Antisemitismus – Ein Begriff der Vergangenheit?

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© Katja Kiefer

Halb erfroren standen wir vor den damaligen Toren von Auschwitz. Obwohl ich eine dicke Jacke, eine Haube und einen Schal trug, war mir eiskalt. Gar nicht vorstellbar, wie damals die Juden dort unter der Kälte gelitten haben müssen. Obwohl diese Zeit schon mehrere Jahre zurückliegt und man eigentlich denken könnte, dieses Thema gehöre der Vergangenheit an, ist es immer noch präsent.

 

Geschichte

Angefangen ein großes Thema zu werden, hatte alles bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wo damals das Judentum in Mitteleuropa die größte nicht-christliche Minderheit bildete. Schon zu dieser Zeit war eine deutliche Abgrenzung erkennbar, welche sich von Ghettos bis hin zu Einschränkungen im Arbeitswesen erstreckte. Jahre zuvor, etwa um 1600 wurden Juden immer wieder aufs Land vertrieben, aber mit den Jahren wuchs auch die Größe ihrer Gemeinschaft und es ließ sich nicht mehr verhindern, alle zu verjagen. Erstmals als Begriff kam das Wort „Antisemitismus“ 1879 in der deutschen Presse auf und überhaupt Hauptauslöser für diese Feindlichkeit war die Aufklärung.

Mehrere Jahre voller Judenverfolgungen verstrichen bis schließlich der „innere Burgfrieden“ während des 1. Weltkriegs für ein Nachlassen des Judenhasses sorgte, doch dies änderte sich schnell durch den nicht vorhandenen Kriegserfolg wieder. Darüber hinaus gab es laufend Judenzählungen in den Heeren und es wurde ihnen vorgeworfen, sie seien öfter im Krankenstand als andere Soldaten. Neben den Sozialdemokraten und Kommunisten wurden auch den Juden die Schuld für die Niederlage im Krieg gegeben, durch den „Verrat von innen“, wie es in der Dolchstoß Legende hervorkommt.

Hitler beginnt 1920 die Juden mit Krankheitserregern zu vergleichen und beschließt, diese im Keim zu ersticken, was eine klare Judenvernichtung als Folge hatte. Diese Ideologie geht im zweiten Weltkrieg zu unzähligen Massenmorden über.

 

Antisemitismus heute

In einem Zeitungsartikel der Wiener Zeitung von Mai 2019 wurde das Thema Antisemitismus wieder aufgegriffen und in diesem Sinne eine Studie durchgeführt, welche es als Ziel hatte, herausfinden, ob die Judenfeindlichkeit ganz beseitigt wurde oder ob immer noch Anzeichen dafür erkennbar sind. Diese Studie hat bestätigt, dass auch heute noch Menschen Probleme mit Juden haben, dass es sie sogar stören würde, wenn sie Juden als Nachbarn hätten.

Was auf den ersten Blick noch eher harmlos erscheint, zeigt sich auf der anderen Seite schon deutlich intensiver. Am Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, wurde einen Mitglied der IKG (Israelische Kulturgemeinde) angegriffen und verletzt. Der 57- jährige Täter soll dem Opfer im Zuge des Streits sogar mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Die Frage ist nun, wo diese massive Abneigung gegenüber Juden überhaupt herkommt. Es gibt verschiedene Theorien, jedoch nicht wirklich viele führen auf einen grünen Zweig. Anfangs meinten die Leute, Juden würden zu viel wissen, später wurde man neidisch auf ihren Erfolg, weshalb es ihnen verboten wurde, manche Berufe auszuüben. Im Laufe der Jahre entwickelten sich unzählige Vorurteile gegenüber Juden, dass sie zu viel Geld hätten etc. Doch wirklich eine vernünftige Antwort, auf die Frage, woher dieser Judenhass kommt, gibt es nicht.

 

Kampf gegen Antisemitismus

Um mit dem Thema besser umgehen zu können wurden spezielle Seiten einrichtet und Organisationen gebildet. Sollte man antisemitische Fälle mitbekommen oder selbst Teil sein, kann man sich an das Forum gegen Antisemitismus wenden und wer sich näher mit der Sache auseinandersetzen möchte, findet auf der Seite erinnern.at genügend Informationen dazu.

 

© Katja Kiefer                                                                                Denkmal für die ermordeten Juden in der Servitengasse, Schlüssel gegen das Vergessen

Das ehemalige Judenviertel Wiens

Bei einem abendlichen Sparziergang durch das heutige Servitenviertel im 9. Wiener Gemeindebezirk wurde ich wieder daran erinnert, wie schön eigentlich Wien sein kann.

Die Geschäfte und Lokale in diesen schmäleren Gassen waren alle hell beleuchtet und bezaubernd dekoriert, es war eine gewisse Wärme zu spüren. Für einen kurzen Moment fühlte es sich sogar so an, als wäre ich in einer anderen Stadt. Bei einem Blick in die Servitenkirche fiel mir jedoch sofort die eindrückliche Stille auf, es war kein Gottesdienst, dennoch saßen ein paar Menschen drinnen und beteten. Diese Stille versetzte mich in die Zeit von damals zurück und lies mich an die verstorbenen Juden denken.

 

 

Quellen:

Herbert A. Strauss und Norbert Kampe (Hrsg.): Antisemitismus. Von der Judenfeindschaft zum Holocaust. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1988. S. 77–82.

Lichtblau, Albert: Integration, Vernichtungsversuche und Neubeginn. Österreichisch- jüdische Geschichte 1848 bis zur Gegenwart, in: Brugger, Eveline u.a. (Hrsg.): Geschichte der Juden in Österreich, Wien 2006, 447-566

Hamann, B. (2005). In: Verfreundete Nachbarn ; Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Bonn. [Red.: Petra Rösgen], Bielefeld, 2005.

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20191011_OTS0062/antisemitischer- uebergriff-in-wien

https://www.fga-wien.at

https://www.erinnern.at

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