„Toi, toi, toi“ – Vorhang auf

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JEDER kennt unsere „großen Bühnen“ – Volksoper, Burgtheater, Theater an der Wien, Volkstheater, Akademietheater, Raimundtheater, Ronacher, und und und

JEDER kennt die „großen Stücke“ – Aida, Othello, Turandot, Der Zauberer von Oz, Romeo und Julia, Cats, Das Phantom der Oper, Tanz der Vampire, und und und …

ABER KEINER kennt die freischaffenden „kleinen“ Theaterbühnen in den Seitengassen von Wien. Und wenn man sich nicht tiefer mit dem Thema Kleinkunst beschäftigt, besucht man auch diese „Kleinbühnen“ nicht. Man nennt diese Independent Theater oder Freie Theater. Und gerade diese kleinen Bühnen sind es, die die Theater- und Kulturwelt in Wien ungemein bereichern. 

Das Off Theater

Unlängst war ich im „OFF THEATER“ – das kennen nicht so viele von uns. Dort habe ich „Romeo und Julia“ gesehen – in einer Form, wie es die „großen Bühnen“ nicht zeigt. „Das Off Theater“ in Wien ist ein kleines Theater in der Kirchengasse 41 im 7. Bezirk mit „kleiner Bühne, kleinen Darstellern, kleinem Budget, kleiner Kulisse und relativ kleinem Repertoire“.

Trotzdem oder gerade deshalb sind die Stücke in diesem Theater unkonventionell, modern, fantasiereich, neu inszeniert und ein Besuch zahlt sich allemal voll aus.

Die DarstellerInnen führen Stücke in minimalistischem Stil mit wenig Aufwand und wenig Budget auf. Meist sind es LaiendarstellerInnen, GastkünstlerInnen oder unbekannte SchauspielerInnen oder angehende NachwuchsschauspielerInnen in Ausbildung, die Stücke von meist jüngeren unbekannten AutorInnen oder selbstentwickelte Stücke zeigen.

Die renommierte Wiener Schauspielschule Krauss hat das Stück Romeo und Julia aufgeführt, in einem „reloaded“ Stil, performed von AbsolventInnen der Schule – wie es Romeo und Julia bisher noch nicht gegeben hat. Weg von der typischen tragischen Liebesgeschichte der Shakespeare-Fassung, dem „Romeo trifft Julia“-Klischee, einer bedingungslosen unerreichten Liebe und hasserfüllten Familienfehde.

 

Szene aus „Romeo und Julia“ – Off Theater, Wien © SchauspielschuleKrauss.at

Man mache hingegen beim Bühnenstück im Off-Theater drei Romeos und drei Julias. Was ja schon spannend und außergewöhnlich klingt. Das Stück kommt mit wenigen Requisiten, wenig Aufwand beim Bühnenbild, meist schwarzen Kostümen aus, bietet aber dafür viel Engagement und Hingabe bei der Darbietung – und das auf künstlerisch professionellem Niveau. Auf der Bühne standen 10 Sesseln, auf denen die DarstellerInnen saßen, wenn sie gerade nicht dran waren.

Das unkonventionelle „Romeo und Julia“ wurde extrem witzig, ironisch spritzig aufgeführt – drei Stunden mit viel Spaß und Lachen und genügend Überraschungen und unerwarteten Ereignissen, die ich hier nicht verraten möchte und einer gehörigen Portion Acting und Schauspielleistung. Einfach hingehen, ansehen, staunen, lachen und in angenehm gelöster Atmosphäre einen tollen Abend genießen.

Diese Art von Theater hat sich mittlerweile in vielen Ländern auch im deutschsprachigen Raum etabliert. Kann also durchaus auch mit den großen Bühnen mithalten.

Eben weil den meist jüngeren KünstlerInnen die Möglichkeit geboten wird, ihr Können vor einem kleinen aber repräsentativen Publikum zu zeigen. Diese Theater geben KünstlerInnen die Möglichkeit ihre künstlerische Vielfalt zu zeigen. Oft wird auch das Publikum mit in das Stück integriert und kann die Handlung und den Verlauf mitgestalten und der Zuschauerraum wird zur interessanten Nebenbühne.

Das Schubert Theater

Vor einigen Wochen besuchte ich das Schubert Theater in der Währinger Straße 46 im 9. Wiener Gemeindebezirk. Ebenfalls ein Independent Theater. Dort spielte es „Peekaboo“ – ein Improvisationstheaterstück, wie es die Bühne davor noch nicht gesehen hat. Bei einem spektakulären Krimiabend „Crime Time at Prime Time“ werden immer andere Geschichten erzählt, und du entscheidest wie es geht.

Und so wird’s gemacht: die SchauspielerInnen und AkteurInnen bitten das Publikum zu Beginn des Schauspiels um ihre kreativen Ideen und Gedanken zu einer perfekten Mordszene. An diesem Abend werden die ZuschauerInnen selbst zum Geschehen mit einbezogen und sehen mit an, wie die eigenen mysteriösen Vorschläge, schauspielerisch in Szene gesetzt werden.

ZuschauerInnen beantworten Fragen wie: Wer ist der Mörder?, Wo hat der Mord stattgefunden?, Was war die Tatwaffe? und Wer wird den Mord schlussendlich lösen? Fragen über Fragen und nur du selbst kannst entscheiden wie der Abend ausgeht. Viel Schwung, tolle Performance, Unterhaltung pur! Das müsst ihr euch unbedingt einmal geben! Sehr beliebt beim jungen Publikum!

Puppentheater „Haydn die Musik aus mir“ © Schuberttheater.at

Ebendort habe ich auch das Stück „Haydn – die Musik aus mir“ gesehen. Ein Theater-Konzert-Erlebnis, das das Genie Joseph Haydn als Puppe wiederauferstehen lässt. Mehr will ich nicht verraten – nur soviel – es ist gelungen, sehenswert und professionell!

Das Schubert Theater zeigt neben zahlreichen Eigenproduktionen und vorwiegend Puppentheater auch Gastspiele, Konzerte, Zaubershows, ja sogar Operettenmelodien komödiantisch verpackt.

Interessant auch – das Schubert Theater zeigt beim jährlichen Figurenfestival (5.-11. Juni 2017) ein Programm mit Figurentheater und gibt Einblicke an Erlebnisse, Geschichten, Begegnungen. Schöne einfühlsame Geschichten für Groß und Klein, um mit einem Lächeln nach Hause zu gehen! Puppenspiel und künstlerische Gestaltung der ganz besonderen Art mit viel Liebe gemacht!

Der Dschungel Wien

Im Dschungel Wien im Wiener MuseumsQuartier im 7. Bezirk wurde vor einigen Monaten „Open Stage“ aufgeführt – hier wird eine 8-minütige Szene/Auftritt von NachwuchsdarstellerInnen – alleine oder zu zweit – performed, um die Möglichkeit zu erhalten, vielleicht „entdeckt“ zu werden. Tanz, Schauspiel, Lied, Clownerie, Kabarett – alles ist möglich, um sich selbst im Rampenlicht zu präsentieren.

Der Spieler – Theaterstück im Bronski & Grünberg Theater

Unlängst sah ich im Bronski & Grünberg Theater, Müllnergasse 2 im 9. Wiener Gemeindebezirk das Stück „Der Spieler“ – coole Location, kreative Kostüme, tolles Bühnenbild, interessantes Stück – spielt in den 70er Jahren in Saigon und handelt von Lebenskünstlern und ihre Schicksale. Weitere tolle Stücke im Wronski & Grünberg Theater sind: „Dracula“, „Gefährliche Liebschaften“, „Kevin der Hom(m)e Alone“, „Kasimir und Karoline“, „Thelma und Louise“ – lauter bekannte und aufregende Stücke mit aufstrebenden Künstlern – vergnüglicher Abend und viel Spaß garantiert!

Im Vergleich zu den großen Bühnen sind die Off Theater auf Spenden, Sponsoren und Förderungen angewiesen um überleben zu können. Oft vermieten diese kleinen Theater auch ihre Räumlichkeiten für Film- und Fotoaufnahmen, Preisverleihungen, Musikaufführungen, als Probenraum, für Workshops, Tanzproben, Veranstaltungen, Geburtstagsparty, Weihnachtsfeier, etc.

Sie gehören – zum Glück – zur österreichischen Kulturszene und ich statte diesen Theatern schon deswegen immer wieder gerne einen Besuch ab, weil hier das künstlerische Können der DarstellerInnen und die Leistungen aller Mitwirkenden wirklich im Vordergrund stehen. Auf jeden Fall freut sich das junge Ensemble, die RegisseurInnen und ChoreografInnen immer auf tosenden Applaus.

Independent Theaters gibt es weltweit – von Sydney bis New York – und der Erfolg von solch kleinen Bühnen mit ihren DarstellerInnen und Produktionen gibt ihnen Recht mit den großen Bühnen durchaus mithalten zu können.

Da ich selbst Schauspiel als Zweitstudium absolviere, finde ich die Möglichkeit, die jungen Begabten in Freien Theatern geboten wird, bei solchen Aufführungen und Inszenierungen mitzumachen, eine wunderbare Idee und Bereicherung für das künstlerische Talent, um ihr handwerkliches Können zu zeigen. Ich selbst spiele im Herbst 2017 im „Spektakel“ im 5. Bezirk in Wien, Hamburgerstraße 14. Wir freuen uns über zahlreichen Besuch und viel Applaus!

Hier einige Off Theater, Independent Theater, Freies Theater für

Schauspiel, Musiktheater, Tanz, bildende Kunst, Puppentheater, Crime-Theater in Wien:

www.off-theater.at

www.schuberttheater.at

www.dastag.at

www.schauspielhaus.at

www.dschungelwien.at

www.rampenlicht-productions.at

www.spektakel.wien

 

Text: Natalie Veronica Thonauer, 2017

Fotos: Schuberttheater, Schauspielschule Krauss, Natalie Veronica Thonauer

 

 

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