Wie die Regierung durch Homophobie Leben Anderer aufs Spiel setzt

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Ungefähr 10% der männlichen Bevölkerung in Österreich ist homosexuell. Diese 430.000 Männer könnten zusammen jährlich über 830.000 Liter Blut spenden. Blut geht verloren. Denn homosexuelle Männer dürfen in Österreich und den meisten Teilen der EU kein Blut spenden. Oder nur unter unrealistischen Bedingungen. Wie kann eine Regierung befürworten, dass potenzielle Blutspender eine Spende gesetzlich verwehrt wird? Und damit Menschenleben in Gefahr bringt. Auf welcher Grundlage?

Die Kriterien für eine Blutspende sind von der EU weitestgehend festgelegt. Aus einer Richtlinie von 2004 (2004/33/EG in Artikel 4) geht hervor, dass potentielle Spender*innen mit einem Sexualverhalten, dass ein erhöhtes Infektionsrisiko birgt, von der Blutspende ausgeschlossen sind. Inwiefern diese Richtlinie interpretiert und vollzogen wird liegt im Ermessen der Länder selbst. Österreich hat eine eigene Blutspendeverordnung. Aus dieser geht hervor, dass laut BSV §5 s) Männer die homosexuellen Geschlechtsverkehr praktizieren der Blutspende und der Spende von Blutbestandteilen wie Plasma ausgeschlossen sind.

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Diese Verordnung wird in Österreich seit 2005 vollzogen. Damit wurden tausenden homosexuellen Männern das Blutspenden kategorisch verwehrt. Selbstverständlich müssen für Blutspenden besondere und erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gelten. Es ist essentiell für die Sicherheit und Gesundheit der Spendenden sowie für die Menschen für die eine Spende lebensnotwendig ist. Man verwehrt mit dieser Gesetzgebung jedoch einer großen Bevölkerungsgruppe das Blutspenden. Sie könnten mit ihrem Blut viele Leben retten. Der Gesetzgeber geht homophoberweise davon aus, dass jeder homosexuelle Mann Teil einer Risikogruppe für Infektionskrankheiten wie HIV ist. Das ist jedoch nicht der Fall. Mal davon abgesehen wird aus Sicherheitsgründen sowieso jedes Blut auf HIV, Aids und alle weiteren Infektionskrankheiten sorgfältig überprüft. Kein Blut wird ungetestet und ohne Laboruntersuchung an Patient*innen gespendet.

In §6 15) der BSV gibt es eine Ausnahme von dieser Verordnung gegen die Spende Homosexueller. Diese besagt, dass Menschen, die sich einem Risiko der Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten ausgesetzt haben, spenden dürfen wenn das Ereignis 12 Monate in der Vergangenheit liegt. Übersetzt heißt das, dass homosexuelle Männer 12 Monate keinen Sex haben dürfen wenn sie Blut oder Blutbestandteile spenden möchten. Dieses Kriterium soll die Sicherheit gewähren, ist jedoch eher utopisch als machbar. Der homophobe Fakt dieser Sache ist, dass der Generalverdacht der infizierten Spender*innen nur bei Homosexuellen stattfindet. Bei heterosexuellen potentiellen Spender*innen wird dieser Aspekt kaum berücksichtigt. Und das obwohl viele heterosexuelle Paare beim Geschlechtsverkehr auf ein Kondom verzichten wenn der weibliche Part die Anti-Baby-Pille nimmt. Damit ist man zwar vor einer Empfängnis geschützt, jedoch nicht vor etlichen Sexualkrankheiten. Das Risiko ist somit erhöht. Dazu kommt noch, dass kaum eine Bevölkerungsgruppe sich so oft auf HIV oder andere Infektionskrankheiten testen lässt wie homosexuelle Männer.

Ich selbst bin Opfer dieser homophoben Verordnung geworden. In Deutschland gilt dieselbe Gesetzeslage. Auch dort bin ich als homosexueller Mann der Blutspende ausgeschlossen. Als ich nach Österreich zog war ich mir der Gesetzeslage unsicher, insbesondere einer Plasmaspende. Ich ging zu einem Plasmazentrum in Wien. Nach dem Ausfüllen des Fragebogens wurde ich zur Ärztin des Zentrums gebeten. Sie erläuterte mir, dass ich aufgrund meiner sexuellen Orientierung nicht zur Plasmaspende zugelassen werden kann, da ich ein Risiko tragen würde. Auch auf meine Nachfrage ob ein negativer HIV Test die Lage ändern würde, negierte sie. Die Ärztin selbst sei auch nicht einverstanden mit der Gesetzgebung könne aber nichts für mich machen. Ich bin also gebrandmarkt. Ausgeschlossen von Blut- und Plasmaspende. Ich will helfen, darf es aber nicht.

von Magnus Reinel

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