„Nur eine andere Hautfarbe“

geposted am

100 % weiß, das war jede Schulklasse, die ich in den letzten 9 Jahren meiner Schulausbildung besucht habe. Von circa 700 Schülern kann ich mich nur an drei nicht-weiße Schüler*innen erinnern. Dies veranschaulicht das POC (Persons of colour) auf dem Land immer noch eher die Ausnahme sind. Wie erleben nicht-weiße Jugendliche den Alltag in ländlichen Gebieten, besonders im Brennpunkt Schule? Hierzu ein Interview mit einer in Kambodscha geborenen Österreicherin:

 

YoungViesions: Du bist in Kambodscha geboren und in Österreich aufgewachsen. Wie würdest du dich selbst definieren?

Interviewte: Ich definiere mich als Österreicherin, weil ich schon relativ lange hier bin. Und ich fühle mich auch als Österreicherin, obwohl ich nicht hier geboren wurde.

YV: Wurdest du schon mal wegen deiner Hautfarbe oder Ethnie beschimpft, bedroht, verfolgt oder belästigt?

I: Ja. Andere sehen es vielleicht als Spaß, aber wenn jemand „N*ger“ oder so zu einem sagt, ist das schon sehr belastend.

YV: Wirst du sonst mit irgendwelchen Stereotypen konfrontiert?

I: Nicht wirklich, nein.

YV: Es gibt den Begriff „Othering“, das heißt, dass man im Alltag anders gemacht wird. Zum Beispiel, dass einen Leute auf Englisch begrüßen anstatt auf Deutsch. Hast du so etwas erlebt?

I: Ich habe im Sommer ein Ferialpraktikum gemacht im Verkauf, da wurde ich schon öfters auf thailändisch angesprochen. Das fand ich sehr lustig. Sonst passiert so etwas nicht wirklich. Weil wir in Österreich sind, werde ich meistens auf Deutsch angesprochen.

YV: War deine Hautfarbe oder Ethnie schon mal Grund von Mobbing oder Ausgrenzung in der Schule?

I: Grund für Ausgrenzung nicht wirklich, für Mobbing auch nicht wirklich. Aber es war schon so, dass ich als „die Schwarze“ betitelt wurde und ähnliches.

YV: Du wirst also als „Schwarze“ definiert, obwohl du eigentlich Asiatin bist?

I: Ja.

YV: Wurde Rassismus im Unterricht thematisiert beispielsweise in Geschichte?

I: Ja. Rassismus wurde schon thematisiert, aber als Resultat der Herkunft, nicht aufgrund der Hautfarbe.

YV: Hast du vielleicht Workshops oder Vorträge zu dem Thema gehabt in der Schule, oder wurde es einfach nur ein bisschen am Unterrichtsrand gestreift?

I: Es war nicht wirklich ein großes Thema.

YV: Konntest du dich in der Schule immer wie du selbst verhalten? Oder hast du dich irgendwie anders verhalten zum Beispiel unauffälliger?

I: Ich habe mich so verhalten wie ich bin. Natürlich haben die Leute geschaut, aber ich fand das zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon normal.

YV: Also du bist quasi damit aufgewachsen das dich Leute anschauen?

I: Ja.

YV: Wie war deine Beziehung zu deinen Mitschüler*innen? Hattest du nur weiße Schüler*innen in deiner Klasse?

I: Ja, ich hatte nur weiße Schüler in meiner Klasse. Aber das war schon normal für mich. Meine Mitschüler haben auf den Charakter geachtet und nicht aufs Aussehen.

YV: Und wie ist es als nicht-weiße Frau am Land aufzuwachsen und in die Schule zu gehen?

I: Es ist anders am Anfang, aber wenn man sich dann eingelebt hat fühlt man sich normal.

YV: Fühlst du dich wohler, wenn du in der Stadt bist, zum Beispiel in Wien, oder wenn du auf dem Land bist?

I: Ich fühle mich dort wohl, wo ich bei den Menschen bin mit denen ich vertraut bin, egal ob das in der Stadt oder am Land ist.

YV: Also von den Mitmenschen ist nicht wirklich ein Unterschied zwischen Stadt oder Land?

I: Nein.

YV: Hast du Unterstützung gegen Rassismus bekommen? Kennst du Unterstützungsangebote im Bundesland?

I: Unterstützung bekomme ich von zu Hause, aber sonst nicht wirklich.

YV: Was denkst du könnte man besser machen in der Schule im Punkt Rassismus?

I: Einige werden gemobbt wegen ihrer Hautfarbe. Man könnte auf sie eingehen, ihnen helfen und den anderen erklären, dass das keine anderen Menschen sind, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben.

YV: Könnte man vielleicht den Unterricht irgendwie besser machen? Hast du eine Idee, wie man das Thema Rassismus vielleicht besser integrieren könnte? Sollte man es überhaupt mehr thematisieren?

I: Thematisieren sollte man es vielleicht schon mehr, nur wird sich nichts ändern. Leute die etwas gegen anders Aussehende haben werden sich nicht ändern. Man könnte das Thema aber schon öfter im Unterricht ansprechen.

YV: Und dann die letzte Frage: Was wünscht du dir für nicht-weiße Schüler in ein paar Jahren?

I: Ich wünsche mir, dass sie so behandelt werden wie die weißen Schüler und dass keiner irgendwie benachteiligt wird nur weil er eine andere Hautfarbe hat.

YV: Dankeschön für das Interview!

©Anna Halbritter
©Anna Halbritter

von Anna Halbritter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen