Studentische Lebenshilfe in Wien

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„Praktische Lebenshilfe  in Wien –
die Vereinigung rumänischer Studenten im Ausland“

Ein ruhiges WG-Zimmer in Wien. Salesianergasse, 3. Bezirk. Die Wohnung duftet nach frisch gebackenen Plätzchen und Zimttee. Auf dem alten Plattenspieler, ein Dual 1249, dreht sich eine echte Vinylplatte mit Weihnachtsliedern. „O du fröhliche.“ Ein kleiner Weihnachtsbaum ist festlich geschmückt, die Nadeln duften noch frisch.

© Teodor Alexander Fabian

 

Auf dem Sofa daneben sitzen zwei junge Leute, ein Mädchen und ein Junge.

Sie reden. Der eine ist Vlad, aus Bukarest, der an der Uni Wien Jura studiert. Sie heißt Anna. Außer ihrer rumänischen Herkunft und dem gemeinsamen Studienfach teilen sie noch eine Gemeinsamkeit: das Alter. Die zwei sind 19 Jahre alt. Sie treffen sich gerne, diesmal aber wurde ihre Verabredung durch ein Problem befördert . Vlad ist gerade weder weihnachtlich noch fröhlich zu Mute. Das Geld, mit dem er die   Reise  r den Weihnachtsurlaub daheim in Bukarest bezahlen wollte, ist… futsch. „Stell dir vor, was passiert ist…“, sagt Vlad und berichtet Anna, was ihm vor   einem Tag passiert ist. Erzählt, wie er am Dienstagabend ins Badezimmer gegangen ist und das WC verstopft vorgefunden hat. Berichtet, wie er einen Installateur vom -Notdienst benachrichtigt hat. „Ich habe ihm die Adresse durchgegeben, alle persönlichen Daten und in weniger als 30 Minuten war er vor Ort.“ „Und?“, fragt Anna, schon ganz neugierig. Beide haben in Rumänien deutsche Schulen besucht und sprechen Deutsch wie ihre Muttersprache, im Dialog wechseln sie ständig von einer Sprache in die andere. „Der Installateur sagte gleich, dass es nicht günstig sein würde- und präsentierte gleichmal eine Rechnung.“ Vlad sollte 200Euro nur für die Anfahrt zahlen – ohne, dass der Installateur irgendeinen Handschlag getan hätte. „Davon war vorher am Telefon natürlich eine Rede“, ärgert sich Vlad ein wenig über seine eigene Unbedarftheit. Und jetzt das. Die komplette Reparatur sollte „mindestens 570 Euro“ kosten – Geld, das weder Vlad noch sein Mitbewohner mal ebenso zur Verfügung hatten . Es kam, wie es kommen musste: Wenige Minuten später ist Vlad um 200 Euro „erleichtert“, doch das Problem mit dem verstopften WC besteht immer noch.

© Teodor Alexander Fabian

Vlad blickt Anna etwas ratlos an. In wenigen Tagen wollte er sich mit dem Geld auf die Heimreise nach Bukarest machen – nun ist der Weihnachtsurlaub in Gefahr. Glücklicherweise ist Anna Mitglied des Vereins „LSRS“, der Vereinigung rumänischer Studenten im Ausland, der auch in Wien eine große Ortsgruppe hat. Als sie Vlads Geschichte gehört hat, schreibt Anna in die WA-Gruppe. Keine zwei Stunden später haben sich fünf Studentinnen und Studenten der Wiener Ortsgruppe in Vlads WG-Zimmer eingefunden. Mit ein paar Utensilien von OBI, die insgesamt kaum mehr als 30 Euro kosten, machen sich die Studenten ans Werk, wenig später ist mit vereinten Kräften die Toilette repariert. „Da fällt mir schonmal ein Stein vom Herzen“, sagt Vlad, der wegen des „Problems“ schon ein paarmal bei der Nachbarin schellen musste. Es bleibt das Problem mit der Heimreise. Anna setzt neuen Tee auf, statt Weihnachtsliedern hören die Rumänen nun Songs von DAWA und M185. In entspannter Atmosphäre diskutieren die Auslandsrumänen diverse Alternativen. Ionutz schlägt vor, Geld zusammenzuschmeißen und Vlad zu schenken. Das möchte der aber nicht. „Das kann ich nicht akzeptieren, so lieb das von euch gemeint ist.“ Am Ende die Einigung: Die Gruppe leiht Vlad das Geld, damit er nach Hause fahren kann.

Die Situation zeigt die Notwendigkeit eines guten Netzwerkes, wenn man im Ausland lebt und studiert; um gerade in problematischen Situationen nicht allein zu sein. Die Vereinigung der rumänischen Studenten im Ausland ist eine NGO, die in mehr als 50 Ländern vertreten ist, und hat etwa 12.000 Mitglieder. Sie hat als Ziel, die jüngeren Studenten, die im Ausland ein Studium aufnehmen, zu unterstützen. „Viele unserer Mitglieder sind gerade 18, 19 Jahre alt und für ihr Studium meist das erste Mal längere Zeit von zu Hause weg“, erzählt Anna. „Viele rumänische Jugendliche sind noch nicht so selbstständig wie ihre Altersgenossen in Westeuropa, da sie oft aus sehr behüteten Familien kommen, wo sie sich selbst um nichts kümmern mussten.“ „Unser Job war es, an unseren Schulen ein gutes Abi zu machen“, bestätigt Vlad, der, obwohl er ein Superschüler war, im Laufe seiner Schulkarriere für umgerechnet Tausende von Euro Nachhilfe genommen hat, die sogenannten „Privatstunden“. Und so kümmert sich die Studentenvereinigung auch um die Förderung kultureller und gemeinschaftlicher Projekte, die die Selbstentfaltung ihrer Mitglieder fördern. Anna ergänzt: „Der Verein bedient das Bedürfnis der Menschen nach Kommunikation, nach neuen Freundschaften, nach gegenseitiger Hilfe, Solidarität und nach Selbstentwicklung. Diese Werte sind wichtig für die Entwicklung junger Leute, nicht nur als Mensch, sondern auch als soziale Akteure.“

© Teodor Alexander Fabian

Auch Vlad ist vom Nutzen des Vereins mehr als überzeugt. Als er im Flix-Bus nach Bukarest sitzt, füllt er über sein Smartphone schon den Aufnahmeantrag aus… Teo Alexander Fabian

Text: Teodor Alexander Fabian

Foto: Teodor Alexander Fabian

 

 

 

 

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