Meine endlose Jobsuche

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Ich bin mit 17 Jahren (jetzt bin ich 20), sofort nach der Schule (in der Ukraine muss man nur 11 Jahre die Schule besuchen), nach Wien gekommen, mit dem Ziel, hier eine Ausbildung zu machen. Aber zuerst musste ich lernen, die deutsche Sprache zu beherrschen, denn ich bin mit null Kenntnissen hier angekommen. Während meiner Deutschkurse wollte ich unbedingt einen Job finden um von meinen Eltern finanziell unabhängig zu sein. Ich habe sofort angefangen zu überlegen, was ein Mädchen ohne Erfahrung machen kann. Das Erste, was mir eingefallen ist, war ein Job als Kindermädchen.

So, ich bin voller Enthusiasmus, suche mir eine Familie und denke dabei, dass es einfach ist, diesen Job schnell zu finden. Zu meiner Enttäuschung, waren das nur meine Gedanken. In der Praxis war es ganz anders. Wenn man neu in der Stadt ist, dann hat man am Anfang fast keine Kontakte, die man irgendwie nutzen könnte. Sie denken wahrscheinlich ok, bitte 21. Jahrhundert, Online-Welt und so weiter und so fort… ja, das weiß ich auch. Aber es ist nicht so einfach. Im Online-Netzwerk muss man wirklich vorsichtig sein. Ich habe einen Job gesucht, also eine Familie, bei der ich wohnen könnte. Das heißt, hier musste ich wirklich gut aufpassen, denn es gibt ziemlich viele Fakes im Netz.

Ich wollte eine Familie finden, bei der ich Vorteile habe. Beispielsweise: kostenloses Wohnen, Geld verdienen und die Möglichkeit, Deutsch schneller zu lernen. Die erste Familie, bei der ich als Kindermädchen gearbeitet habe, war keine österreichische Familie, sondern eine Mischung aus Russland und Polen, aber Deutsch habe ich schon ab und zu bei ihnen gehört. Das war meine erste Erfahrung vom Erwachsenenleben und natürlich war es auch nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auf jeden Fall war die Familie sehr nett und ich habe viele gute Erinnerungen erhalten. Bei dieser Familie bin ich nur für 3 Monate geblieben, da sie leider zurück nach Polen mussten. Und so stand ich wieder ohne Job da.

Meinem Plan folgend, wollte ich wieder als Kindermädchen arbeiten und erneut eine Familie finden. Dieses Mal war das Glück nicht auf meiner Seite. Nach langer Suche, war ich enttäuscht und wurde depressiv. Ich wusste wirklich nicht, ob ich je wieder so eine gute Familie finden würde. Nach fast fünf Monaten wurde ich erneut von meinen Eltern finanziert, was für mich schon peinlich war. Wenig später fand ich zufällig im Netz eine Frau, die sich mit Au-pair Jobs beschäftigt. Wir haben uns per E-Mail verständigt und wenig später hat sie für mich eine Familie gefunden. Ich wusste nicht mal wer genau diese Frau war, aber sie hat mich damit sehr glücklich gemacht.

Alles hat geklappt und mir wurde gesagt, dass ich schon bald anfangen könnte zu arbeiten. Damals habe ich aber ein Arbeitsvisum gebraucht, damit ich ganz legal in dieser Familie arbeiten dürfte. Das Problem ist nur, dass ich aus der Ukraine bin und das Land leider nicht zur EU gehört.

Am Anfang wusste ich nicht, wie schwer es ist, ohne diese Staatsbürgerschaft einen Job zu bekommen. Es sind sehr viele Probleme mit bürokratischen Sachen entstanden. Zuerst musste ich zum AMS (Arbeitsmarktservice) gehen und dort alles nachfragen, um so schnell wie möglich arbeiten zu dürfen.

Dort bekam ich die Information, dass alle Unterlagen für mein Visum in der Ukraine abgegeben werden mussten und nur wenn der Antrag positiv wäre, hätte ich die Erlaubnis wieder nach Österreich zu fahren. Ich war einfach schockiert. Ich wollte nicht zurück fahren und Deutsch verlernen. Die schlimmste Sache war, dass  mir nicht bekannt war, wie lange ich darauf warten müsste.

Also, in der Ukraine wartete ich drei Monate auf mein Visum, die Zeit verging sehr, sehr langsam. Daraufhin kam ich wieder nach Wien. Diese lange Pause hat mich echt viel gekostet, meine Deutschkenntnisse wurden schlechter, ich musste viel wiederholen und benötigte erneut einen Deutschkurs.

Bei meiner neuen Familie hat es mir gut gefallen. Ich hatte Riesenglück, da ich wieder gute Leute um mich hatte. Am Anfang war ich ein bisschen schüchtern, ich konnte nicht so gut Deutsch und folglich kam es manchmal zu Missverständnissen. Aber ich bin schnell zurecht gekommen und nach ein paar Monaten konnte ich die Sprache schon viel besser sprechen, was für mich sehr wichtig war.

In der Familie habe ich offiziell 1 Jahr als Au-pair gearbeitet, danach habe ich mein Studentenvisum bekommen und der Antrag für das Studium wurde eingereicht. Bei dieser Familie arbeite ich jetzt nicht mehr, mir wurde aber vorgeschlagen weiterhin dort zu wohnen und diesen Vorschlag habe ich natürlich nicht abgelehnt. Bis heute wohne ich noch hier und bin damit vollkommen zufrieden.

Ich wollte wieder ein Job finden, aber jetzt nicht mehr als Kindermädchen, sondern als Verkäuferin. Ich habe hunderte Bewerbungen verschickt, wurde jedoch fast überall abgelehnt. Warum? Hier war wieder ein Problem und zwar mit der Arbeitserlaubnis. Das System ist so, dass man zuerst einen Job finden und danach 2 bis 4 Wochen auf die Arbeitserlaubnis warten muss. Natürlich ist es für einen Arbeitgeber nicht vorteilhaft auf mich zu warten, denn er kann immer jemanden finden, der keine Arbeitserlaubnis braucht und EU-Bürger ist.

Ich wollte nicht aufgeben und habe weiter und weiter gesucht. Ich wusste, dass wenn ich immer wieder Bewerbungen verschicken würde, würde ich sicher etwas, was mir passt, finden. Viele meiner Freunde aus der Ukraine und aus Russland waren auch in dieser Lage. Jemand hatte Glück und hat schnell ein Job gefunden, jemand anderer wollte nicht mehr suchen und hat mit der Suche aufgehört, etc. Aber in jedem Fall war es echt schwierig zu starten.

Gute Neuigkeiten

Sommer ist vorbei, draußen ist September. Ich habe weiter einen Job gesucht. Und eines Tages bekam ich einen Termin zum Vorstellungsgespräch bei ,,Forever 21´´. Ich wollte den Job unbedingt haben, denn es  wäre perfekt für meine 10-Stunden Arbeitserlaubnis pro Woche.

Eine Stunde nach dem Vorstellungsgespräch, bekam ich die Antwort: „ Sie sind aufgenommen“. Ich war einfach überglücklich. Endlich  hatte ich mein Ziel  erreicht. Ich weiß, vielleicht ist es kein Flug zum Mond oder keine große Entdeckung, aber ehrlich gesagt ist es für mich etwas Ähnliches. Ich habe es geschafft. Mein Job gefällt mir sehr, weil ich Mode mag und irgendwie etwas damit zu tun haben wollte.

Es lässt sich nur sagen, dass man immer suchen und nie aufgeben soll. Natürlich bin ich eine „Ausländerin“ und wusste, dass es am Anfang schwierig wird. Aber ich glaube, dass alles möglich ist, solange man immer daran glaubt und alles in seiner Macht stehende dafür tut.

Okay, Spaß. Ich habe meinen Job wieder verloren, da der besagte Laden in Konkurs gegangen ist, aber nicht vergessen: Niemals aufgeben! 🙂

 

 

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