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Voguing, ein Tanz als Gesellschaftskritik und Zufluchtsort.

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Voguing ist, kurz gesagt, ein Tanzstil welcher sich an Posen der Models des Modemagazins Vogue inspiriert. In den sogenannten „Ballrooms“ von New York City entstanden, welche ihren Ursprung bereits in den 1920er Jahren haben, boten diese von und für die LGBTQI* Community sichere Orte, um die Diskriminierung der Gesellschaft, mittels Performance zu bewältigen. Obwohl Voguing seit seinem Höhepunkt in den 1980er Jahren langsam aus dem Auge der Öffentlichkeit verschwand, erlebt es heutzutage aus verschiedenen Gründen wieder einen Boom.

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Als Homosexualität 1980 im Staat New York legalisiert wurde gründeten sich erste legale Vergnügungsorte für weiße homosexuelle Männer, in welchen aber LGBTQI* People of Color aus Diskriminierungsgründen meistens nicht erlaubt waren. Aus der Notwendigkeit heraus gesellschaftlich anerkannt zu werden, wurden Ballrooms daher hauptsächlich von LGBTQI* People of Color besucht, mit besonderen Fokus auf Trans*Personen und Aktivist*Innen, wie Marsha P. Johnson. Johnson war eine führende Figur bei den sogenannten Stonewall-Aufständen am 28. Juni 1969, welche als Geburtsstunde der LGBTQI* Bewegungen gelten, und setzte sich ebenfalls für Themen wie HIV/Aids ein.

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Tens, tens, tens across the board
Bei den veranstalteten Balls wurden Kostüme in bestimmten Kategorien vor einer Jury vorgetragen und -getanzt, bewertet, und die Teilnehmer*Innen mit Trophäen nachhause geschickt. Zu den Kategorien zählen bestimmte Begriffe, wie zum Beispiel „Realness“, welcher das „Passing“ also das äußerliche, normschöne „Durchgehen“ im Alltag beschreibt – bei der Kategorie Military Realness muss man also eine möglichst nahgetreue Militärsuniform nachstellen. Hier zeigt sich die auf ersten Blick eine humorvolle, aber eigentlich gesellschaftskritische Botschaft hinter den Ballrooms und dem Voguing – in einer Welt, in der es non-passing LGBTQI* Personen nicht erlaubt war im Fernsehen aufzutreten, auf Magazincovers zu erscheinen oder die meisten anderen Berufe auszuüben, organisierten sich diese non-passing Personen eine eigene, sichere Welt in ihren Ballrooms, bei denen sie sich durch Performance und Freiheit über das binäre Geschlechtersystem der Gesellschaft stellen konnten.

Mother knows best
Ebenfalls unerlässlich zu erwähnen sind die sogenannten Houses. Die Personen hinter den Voguing-Performances gründeten diese, gaben ihnen extravagante Namen (beispielsweise House of Xtravaganza, House of LaBeija) und bildeten somit eine Familienstruktur; das Oberhaupt war die Mother, die sich um ihre Kinder kümmerte, indem sie sie finanziell und emotional unterstützte, um ihnen eine sichereres Leben zu bieten. Dies wurde hauptsächlich von jungen Teenager*Innen in Anspruch genommen, die oft von ihren biologischen Eltern aufgrund ihrer Sexualität und/oder Identität rausgeworfen und von den House Mothers gefunden wurden.

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Diese Räume konnten sich über einige Jahrzehnte als relativ abgeschiedene Orte erhalten, bis 1990 Madonnas Single „Vogue“ erschien – ihr selbst wurde Voguing in den 80ern in einem New Yorker Club vorgestellt – und den Tanzstil berühmt machte. Einerseits fügte sie dadurch einen großen Teil zum Bekanntmachen und „normalisieren“ der Szene bei, allerdings bringt sich hier auch der Diskurs des kulturellen Aneignens ein. Dieser kann die Grenzen von gesellschaftlicher Akzeptanz verändern, trägt aber auch meistens einen voyeristischen Beigeschmack durch die Schaubegierigkeit, mit der auf Voguing und die Ballroom-Szene geblickt wird – jemand wie Madonna kann das Ganze kommerzialisieren und Geld verdienen, während die tatsächlichen Personen dahinter weiterhin als norm-abweichend marginalisiert werden, und nicht zu ihrem tatsächlichen Verdienst kommen. Trotzdessen schwand die Kultur der Ballroom-Szene aus der Öffentlichkeit, auch weil viele ihrer Mitglieder an den Folgen der weltweiten AIDS-Krise der 1980-90er starben.

Heutzutage erlebt Voguing wieder einen kommerziellen Boom; allerdings weniger aus einer erzwungenen Öffentlichkeit als aus dem freien Willen LGBTQI* Community heraus. Die deutliche Verbesserung der gesellschaftlicher Akzeptanz zeigen TV-Serien wie Pose und RuPaul’s Drag Race sowie diverse kürzlich gegründete Tanzkurse. Sie legen einen neuen Fokus auf Voguing, die Botschaft dahinter bleibt aber gleich: mittels Performance Gesellschaftskritik zu üben und dabei seinen eigenen Stolz zu präsentieren. 

 

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Von: Sophie Lichtenwörther

Quellen:

Krauß, Julia (2020)

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