Antiziganismus: Die Geschichte einer jungen Roma

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Diskriminiert. Verspottet. Ausgeschlossen. Diese drei Begriffe prägen die aktuelle Situation der Roma und Sinti. Die Minderheit leidet enorm unter den Vorurteilen und bekommt deshalb häufig nicht einmal die Chance sich zu integrieren. Sie werden regelrecht vertrieben: Das Ergebnis der Diskriminierungsform „Antiziganismus“. Auch ein junges, geflüchtetes Roma-Mädchen namens Ionela-Sorina Silion aus Rumänien wurde von diesem Schicksalsschlag nicht verschont.

 

Aylin P: Warum sind Sie mit ihrer Familie aus Rumänien nach Österreich geflohen?

Ionela S: Meine Kindheit war hart. Ich bin bereits in der Volksschule diskriminiert worden. Alle beschimpften mich als „Zigeunerin“. Irgendwann ging ich deshalb nicht mehr hin. Ich dachte, dass so die Beschimpfungen aufhören würden. Ich täuschte mich. Auch außerhalb der Schule wurde ich diskriminiert. Überall war dieselbe Situation.

Aylin P: Sind Sie schon öfter aufgrund Ihrer Herkunft diskriminiert worden?

Ionela S: Ja, zu oft schon. So ziemlich bei allen öffentlichen Tätigkeiten. Die Leute sahen mich und schon fingen die Lästereien an. Deswegen vermied ich schlussendlich die Öffentlichkeit.

Aylin P: Wie haben Sie sich Ihren Neuanfang in Österreich vorgestellt?

Ionela S: Als ich hörte, dass wir nach Österreich auswandern würden, freute ich mich. Ich hoffte, dass sich mein Leben fortan komplett ändern würde. Ich freute mich auch auf die neue Schule. Ich war mir sicher, dass auch die Diskriminierungen aufhören würden.

Aylin P: Sind Sie in Österreich auch diskriminiert worden?

Ionela S: Ich wurde manchmal komisch angeschaut, jedoch nicht wegen meiner Herkunft, sondern weil ich noch nicht gut Deutsch kann. In der Öffentlichkeit wurde ich bisher noch gar nicht diskriminiert. Das hat mich sehr gefreut. Das war ich nicht gewöhnt.

Aylin P: Wurden Sie in den vorherigen rumänischen Schulen diskriminiert?

Ionela S: Ja, in meinen beiden Volksschulen und in den Hauptschulen auch. Insgesamt war ich auf drei verschiedenen Hauptschulen, bis ich schließlich gar nicht mehr zur Schule ging.

Aylin P: Wie haben die Lehrer*innen darauf reagiert?

Ionela S: Sie ignorierten es. Sie taten immer so, als ob das nur Späße seien. Sie betonten, dass das normal sei, wenn sich Kinder untereinander hänseln. Jedoch wurde nur ich ausgeschlossen. Mein Lehrer sah das anders, deshalb unternahm er auch nie etwas dagegen.

Aylin P: Wie sieht Ihre derzeitige Situation in Ihrer österreichischen Schule aus?

Ionela S: Super, ich habe bereits von Anfang an viele Freund*innen gefunden und sogar eine Rumänin, mit der ich reden kann, falls ich etwas auf Deutsch nicht verstehe.

Aylin P: Haben Sie sich schonmal an Beratungsstellen explizit für Roma und Sinti gewandt?

Ionela S.: In Rumänien gibt es sowas nicht, beziehungsweise habe ich persönlich noch nie gehört, dass es so etwas geben sollte.

Aylin P: Haben Sie weitere Geschwister?

Ionela S: Ja, ich habe zwei ältere Brüder und eine jüngere Schwester.

Aylin P: Wurden diese auch aufgrund Ihrer Herkunft ausgeschlossen?

Ionela S: Ja, alle von ihnen.

Aylin P: Inwiefern glauben Sie könnte man die schwere Lebenssituation für Roma und Sinti verbessern?

Ionela S: Ich glaube, dass man die Situation in Rumänien nicht mehr verbessern kann, weil die Vorurteile gegen Roma und Sinti zu fest verankert sind. Sie glauben, dass alle Roma und Sinti „Zigeuner*innen” sind und keiner zu der rumänischen Gesellschaft passt.

Aylin P: Auf welcher Art und Weise glauben Sie könnte man den Antiziganismus bekämpfen?

Ionela S: Ich weiß nicht, ob man den Antiziganismus in Rumänien jemals bekämpfen werden könne. Jedoch bin ich froh, dass die Situation in Österreich anders ist.

Aylin P: Inwiefern unterscheiden sich die Verhaltensweisen von Österreicher*innen zu denen von Rumän*innen bezüglich Roma und Sinti?

Ionela S: Man kann die Verhaltensweisen der Rumän*innen, mit denen der Österreicher*innen nicht vergleichen. In Österreich wurde ich aufgenommen und mir wurde geholfen ein neues Leben aufzubauen. Sowas würde in Rumänien niemals passieren.

Aylin P: Wir sind jetzt am Ende des Interviews angelangt. Liegt Ihnen noch etwas auf dem Herzen?

Ionela S: Ja, ich bin sehr dankbar für die Toleranz und die Möglichkeiten, die mir in Österreich geboten werden.

Aylin P: Herzlichen Dank für Ihre Auskunfts- und Teilnahmebereitschaft.

Ionela S: Freut mich, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte.

 

 

©Aylin Paior
©Aylin Paior

 

 

 

 

 

 

 

 

von Aylin Paior

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