Haarspalterei – was Körperbehaarung mit Body Positivity zu tun hat

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Erst kommt die Gleichgültigkeit gepaart mit einer gewissen Neugierde über die sprießenden Haare am Körper, doch sobald man in der Schule mit anderen Mädchen zusammen kommt und man gefragt wird, wieso man denn so haarige Beine hat, kommt der Ekel und das Verlangen nach einer genauso glatten Haut wie die der Schulfreundin.

Was Social Media mit uns Frauen macht

Body Positivity hat nicht nur etwas mit dem Gewicht zu tun, vielmehr geht es dabei um das gesamte Wohlbefinden in und mit unserem Körper. Durch Social Media sehen wir jeden Tag, wie ein angeblich „perfekter“ Körper auszusehen hat und dabei wird von vielen Frauen erwartet, dass sie sich am ganzen Körper enthaaren. Der Mann hingegen, kann und soll auch oft die Haare ganz gemütlich wachsen lassen. Woher kommt dieser Druck für uns Frauen, frisch rasierte Beine, Achseln oder eine so glatte Intimzone wie die eines kleinen Mädchens zu haben?

©Annika Schneider

Annika, Wien:Ich finde, dass es jedem frei steht sich zu rasieren oder nicht. Ich persönlich fühle mich aber deutlich wohler, wenn ich z.B. einen Rock trage und rasierte Beine habe. Für mich ist die Rasur etwas hygienisches und es ist auch ein Grund für ein gutes Selbstwertgefühl. Wichtig ist, dass sich jede Frau in ihrem Körper wohl fühlt und dabei ist die Rasur ein wichtiger Punkt für mich.“

#januhairy

Kunst, Medien und Mode sind schuld. Wer jedoch denkt, dass der gesellschaftliche Zwang zu glatt rasierter Haut ein moderner Trend ist, hat sich ordentlich geschnitten. Und genau weil dies eben keine neue Bewegung ist, brauchen wir Menschen und vor allem andere Frauen, die uns darauf aufmerksam machen, dass unsere Körperbehaarung vollkommen normal ist. In den sozialen Medien hat das 2019 eine Bewegung schon vorgemacht: der #januhairy. Dahinter steckt eine junge Studentin aus England, die zwecks eines Theaterexperiments aufgehört hat, sich zu rasieren. Dabei stellte sie fest, dass sie die Haare an ihrem Körper gar nicht stören und so ließ sie sie einfach wachsen. Außerdem versucht die junge Studentin mithilfe von #januhairy Geld zu sammeln, um es an das Projekt „Body Gossip“ zu spenden. Dieses setzt sich dafür ein, dass junge Menschen ein gutes und gesundes Körpergefühl entwickeln.

©Hannah Birnbaumer

Hannah, Wien:Als ich in die Pubertät kam, war es für mich anfangs nicht wichtig, mich zu rasieren. Doch schon bald wurde ich von meinen Mitschülerinnen dafür gehänselt, dass ich meine Achselhaare nicht rasierte, weshalb ich danach anfing, meinen Körper regelmäßig von Haaren zu befreien. Als ich mit 16 begann, mich für Feminismus zu interessieren, habe ich mich dann entschieden, zumindest meine Beinhaare nicht mehr zu rasieren. Das war vor ca. 3 Jahren und bisher habe ich glücklicherweise nie einen negativen Kommentar dazu erhalten. Den meisten Menschen fällt es gar nicht auf. Ich finde es jedoch sehr schade, dass junge Mädchen, vor allem von ihren Freundinnen, aber natürlich auch den Medien usw., den Druck spüren, sich rasieren zu müssen.“

Körperhygiene oder Schönheitsideal?

Oft, wenn über Körperbehaarung gesprochen wird, gibt es einen vermeidlichen Grund, warum wohl besser rasiert werden sollte: die Hygiene. Doch viele Ärzte sind sich einig, dass die Rasur speziell im Intimbereich hauptsächlich ein Schönheitsideal ist und nichts mit Hygiene zu tun hat. Denn alleine mit einer Rasur ist man nicht gleich sauberer. Natürlich gibt es aber auch andere Meinungen in Bezug auf Körperbehaarung, denn es muss ja auch nicht jeder alles mögen. Ein respektvoller Umgang und eine gewisse Akzeptanz und nicht zuletzt Toleranz sind jedoch sehr wichtig. 

 

©Jessica Lampert

Jessica, Berlin:My body, my rules ist für mich die Hauptaussage zu diesem Thema. In der heutigen Zeit sollte das letzte über was wir uns Gedanken machen, der Körper anderer sein. Schönheitsideale sind für mich längst nicht mehr das was sie einmal waren und die Menschen haben gelernt, offener und experimentierfreudiger zu sein.  Meiner Meinung nach ist es sehr altmodisch, wenn man heutzutage noch Leute nach ihrem Aussehen oder ihrem Lifestyle kategorisiert bzw. überhaupt bewertet.“

Make body hair normal again

Die Gestaltung des eigenen Körpers ist jedem selbst überlassen und sollte weder von der Gesellschaft noch von anderen Menschen in unserem Umfeld abhängig sein. Wichtig dabei: jeder Mensch ist individuell. Auch schon deshalb sollten uns die Körper und speziell in diesem Fall, die Körperbehaarung anderer gar nicht kümmern. In diesem Sinne: Make body hair normal again.

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