Die Putze oder die Putzfee?

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„Ich will nicht als Putzfrau enden“ hört man doch oft, klar als Reinigungskraft zu arbeiten ist sicher nicht der schönste Job den man sich vorstellen kann aber es ist ein Job. Einer der ein regelmäßiges Einkommen bringt, der Familien erhält. Hinter jeder Putze, Putzfrau, Reinigungskraft steht eine Frau, eine Mutter, eine Freundin eine Person. Es scheint als würden das viele Leute vergessen, wenn sie diese Personen herabwürdigend anschauen oder beschimpfen. Noch dazu kommt, dass diese Personen oft aus anderen Ländern kommen und sich mit rassistischen Bemerkungen auch noch plagen müssen.
Nun stellen Sie sich vor, Sie würden ihre Wohnung niemals aufräumen und putzen, schlimm nicht wahr? Und jetzt übertragen Sie den selben Gedanken auf Krankenhäuser, Magistrate, oder jede andere beliebige öffentliche Einrichtung oder aber auch große private Firmen, da würde doch keiner gerne hineingehen, nicht? Sehen Sie, so unwichtig sind Reinigungskräfte doch nicht. Wir haben drei tolle Frauen die als Putzfrauen arbeiten oder gearbeitet haben gefragt, ob und wie sie mit Diskriminierung aufgrund ihres Berufes in Kontakt gekommen sind.

Werden sie häufig aufgrund ihres Berufes und ihrer Herkunft diskriminiert?

Silvana*, 49, Bedienerin, Wien

© Andjela Zivotic

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Nicht so oft, ein paar unangenehme Blicke hier und da, aber nichts womit ich nicht zurechtkomme. Als ich angefangen hab hat mich das mehr gestört“

Milena*, 46, Küchenhilfe, Wien

© Andjela Zivotic

 

 

 

 

 

 

 

„Es ist schon mal vorgekommen, dass Leute mir in einem widerwärtigen Ton sagen was ich zu tun habe denn ich war ja schließlich die Putze, das war nicht nett. Ich wusste, dass ich eine Putzfrau bin und was meine Aufgaben sind, und klar haben mich früher solche Sachen gestört, trotzdem war es für mich wichtiger vor allem als alleinerziehende Mutter, später meinen Kindern warmes Essen servieren zu können und Sachen die sie brauchen kaufen zu können, als diesen Job zu kündigen und arbeitslos zu werden.“

Slavica*, 45, Reinigungskraft,Wien

© Andjela Zivotic

„Am Anfang gab es schon Vorfälle, oder vielleicht habe ich früher mehr darauf geachtet. Ich hatte einen anderen Job davor aber als ich mit meiner Familie nach Wien gezogen bin, hatte ich bei geringen Sprachkenntnissen nicht viel Auswahl. Doch dann habe ich angefangen bei Leuten zu arbeiten, die unglaublich nett sind und mich als ihres Gleichen behandeln. Was wir ja schließlich auch sind, nicht? Einfach nur Menschen, mit anderen Berufen halt. Bis heute noch bin ich ihre Putzfee.“

Es war nett mit diesen Damen zu plaudern, das sind Frauen die in ihrer Freizeit gerne lesen, kochen, Zeit mit ihrer Familie und Freunden verbringen. Der Job macht sie nicht aus. Ihre Lebensverhältnisse haben es ihnen nicht erlaubt sich eine große erfolgreiche Karriere aufzubauen. Ihnen war es wichtiger in ein Land zu ziehen wo sie ihre Kinder aufziehen können, wo es bessere Bildungs- und Berufschancen gibt. Sie haben das Wohl ihrer Familien über das Bedürfnis der eigenen Selbstverwirklichung gestellt und jede von ihnen würde es wieder tun.

Aber nicht nur Putzfrauen, auch Bauarbeiter oder Müllmänner werden aufgrund ihrer Arbeit von anderen klein gemacht, wo doch auch ihre Berufe wichtig sind. Wer würde unsere Häuser bauen, wie würde die Stadt ohne Müllmänner ausschauen? Wieso müssen diese Menschen in eine Nische geschoben werden? Warum ist Klassismus im 21. Jahrhundert immer noch ein Thema? Und wird sich das jemals ändern?

Wir alle versuchen uns ein schönes Leben zu machen, manche von uns haben von Haus aus bessere Voraussetzungen dafür und andere müssen doch einen schwierigeren Weg gehen. Wieso also sollte das ein Grund zur Diskriminierung sein?

 

*Alle Namen sind von der Redaktion geändert worden.

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