Stress lass nach — für mehr Ruhe im Alltag

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Stress — ein Thema, das alle in unterschiedlichen Ausprägungen, aber dennoch irgendwie immer und auf der ganzen Welt betrifft. Dabei ist es ganz egal, welchen Stress du hast und wie viel davon, aussagekräftig ist einzig und allein, ob er dich in deinem Leben einschränkt und dir somit nicht gut tut. Es soll in diesem Beitrag nicht um dessen Auswirkungen gehen oder wie man ihn vermeiden kann, sondern vielmehr darum, wie du damit umgehen und etwas Positives aus der ganzen Sache ziehen kannst. Eine der simpelsten und effektivsten Methoden soll dabei die Meditation sein. Um es ganz einfach zu sagen: So wie du deinen Körper trainieren kannst, kannst du eben auch deinen Kopf trainieren. Du musst dich dabei nicht mal bewegen und brauchst dich körperlich nicht anzustrengen. Teilweise fühlt sich das Ganze für mich aber doch ein bisschen wie Akrobatik fürs Gehirn an, wenn sich in meinem Kopf mal wieder das Gedankenkarussell dreht und ich mit aller Kraft dagegen anzukämpfen versuche.

„Wann hast du das letzte Mal 10 Minuten einfach gar nichts gemacht?“

 

© Matthias Werl

Wahrscheinlich war bei mir das letzte Mal, als ich einen Abdruck für meine Zahnspange machen musste und mich völlig auf das Ein– und Ausatmen konzentriert habe, um nicht an der pappigen Masse zu ersticken.
Von Meditation habe ich natürlich schon vor Jahren mal gehört und sie immer als esoterischen Humbug abgetan, der nur von Schamanen betrieben wird. Als ich mich aber letztes Jahr in einem Yoga–Studio wiederfand, wurde mir klar, dass Meditation eigentlich auch fix zur Yoga–Praxis gehört. Bis dahin hatte ich Yoga nur mit Youtube Videos praktiziert und vor dem Savasana (auf gut Deutsch: Daliegen wie ein toter Seestern) meistens auf Pause gedrückt. Ich habe meinen Körper trainiert, nicht aber meinen Geist. Brauche ich doch nicht, ich habe ja keinen Stress, denn ich bin noch Studentin. Dachte ich.
Ich habe meinen Ausgleich immer in der Bewegung gefunden — beim Laufen, beim Tanzen, beim Spazieren gehen, beim Irgendwas-Machen. Nicht aber beim ruhig Dasitzen und Nichtstun in der Stille. Das sollte sich allerdings mit letzten Wintersemester ändern. Ich besuchte im Rahmen meines Philosophiestudiums ein Seminar, das sich einfach nur „Yoga“ nannte. Unser Professor in Pyjamahose (oder war’s — pardon — eine Yogahose?) sprach über die verschiedensten Körper– (eh klar) und Atemübungen. Atemübungen? Ich lese die Texte für die nächste Stunde und der Gedanke der Meditation lässt mich nicht los. Aber was fange ICH schon damit an? Still dasitzen, Augen zumachen, atmen und nichts tun? Danke, nein, nichts für mich. Dennoch denke ich: Challenge accepted!

 

Woche 1

Es fällt mir verdammt schwer. Ich finde immer eine passende Ausrede, warum ich heute nicht meditieren soll/kann/muss/will. Ich will mich nicht mit meinen Gedanken beschäftigen, ich kann sie nicht abstellen.
Ich übernachte bei einem Freund. Am nächsten Morgen sagt er, er würde jetzt meditieren und ob ich nicht auch Lust darauf habe. Meditieren? Jetzt? Ich habe nur wenige Stunden geschlafen und nach dem ganzen Whiskey dröhnt mir der Schädel; dennoch sage ich ja. Vielleicht hilft es wenigstens gegen mein Kopfweh. Und außerdem wollte ich doch sowieso meditieren. Irgendwann muss ich damit anfangen, sonst kann ich mir gleich etwas Anderes für meinen Blogeintrag überlegen! Irgendwie habe ich es an dem Tag geschafft, mich auf meine Atmung zu konzentrieren und die Gedanken einfach mal Gedanken sein zu lassen.

Woche 2

Ich sitze also da und denke mir: „Breathe in, breathe out… bla bla blaaa…“ Das Blabla wird immer lauter in meinem Kopf. Wie soll man sich denn da konzentrieren, beziehungsweise eigentlich nicht konzentrieren? Ich denke plötzlich an alles, meine Gedanken rasen nur so dahin. Ich fühle mich durch die Meditation viel gestresster als davor. Dieses Anspannungsgefühl in meiner Magengegend wird mehr anstatt weniger. Hm. Vielleicht gehört das dazu?

Woche 3

Mittlerweile habe ich mir eine App* runtergeladen und versuche eine angeleitete Meditation. Vielleicht ist das einfacher?
Ich mag die aufgenommene Stimme überhaupt nicht. Der Mann nervt mich. Mit seinem „blue-sky-thinking“. Ich finde die App scheiße, bleibe aber trotzdem dabei. Denn irgendwie tut’s mir doch gut und ich fühle mich danach besser als davor. Vor allem nach einem stressigen Arbeitstag tut mir das Einfach-Dasitzen richtig gut.

Woche 7

Ich bin zum ersten Mal seit längerer Zeit für vier Tage unterwegs. Mit Studienkollegen fahre ich zur Medienstudierendentagung nach Mainz. Zum Meditieren komme ich natürlich überhaupt nicht. Mit einem vollen Programm bis in die Morgenstunden und ‪24/7 Leuten um mich herum bleibt einfach keine Zeit und vor allem keine Ruhe. Als ich sonntags wieder nach Wien komme, ist das erste, das ich mache meditieren. Nie hätte ich das gedacht, aber es hat mir wirklich gefehlt in den letzten Tagen.

Woche 9

© Matthias Werl

Ich habe meine Routine mittlerweile gefunden und meditiere am liebsten nach meiner Arbeit bzw. nach der Uni. In der Früh ist es mir meistens zu unruhig, wenn meine Mitbewohner die Türen zuknallen und sich ihre Kaffeebohnen mahlen. Natürlich gibt es immer noch Tage, wo ich mich fast zwingen muss mich auf den Boden zu setzen und nichts zu tun, aber mittlerweile weiß ich, dass ich mich danach um einiges besser fühle. Ich bin fasziniert mit welch einfachem Mittel ich meinen Kopf wieder frei bekommen kann. Für alle Couchliebhabenden: Du musst dich dazu nicht einmal bewegen! Wenn ich gerade keine Lust habe, mein Kopf aber glaubt, er müsste gleich explodieren, dann hilft es mittlerweile sogar, wenn ich nur 3 Minuten meine Augen schließe und tief ein- und ausatme.

 

Knapp 3 Monate später

Was soll ich sagen? Ursprünglich wollte ich das Meditieren nur für diesen Blogpost ausprobieren und das Ganze maximal 30 Tage lang machen. Inzwischen ziehe ich es nun schon seit knapp 2 Monaten mit maximal 3 Tagen Pause dazwischen durch. Meditation gehört mittlerweile für mich zu meinem Alltag und hilft mir, wenn ich mich sehr gestresst fühle. Nicht nur einmal habe ich währenddessen zu weinen begonnen, als das Anspannungsgefühl sehr hoch war, mich danach allerdings viel besser gefühlt. Ich habe bis jetzt noch keine bessere Taktik für mich gefunden als das Meditieren, um mit Stress umzugehen und runterzukommen. Ich bin jedoch noch immer ganz am Anfang meiner Praxis. Ich würde nicht behaupten, dass ich jetzt weniger gestresst bin als vorher, mir fällt es jedoch um einiges leichter, den Stress zu bewältigen und Ordnung in mein Gedankenchaos zu bringen.

*Ich will hier bewusst nicht erwähnen, um welche App es sich handelt, da dies kein Werbe-Blogpost sein soll, der verschiedene Apps vorstellt und vergleicht. Hier geht es nur um meine persönliche Erfahrung mit dem Thema Meditation. Falls es aber doch jemanden interessiert: Sie ist orange und eine der bekanntesten Apps, die es so gibt am Markt. 😉

 

Text: Barbara Weber

Fotos: Matthias Werl

 

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