Go vegetarian!?

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Tag 1
Ich stehe vor dem Supermarktregal und suche nach einem guten Salat. Es gibt unglaublich viel Auswahl. Im Hinterkopf überlege ich schon was ich gutes aus einem Vogerlsalat oder dem danebenliegenden Eisbergsalat machen könnte. Vielleicht einen guten leckeren Salat mit Tomaten und Paprika und Hühnerstreifen – sofort ertappe ich mich selber dabei wie ich wieder in meine Essgewohnheiten verfalle.
Als Fleischliebhaberin eine Woche vegetarisch ernähren. Dieser Selbstversuch fordert mich mehr als erwartet.
Spätestens als ich daheim meine vegetarischen Einkäufe auspacke, merke ich dass ich leicht überfordert bin und „professionelle“ Hilfe brauche. Sofort suche ich auf Instagram nach vegetarischen Foodbloggern und mache mich im Internet darüber über dieses Thema schlau. Es gibt eine unfassbar große Anzahl an jungen Leuten die sich selbst als vegane/vegetarische Foodblogger bezeichnen, einen sogenannten „healthy lifestyle“ führen  und für die „foodporn“ auf Social Media tagtäglich dazugehört.
Als ich durch den Feed einer Bloggerin scrolle, läuft mir beim Anblick ihrer Mahlzeiten das Wasser im Mund zusammen. Sofort bin ich motiviert, ja sogar schon fast aufgeregt, ein Rezept für eine vegetarische Lasagne auszuprobieren.
Nach knapp einer Stunde liegt mein erstes selbst gekochtes vegetarisches Gericht auf dem Teller. Der Lasagne auf dem Foto ähnelt sie zwar nicht wirklich, schmeckt aber erstaunlich gut.

Zum Abendessen gibt es dann den Vogerlsalat mit Tomaten und Paprika, natürlich ohne Hühnerstreifen.

Tag 2
Mein knurrender Magen weckt mich. Heute ist das Erste was ich nach dem Aufstehen mache, in die Küche zu gehen. Dort ist auch schon meine Mitbewohnerin, die ein herzhaftes Frühstück zubereitet hat. Eier mit Vollkornbrot, Gemüse, Aufstrich und SPECK. Unsicher blicke ich auf den knusprig gebratenen Speck. „Passt etwas nicht?“ fragt Kathi. Ich erzähle ihr von meiner vegetarischen Woche und von meinem mehr oder weniger gelungenem ersten Tag.

Beim Mittagessen gebe ich mir heute besonders Mühe, denn ich habe mir viel vorgenommen: Eine Cashew Creme Suppe mit Spinatknödel und Pilz – Pfeffersoße.

Gesättigt und keine Anzeichen von Fleischmangel. Ich ziehe sogar in Betracht meinen Selbstversuch auf zehn Tage zu verlängern.
Da ich bis spät am Abend Uni habe und danach nicht wirklich motieviert bin mich ein zweites Mal an den Herd zu stellen, nehme ich mir unterwegs mit einer Studienkollegin einen Döner mit. Natürlich vegetarisch. Als ich das sich auf dem Spieß drehende Fleisch betrachte wirft mir der Dönermann einen schiefen Blick zu. Zu gern würde ich ihm in diesem Moment von meinem Selbstversuch erzählen.
Fazit: Der vegetarische Döner ist nichts für mich. Das war wohl mein Erster und mein Letzter.

Tag 3
Am dritten Tag fällt das Frühstück für mich aus, da ich verschlafen habe. Für einen kurzen Moment kommt es mir vor als würde sich mein Alltag nur noch um das Essen drehen.
Ich beschließe kurzerhand heute einmal ein vegetarisches Restaurant auszukundschaften. Da ich mit meiner besten Freundin zum Shoppen verabredet bin, entscheiden wir uns für die Swing Kitchen, ein kleines aber feines Restaurant direkt auf der Mariahilferstraße.

Die Speisekarte erscheint mir anfangs ein wenig ungewöhnlich und es fällt mir schwer eine Wahl zu treffen. Es gibt eine riesige Auswahl an vegetarischen Burgern, Wraps und natürlich Salaten.
Nach langem Überlegen entscheide ich mich für den Cheeseburger mit Pommes, Bio Ketchup und einen frisch gepressten Fair Trade Orangensaft.
Als ich mein Essen serviert bekomme bin ich zunächst skeptisch. Sieht aus wie ein normaler Burger, aber ob er auch so schmeckt? Bereits bei dem ersten Bissen wird mir klar, dass ich nie Vegetarierin sein werde. Der Geschmack von Tofu ist sehr eigen… Dennoch bin ich trotzdem am Ende sehr satt und kann die Swing Kitchen was Burger anbelangt sehr empfehlen.

© Emella Softic

 

Tag 4

Bereits Tag vier und ich verspüre noch kein Gefühl von Fleischmangel oder dass mir etwas fehlen würde. Da meine vegetarischen Lebensmittelvorräte immer weniger werden, beschließe ich noch ein letztes Mal in dieser Woche einkaufen zu gehen. Spätestens an der Kasse wir mir bewusst, dass vegetarische Ernährung – vor allem für Studentinnen und Studenten – ein teurer Spaß ist.

Nichtsdestotrotz stehen auf dem heutigen vegetarischen Menü : eine Kübiscremesuppe und selbstgemachte Potato Wedges mit Knoblauchbrot und Olivenöl.
Da das Mittagessen sehr sättigend war, gibt es am Abend nur noch eine Acai Bowl. Mein Favorit: fettarmer Joghurt mit Himbeeren, Bananen, Chiasamen und einem Esslöffel Kokosnussmilch.

Tag 5
Der fünfte Tag meines Selbstversuchs fordert mich am meisten. Bereits nach dem Frühstück bekomme ich unglaubliche Lust auf Schnitzel, ein saftiges Steak, ein gutes Hühnerfilet oder einfach nur ein Wurstbrot.

Zu meinem Unglück verbrennt mir auch mein vegetarisches Mittagessen: eine einfache Pizza Margherita mit Rucola und Parmesan. Mit hungrigem Magen und äußerst schlechter Laune beschließe ich letztendlich einfach eine Pizza zu bestellen. Nicht das Gesündeste aber immerhin vegetarisch. Aus Gewohnheit hätte ich sogar fast eine mit Salami bestellt.

Das Abendessen beschränkt sich heute auf eine Scheibe Schwarzbrot mit Avocadoaufstrich und Kirschtomaten.

Tag 6
Am sechsten Tag führt mich mein Selbstversuch ins TIAN, ein vegetarisches Bistro im 7. Bezirk. Ich bin wieder einmal mit meiner besten Freundin – ebenfalls eine Fleischliebhaberin – zum Mittagessen verabredet. Beim Anblick der Speisekarte verdreht sie die Augen: „Ich kanns kaum erwarte bis wir wieder normal essen gehen können.“

Das TIAN bietet meiner Meinung nach eine großartige Auswahl an vegetarischen Speisen. Burger, Flammkuchen, vegetarisches Tatar und viele weitere Köstlichkeiten. Alles was das Vegetarierherz begehrt. Ich entscheide mich für den Flammkuchen mit Tomaten und Büffelmozarella und dazu eine Holunder – Ingwer Limonade. So lässt es ich vegetarisch leben!

© Emella Softic

Am Abend treffe ich mich mit einer UniKollegin auf einen Glühwein am Christkindlmarkt vor dem Museumsquartier. Diesen Anlass nutze ich um ein weiteres kleines Experiment in Angriff zu nehmen. Ganz nach dem vegetarischen Motto: Kein Fleisch – Keine Tierversuche! Ich versuche mein eigenes alternatives Makeup herzustellen.

Als Augenbrauenpuder benutze ich gepressten Kaffeesatz und meine Wangen kommen in den Genuss eines selbstgemachten Bronzers aus einer Mischung von Kakaopulver und einem Esslöffel Kokosnussöl. Einen überraschend schönen RotTon verleihe ich meinen Lippen indem ich den gepressten Saft einer Roten Beete und etwas Sheabutter miteinander mische. Der Versuch Wimperntusche herzustellen misslingt mir allerdings.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die sogenannten „selfmade“ Make-up Produkte sehr gut aussehen können, jedoch sehr zeitaufwendig sind. Für die Tierfreunde unter euch kann ich daher die Marke „Lush“ sehr empfehlen . Diese bietet eine riesige Auswahl an tierversuchsfreiem Makeup, Haarshampoo, Duschgel, etc..

Tag 7
Am letzten Tag gebe ich mir besonders viel Mühe. Während ich die gefüllten Paprika mit Reis und Zucchini vorbereite, gehe ich im Kopf bereits durch welches Fleischgericht ich mir morgen gönnen werde. Ich erinnere mich an mein Vorhaben von Tag zwei, den Selbstversuch auf zehn Tage zu verlängern, verwerfe den Gedanken jedoch gleich wieder.

Zu Abend bereite ich noch einmal Brot mit Avocadoaufstrich vor – da die Avocado sonst schlecht wird – und lasse den Abend und eine in meinen Augen gelungene Woche mit einem Glas Wein ausklingen.

 

 

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