Wo sind wir?

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Warum wir uns kein politisches Engagement nicht mehr leisten können 

13 Jahre alt war ich – und trotzdem dort. In einem zugepickten, gut gefüllten und vor allem entschlossen besetzten Audimax auf der Wiener Hauptuni. Es war für mich damals noch unverständlich – wofür oder wogegen genau protestiert wurde – aber es beeindruckte mich junge Menschen zu sehen, die etwas für offenbar dermaßen wichtig hielten, dass sie Tag und Nacht in diesem Audimax verbrachten.

Das besetzte Audimax 2009

Es ging um bitter nötige Investitionen im Bildungsbereich. Die Banken lösen eine Finanzkrise aus, bezahlen sollen es wir StudentInnen – die immer vor einem deregulierten Finanzmarkt und dem zügellosen Neoliberalismus gewarnt haben: „Nicht mit uns!“ war das Credo dieser bewegten Wochen. „Hahn, you Cock!“ stand in Anlehnung an den damaligen Wissenschaftsminister auf einem übergroßen Transparent an der Wand. Eine Mischung aus Rebellion und politischem Willen. Einfach cool.

Neue Freunde

Mittlerweile bin ich 21 und bis auf Schwarz-Blau Demos in den 2000ern und dem ein oder anderen Fackelzug gegen die FPÖ und ihren Rassismus blieben die damaligen Geschehnisse im Audimax das einzige Aufbäumen einer Generation, die vom Esprit der Studenten-Revolten ihrer Eltern aus den 70ern und 80ern wenig bis gar nichts mehr übrig haben. Die Umstände einer sich insgesamt vorwärts bewegenden Gesellschaft in einem kontinuierlich zusammenwachsenden Europa verursachten diese Trägheit. Und erlaubten sie auch irgendwie. Kopfschüttelnd nahm man Zugewinne der extremen Rechten zur Kenntnis. Beinahe schon gleichgültig den sich auch dorthin verschiebenden öffentlichen Diskurs.  „In die Regierung kommt die FPÖ eh nicht. Das könnte ja keiner verantworten“ – jetzt ist sie da. „Zum Minister bringt es der Strache nie, dafür ist er zu extrem. Von seiner Vergangenheit ganz zu schweigen“ – jetzt ist er da. Nur wo sind wir?

Stumpfer Populismus mit starkem Hang zur Ausländerfeindlichkeit sicherte dieses Jahr den konservativen und reaktionären Parteien eine satte Mehrheit und damit die Möglichkeit fünf Jahre lang die soziale Sicherheit auf dem Altar der freien Marktwirtschaft zu opfern. Und unsere offene, bunte Gesellschaft auf jenem des Boulevards. Das schwarzblaue Regierungsprogramm gibt uns auch im Hochschulbereich einen Vorgeschmack auf den rauen Wind der nächsten Jahre. Von Studiengebühren bis hin zur Abschaffung des allgemeinpolitischen Mandats der ÖH, raubt man uns Zukunftschancen und Mitsprache.

Die Kräfte des Widerstands, des politischen Gegenstücks zu diesem ewiggestrigen Trauerspiel sind empfindlich geschwächt. Stärken wir sie!

Die Demonstrationen am Tag der Angelobung und am 13. Jänner waren wichtige Lebenszeichen und machen Hoffnung. Vor allem junge Menschen waren unter den tausenden demonstrierenden Menschen,  um der Regierung klar zu machen, dass die Angriffe auf unsere offene und solidarische Gesellschaft nicht unkommentiert bleiben. Wenn die Regierung mit Sozialabbau, Deregulierung und der „konzentrierten“ Unterbringung von AsylwerberInnen liebäugelt, kann es von uns Studierenden nur eine Antwort geben: Widerstand! Und der darf nicht nur dann und wann bei Demos zu sehen sein. Der muss jeden Tag zu spüren sein. Ob durch veranstaltete Lesungen, Parteieintritte, Sticker am Klo oder Buttons auf den Rucksäcken: Widerstand ist jetzt die Regel, nicht die Ausnahme.

Mahnende Worte im Eingangsbereich der Uni Wien

Denn wir sind die KunststudentInnen, die sie ausleben, die Freiheit der Kunst.Wir sind die JusstudentInnen, die um sie wissen, die Unantastbarkeit der Menschenwürde. Wir sind die PublizistikstudentInnen, die auf sie zählen, die Pressefreiheit. Wir sind die Powi-StudentInnen, die täglich von ihm hören, dem Kampf gegen Ungleichheit. Wir sind die GeschichtsstudentInnen, die sie kennen, die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte.

Was wir lernen bedeutet eben nicht nur gute Jobchancen oder ein sicheres Einkommen. Es bedeutet auch Verantwortung zu tragen, wenn die Grundfesten unserer freien, offenen und solidarischen Gesellschaft in Gefahr sind. Es ist soweit. Nur wo sind wir?

 

 

Wo ich aktiv werden kann – Ein Überblick:

Dich aktiv gegen die rechtskonservative Bundesregierung zu engagieren (oder allgemein für eine bessere Welt), ist in vielen verschiedenen zivilgesellschaftlichen und politischen Organisationen möglich.

So bietet sich zivilgesellschaftlich (unter vielen anderen) zum Beispiel die Volkshilfe, Greenpeace oder auch Amnesty International. In der Zivilgesellschaft konkret gegen die Regierung aktiv zu werden ermöglichen unter anderem die Offensive gegen Rechts oder  Attac. Falls außerdem auch deine Großmutter auf die Barrikaden will freuen sich mit Sicherheit auch die „Omas gegen Rechts“ über Zulauf.

Darüber hinaus ist speziell im studentischen Bereich jede Mithilfe gern gesehen. Im Protest gegen die Regierung tätig sind beinahe alle politischen Hochschul-Organisationen. Einen guten Überblick findest du auf der Homepage der ÖH. 

Selbstverständlich sind auch viele vorhandene Oppositionsparteien (egal ob innerhalb oder außerhalb des Parlaments) geeignete Anlaufstellen um andere Zukunftsmodelle mitzuentwickeln und den Menschen die Alternativen zu schwarzblauer Regierungsarbeit aufzuzeigen.

Du siehst also es gibt ganze viele Möglichkeiten sich einzubringen, und somit auch ganz wenige Entschuldigungen das nicht zu tun.  Frei nach Antonio Gramsci gilt nämlich: „Bildet euch, denn wir brauchen all eure Klugheit. Bewegt euch, denn wir brauchen eure ganze Begeisterung. Organisiert euch, denn wir brauchen eure ganze Kraft.“

 

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