Der (all-)tägliche Kampf gegen Hass

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Montagnachmittag. Du kommst von der Uni nachhause, schaust noch schnell beim Supermarkt vorbei. Die Schlange an der Kasse ist super lang, und du möchtest einfach nur heim. Eine blonde Dame, die es anscheinend besonders eilig hat, drängt sich an dir vorbei und setzt dazu an, noch weitere wartende Menschen zu überholen. Eine junge Frau mit Kopftuch macht als Erste den Mund auf und bittet die Dame, sich hinten anzustellen. Diese jedoch dreht sich um und kommentiert nur mit: „Du solltest froh sein, dass du überhaupt da leben darfst“. Fassungslos über so eine rassistische Aussage, weißt du gar nicht, was du sagen sollst. Da du noch immer so perplex bist, beschließt du einfach nichts zu sagen.

 

Eine ähnliche Passage hat der „Wiener Alltagspoet“ (@wieneralltagspoet) auf Instagram beschrieben und dafür einen Shitstorm erhalten. Diese Situation zeigt, wie wichtig es ist, Alltagsrassismus nicht den Rücken zuzukehren, Zivilcourage zu trainieren und vermehrt zu zeigen.

 

„Zivilcourage“, die; Wortart: Substantiv, feminin: „Zivilcourage ist der Mut, in unangenehmen Situationen in der Öffentlichkeit einzugreifen“, heißt es auf der Website des Vereins ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit.

 

©unsplash

1.920 Fälle von Rassismus und rassistischem Hass im Netz hat ZARA im Jahr 2018 bearbeitet. Was sich hier in simplen Zahlen und Fakten aufzählen lässt, ist für die Betroffenen meist verbunden mit öffentlicher Bloßstellung oder Erniedrigung und kann Menschen von der gesellschaftlichen Teilhabe ausschließen.

 

Dieser Artikel soll ein „How-To“ für brenzlige Situationen sein, in denen man Rassismus und Hass, digital oder analog, mit Zivilcourage begegnen kann, um somit den Betroffenen dieser Angriffe den Rücken zu stärken.

 

Für diesen Beitrag haben wir mit Meike Kolck-Thudt, Verantwortliche für klassische Medienarbeit, Eventorganisation und Projektkoordination bei ZARA gesprochen, und sie gefragt, wie man in der oben beschriebenen Situation reagieren sollte. „Das kommt ganz auf die jeweilige Situation und die eigene Verfassung an“, meint sie.

 

Vorausgesetzt, man kann und möchte helfen, kann man in ähnlichen Situationen zum Beispiel so handeln:

  1. Zu allererst ist es wichtig, auf die direkt betroffene Person einzugehen und sein Umfeld, sowie sich selbst, aktiv wahrzunehmen. Je nach Tagesverfassung fühlt man sich mutig und möchte die beleidigende Person ansprechen oder an anderen Tagen fühlt man sich vielleicht nicht in der Lage einzugreifen. Frag einfach die betroffene Person, ob sie Hilfe braucht!
  2. Die Situation benennen. Oft hilft es auch hinzuschauen und darauf aufmerksam zu machen, auszusprechen, dass das nicht OK ist, was gerade passiert.
  3. Es kann hilfreich sein, andere Personen anzusprechen, Unterstützung einzuholen und gegebenenfalls die Polizei einzuschalten.
  4. Betroffene und Zeugen von Rassismus und Hass im Netz können ihre Anliegen an die Beratungsstelle von ZARA melden.

 

Falls man so einen Fall an die Beratungsstelle meldet, wird dort von einem kompetenten Team, gemeinsam mit der*dem Melder*in – auf Wunsch auch anonym – überlegt, wie die weitere Vorgehensweise aussehen kann. Einerseits kann über den Fall lediglich beraten werden, um so mit den Betroffenen das Geschehene aufzuarbeiten. Eine weitere Möglichkeit ist die Rechtsauskunft, die ebenfalls von ZARA angeboten wird. Hier kümmern sich Juristen um etwaige Rechtsfragen. Falls erwünscht, begleiten Mitarbeiter von ZARA zu Gericht oder zu Behörden, um zu unterstützen.

 

Ein Fall, bei dem ZARA 2018 unterstützen konnte, betrifft das Ablehnen einer Wohnungsanfrage aufgrund eines ausländisch wirkenden Akzents. Dieses und weitere Beispiele des Alltagsrassismus werden im Rassismus Report, einer jährlich erscheinenden Zusammenfassung und Datenquelle zu Alltagsrassismus in Österreich, veröffentlicht.

 

Meike erzählt uns außerdem, dass die Organisation vor mittlerweile 20 Jahren von einigen jungen Menschen, die der Auffassung waren, es müsse sich etwas im Kampf gegen Rassismus ändern, gegründet wurde. Seit 2017 gibt es die Beratungsstelle gegen Hass im Netz und ZARA bietet auch Trainings zu all ihren Schwerpunkten an.

 

Da sich in diesem Blogbeitrag nur ein Bruchteil der wichtigen Arbeit, die ZARA leistet anführen lässt, sei an dieser Stelle auf die zahlreichen Social Media Kanäle zu verweisen: Auf Facebook, Instagram, Twitter und YouTube findet ihr großartiges Material zu den Themen Anti-Rassismus und Zivilcourage. Checkt es hier aus, es lohnt sich auf jeden Fall!

 

Von Sophie Heilig

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