.

Oma: Jeder hat einmal so geschimpft: „Sie ist so jung schwanger.“ Und reinreden wollte man auch sofort bezüglich des Namens. Aber darauf habe ich gesagt: „Und ich taufe eine Astrid. Da gibt es gar nichts. Das taufe ich einfach.“ Dabei bin ich geblieben und diesbezüglich habe ich mir auch nicht reinreden lassen.

War es von Beginn an so, dass sich alle Leute eingemischt haben?

Thomas: Jeder will mitreden. Alles macht man falsch. Da sind mir schon manchmal die Tränen geflossen. Klar, die Leute haben Erfahrung gehabt, aber ich war überfordert mit der vielen Belehrung. Aufgrund des Alters hat man es uns nicht so richtig zugetraut und jeder hat das Gefühl gehabt, wir müssen die beiden unterstützen. Mit dem Unterstützen sind es dann so viele Leute und Meinungen, die auf einmal im Raum stehen.

Wie habt ihr das als Paar gemeinsam gemeistert? Wie seid ihr mit der Kritik umgegangen?

Thomas: Unsere Stärke, von meiner Partnerin und mir, war, dass wir von Anfang an zueinandergestanden haben. Wir haben, und ich denke das war ein bisschen das Rezept damals, miteinander gesprochen und uns gemeinsame Ziele für die Zukunft gesetzt. Das hat uns noch stärker gebunden.

Was wünschst du dir für die Zukunft, in Bezug auf Mom-Shaming/Dad-Shaming?

Thomas: Jeder hat eine Chance verdient! Verurteilen und beurteilen – das kann man schnell einmal. Gebt nicht sofort auf! Ich bereue keine Sekunde.

©Katrin Romer

Thomas & seine Familie

Oma: Kritisiert wird man egal in welchem Alter. Zu den einen sagt man, dass sie zu jung sind. Die anderen sind zu alt. Ich wünsche mir für deine Generation, dass sich die Leute nicht überall einmischen und die Eltern ihre Kinder selbst erziehen lassen.

©André Jussel

Oma Veronika & ich

 

An alle Mom’s und Dad’s da draußen:

Es gibt keine „richtige“ Erziehung. Ihr seid tolle Eltern – am besten wissen das eure Kinder.

 

Von: Katrin Romer

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