LOB für Menschen mit Behinderung? Leben Ohne Barrieren für Menschen mit Behinderung – ist das in Österreich schon Realität?

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2008 hat das österreichische Parlament die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert, das heißt Österreich verpflichtet sich seither das Leben von Menschen mit Behinderung möglichst selbstbestimmt und partizipativ zu gestalten. Auch Barrieren jeglicher Art sollten für Menschen mit Behinderung eigentlich keine Hürde mehr sein.

Barbara Levc ist Lehrende an der Pädagogischen Hochschule Steiermark und gleichzeitig leitet sie seit 25 Jahren die Ansprechstelle für Studierende mit einer Behinderung oder einer chronischen Erkrankung an der Universität Graz. Und sie ist blind. Bereits zum dritten Mal findet ihre Lehrveranstaltung „Diversität und Inklusion“ für zukünftige Primarstufenlehrer*innen an der Pädagogischen Hochschule Steiermark statt. Barbara arbeitet in ihren Lehrveranstaltungen mit einer persönlichen Assistenz und klärt die Studierenden bereits zu Beginn der Lehrveranstaltung über Ihre Blindheit auf. Anstatt des sonst üblichen Aufzeigens, müssen sich die Studierenden bei ihr durch Klopfen auf den Tisch melden, wenn es Diskussionen gibt.

© Johanna Komposch

Beruflich gesehen, ergriff Barbara zuerst einen damals „blindentypischen“ Beruf bei einer Telefonvermittlung im Amt der Steiermärkischen Landesregierung. Doch sie wusste, dass sie bei dieser Arbeit nicht bleiben will. So hat sie schließlich bei einem Grazer Abendgymnasium angerufen und gefragt, ob es möglich sei, dass sie trotz ihrer Blindheit die Matura berufsbegleitend machen könne. Die damalige Direktorin war mutig und ließ sich auf dieses „interessante Experiment“ ein. Diese Entscheidung war für Barbara lebensentscheidend und so konnte sie maturieren und danach das Studium der Pädagogik erfolgreich abschließen, wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass dies alles in einer Zeit stattfand, wo es kaum digitale Hilfsmittel gab. Barbara war eine Vorreiterin und hat sich durch Vorlesedienste und spezielle Vereinbarungen, zum Beispiel mündliche Prüfungen, durchgekämpft. Durch eine Vernetzung mehrerer Studierender mit Behinderung an der Universität entstand der Wunsch, dass es eine Koordinationsstelle für diese geben sollte, welche Barbara mitaufgebaut hat. Auch hat sie mit Einzelvorträgen vor etwas mehr als zehn Jahren an der Universität Graz eine Ringvorlesung zum Thema „Selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung“ gehalten.

Das Thema Inklusion von Menschen mit Behinderung ist Barbara ein großes Anliegen. Nach ihrer Erfahrung ist der schulische Bereich in der Inklusion schon recht gut aufgestellt und baut auf eine 30-jährige Erfahrung auf, wobei andere europäische Länder wie Italien oder Skandinavien noch fortgeschrittener sind. Auf dem universitären Sektor ist es in Österreich möglich, dass man als Mensch mit Behinderung eigentlich von keinem Studium ausgeschlossen ist. Gesellschaftlich gesehen hat sich Österreich auch durch Gesetzesänderungen in Richtung Inklusion entwickelt. Österreich hat 2008 die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben und im Parlament ratifiziert, das heißt Österreich verpflichtet sich dieses Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung auch umzusetzen. Es gibt dafür einen „Nationalen Aktionsplan Behinderung“, dieser soll die UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich umsetzen. Im Mittelpunkt steht das Ziel einer inklusiven Gesellschaft, wonach Menschen mit Behinderungen an allen gesellschaftlichen Aktivitäten teilhaben können. Es sollen Barrieren jeglicher Art abgebaut werden, damit meint man aber nicht nur Rampen.

© Johanna Komposch

Auch Barbara sieht Barrieren eher in den Köpfen der Gesellschaft, da schon noch eine „Licht-ins Dunkel“-Mentalität vorherrscht. Damit meint Barbara, dass von Menschen mit Behinderung nicht dasselbe erwartet wird und ihnen nicht das gleiche zugetraut wird. Eine große Barriere ist auch die Unsicherheit von Menschen ohne Behinderung. Menschen mit Behinderung selbst ermutigen alle anderen einfach „normal“ auf sie zu zugehen und nicht mit der Einstellung „Man darf nichts fragen und man will nichts falsch machen“. Also bitte habt Mut, geht auf alle Menschen mit der gleichen Art und Weise zu und es wird für alle Menschen ein „LOB“ (Leben ohne Barrieren) geben.

Von: Johanna Komposch

One thought on “LOB für Menschen mit Behinderung? Leben Ohne Barrieren für Menschen mit Behinderung – ist das in Österreich schon Realität?

  1. Ich finde es sehr wichtig, dass die UN-Behindertenrechtskonvention für den „Nationalen Aktionsplan Behinderung“ entschieden hat. Das Thema Inklusion von Menschen mit Behinderung soll definitiv besser gefördert werden. Ich habe ein Kind mit Behinderung und das Thema ist mir besonders wichtig. Danke für den Beitrag.

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