Männliche Geliebte waren für römische Kaiser kein Tabu

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„Pride started as a riot!“ – Farbenfrohe Plakate mit diesem Spruch und ähnlichen werden von ebenso bunt gekleideten Menschen getragen. Es ist Juni im Jahr 2019. Die Pride-Parade ist in vollem Gange. Jedoch war ein so öffentliches Fest der LGBTQIA+ Community nicht immer selbstverständlich. Im Laufe der Geschichte musste die homosexuelle Bewegung unzumutbare Strapazen über sich ergehen lassen. In der Antike wurde gleichgeschlechtliche Liebe von der Gesellschaft zwar akzeptiert, doch schon ab dem Mittelalter und noch lange später bedeutete das Ausleben seiner Sexualität die Unterzeichnung des eigenen Todesurteils.

Homosexualität in der Antike

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Zwar entstand der Begriff „Homosexualität“ erst im späten 19. Jahrhundert, jedoch war die gleichgeschlechtliche Liebe bereits in der Antike Teil der Gesellschaft. Vorwiegend wurde sie unter Männern ausgelebt, was jedoch Beziehungen zwischen Frauen nicht ausschließt. Schriftlichen Überlieferungen und Vasenbildern zufolge fand diese Liebe zumindest Toleranz in der Gesellschaft. Ob Liebe hier das richtige Wort ist, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Einige Beziehungen entstammten unfreiwilliger Natur. Oft dienten junge Sklaven ihren Herren zur Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnissen. Im Gegensatz dazu wurde allerdings auch überliefert, dass der römische Kaiser Hadrian einen Liebhaber namens Antinoos hatte. Nach dem mysteriösen Tod seines Geliebten ließ der Kaiser reihum ihm zu Ehren Tempel errichten und erhob ihn zu einer Gottheit.

Von Ritter bis Monarchen

Dass im Mittelalter andere Sitten herrschten als in der Antike ist nicht schwer zu erkennen. Die männliche Ehre zu verteidigen und den religiösen Glauben auszuüben, war sehr wichtig. Da aus diesem Grund das Christentum immer mehr an Bedeutung gewann, wurden Homosexuelle zusehends in die Außenseiterrolle verdrängt. Daraufhin endeten Beziehungen zwischen Männern auf dem Scheiterhaufen. Laut dem Klerus galten diese Liebesbeziehungen als widernatürlich und nicht der Schöpfung entsprechend. Die Einstellung diesbezüglich entwickelte sich zu Homophobie. 1872 trat §175 in Deutschland in Kraft. Dadurch wurde strafrechtlich festgeschrieben, dass homosexuelle Handlungen mit Gefängnisstrafen geahndet und den „Straftätern“ ebenso die bürgerlichen Ehrenrechte wie das Wahlrecht aberkannt wurden.

Hintergründe für diese Entwicklung sind in der Sexualforschung zu finden. Der Psychiater Richard von Krafft-Ebing definierte 1886 erstmals „Homosexualität“ als erbliche neuropsychopathische Störung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts widerlegte der Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld den Irrglauben, dass der Anziehung zwischen Gleichgeschlechtlichen eine Krankheit zu Grunde liege.

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Hierbei handle es sich um eine angeborene sexuelle Neigung. Mit dieser wissenschaftlich bewiesenen These wollte er die Straffreiheit für Schwule erreichen. Zunächst fand er Zustimmung unter der Bevölkerung, was auf das geistige Klima in der Weimarer Republik zurückzuführen ist. Dadurch entstand die erste Homosexuellen Bewegung. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Funke Hoffnung jedoch im Keim erstickt.

Verfolgung in der NS-Zeit

Die erschreckenden Todeszahlen des Zweiten Weltkrieges werden meist Juden und anderen religiösen Minderheiten zugeschrieben. Jedoch wurden ebenso Homosexuelle in der NS-Zeit verfolgt. Von der zuvor gesprochenen Hoffnung auf Straffreiheit war 1934 nicht mehr die Rede. Maßnahmen gegen Schwule sowie die Zeitaufwendung wurden stark intensiviert. Somit waren Homosexuelle ebenso in Konzentrationslagern inhaftiert, um die „heilbare Krankheit zu kurieren“. Im Folgejahr wurde der Gesetzestext zu §175 weiter verschärft. Die neue Formulierung ließ viel Raum für Interpretationen bezüglich der strafbaren Handlungen.

Pride Parade fest in Jahresplanung integriert

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Das Ende des Krieges lässt eine miteinhergehende Integration der Homosexuellen vermuten. Dem ist jedoch nicht so. Homophobie ist nach wie vor ein Thema, das an Aufklärung bedarf. Erst 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität als Krankheit. Vor lediglich zwei Jahren, sprich 2018, wurde auch Transsexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. Seit 2019 ist es gleichgeschlechtlichen Paaren möglich in Österreich das Ehegelöbnis abzulegen.  Der Kampf für eine vollständige Akzeptanz in der Gesellschaft ist jedoch noch lange nicht vorbei. Bis heute ist in 69 Ländern Homosexualität strafbar und in sogar noch sieben Staaten wie Iran, Saudi-Arabien, Jemen, im Sudan sowie in Teilen von Somalia und Nigeria wird gleichgeschlechtlicher Sex mit der Todesstrafe geahndet. Um diesen Umständen entgegenzuwirken, wird jährlich die Pride Parade im Juni weltweit als buntes Ausrufezeichen für die Diskriminierung gegenüber der LGBTQIA+ Community gesetzt. Bis der Diskriminierung vollständig Toleranz weicht und schließlich Akzeptanz in der Gesellschaft einzieht, ist noch ein weiter Weg.

verfasst von Agnes Wallner

Quellen

www.planet-wissen.de, https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/sexualitaet/homosexualitaet/index.html

www.zeit.de, https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2014-01/geschichte-der-homosexualitaet-schwule-lesben-verfolgung/seite-2

www.welt.de, https://amp.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article175636038/Homosexualitaet-Warum-die-Nazis-Schwule-verfolgten-nicht-aber-Lesben.html

www.tagesschau.de, https://www.tagesschau.de/inland/paragraf-175-101~_origin-e731bdcb-acbf-49e2-8cd3-454cf775d09f.html

www.queer.de, https://www.queer.de/detail.php?article_id=17092

www.nzz.ch, https://www.nzz.ch/international/in-diesen-staaten-leben-homosexuelle-immer-noch-gefaehrlich-ld.1491964

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