Stehst du auch auf Konzerte?

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Einmal so richtig nobel ins Theater gehen. Oder auf ein klassisches Konzert in schickem Outfit und mit Champagner in der Hand. Live die großen Musicalstars erleben. Das wäre doch ein Traum.

Die Realität:  Junge Studentin im ersten Semester, pleite, unmögliche Kartenpreise.

Soviel zu meinem Vorhaben, neben dem typischen techno-elektro-dubstep-Zeug, das in jeder Youtube-Playlist läuft, mal etwas anderes auszuprobieren. Finanziell unabhängig und eigenständig wie wir Studenten halt sind, kam es nicht in Frage, meine Eltern um eine Finanzspritze zu fragen. Stattdessen machte ich mich auf die Suche nach preiswerten Alternativen für die teuren Karten der Musikveranstaltungen. Schnell wurde ich fündig: Stehkarten! Was bei jedem Konzert einer Band Normalität ist, ist in diesem Bereich jedoch eher unbeliebt… drei Stunden stehen und schlechte Sicht? Oder kann man hier etwa preiswert dasselbe Musikerlebnis erwerben? Ob Stehplätze ihrem Ruf gerecht werden oder doch der Geheimtipp unter den Studierenden sind habe ich für dich bei 3 verschiedenen Locations für 3 verschiedene Musikveranstaltungen getestet:

1. Musikverein

Klassisches Konzert – Violine & Piano mit Yuja Wang & Leonidas Kavakos

Auf dieses Konzert freute ich mich schon seit längerem ganz besonders. Meine Erwartungen an diesen Abend waren hoch. Der wunderschöne, vergoldete Saal, verbunden mit den beruhigenden Klängen der Instrumente: Das kann nur gut werden. Soviel zu meiner Voreinstellung.

Gespannt wartete ich auf jenen Sonntagabend, an dem ich die Praxis austestete. Dort angekommen, senkten ich und mein Freund den Altersdurchschnitt eher   wir waren nicht das typische Publikum für ein klassisches Konzert. Nichtsdestotrotz machten wir uns auf den Weg zu den Stehplätzen, die im hinteren Bereich des Saals lagen. Zu unserer Überraschung waren die Stehplätze jedoch mehr eine Stehplatzfläche, als eine Stehplatzreihe. Diese war eine Viertelstunde vor Konzertbeginn auch schon gut gefüllt.

Wir versuchten uns so hinzustellen, sodass wir trotzdem auf die Bühne blicken konnten. Mir gelang dies leider nicht, also schloss ich meine Augen und versuchte die Musik so zu genießen. Nach einer Weile wurde es uns beiden jedoch zu eng. Als ich um mich blinkte, bemerkte ich noch ein interessantes Detail des Stehplatzareals: Viele Leute setzten sich mit geschlossenen Augen an die hintere Wand und lauschten den Klavier- und Violinenklängen. Begeistert von dieser Idee machten wir es im zweiten Teil des Konzertes genauso. Das Musikerlebnis ist definitiv anders, als in einer Sitzplatzreihe mit Sicht, jedoch würde ich die „Steh“-plätze deswegen nicht als negativ abstempeln, sondern als gute Alternative.

Mein Fazit

Falls du was sehen willst, komm sehr früh. Falls du nur zuhören willst, komm zwei Minuten vorher. Sehr preiswerte Karten und toll für Studenten. Für regelmäßige Konzertbesucher würde ich empfehlen, im „Club 20“ beizutreten. Dies ist ein Angebot des Musikvereins für Jugendliche und junge Erwachsene, um 20€ pro Saison und für maximal 20€ pro Karte die besten Plätze im Musikvereinssaal zu ergattern.

How to get them

Über die Website des Musikvereins könnt ihr die Stehkarten unkompliziert für eure Wunschvorstellung um einen fairen Preis von 6€ (bzw bei manchen Konzerten 5€) ergattern. Die Stehkarten sind ab dem offiziellen Kaufstart der Sitzplatzkarten verfügbar. Einfach selbst ausdrucken und los geht’s. Natürlich kann man auch bei der Konzertkasse oder telefonisch Karten kaufen.

Zu weiteren Infos und zum Ticketerwerb geht’s hier: Musikverein

2. Ronacher

Musical – Tanz der Vampire

©Sarah Prankl

Das berühmte Musical „Tanz der Vampire“ hatte ich schon länger im Auge. Ich plante, es in meinen Blogartikel miteinzubeziehen. Beim Ticketerwerb gleich der erste kleine Schock: Alle Vorstellungen ausverkauft. Nach kurzer Recherche fand ich jedoch heraus, dass hier die Stehplatzkarten nicht miteinbezogen sind, da diese erst ab einer Woche vor der jeweiligen Vorstellung bereit stehen.

Die Stehplätze befinden sich im 2. Rang und abgesehen vom schönen Ambiente im Ronacher, war ich auch vom Stehplatzbereich beeindruckt. Die Sicht war zwar teilweise eingeschränkt, jedoch nicht mehr als bei der Sitzplatzreihe vor mir. (Kleiner Tipp: Müde Füße können sich sicherlich mal auf den frei gebliebenen Sitzplätzen ausruhen.) Vereinzelte Szenen, die sich sehr am Bühnenrand abspielten, bekam ich zwar nur zu hören, dies störte mich aber nicht. Ebenfalls sehr geschätzt habe ich den guten Blick in den Orchestergraben, der vor allem für Musizierende interessant ist.

Trotz Stehen vergingen die drei Stunden wie im Flug. Bei etwaigen Müdigkeitsanfällen konnte ich mich zwischendurch bei den Stangen vor mir anlehnen. Natürlich bekommt man aus dieser Höhe zum Beispiel die Mimik der Schauspieler nicht mit, dies geht der Sitzplatzreihe im 2. Rang jedoch genauso.

Mein Fazit

©Sarah Prankl

All in all war es mir die 5€ auf alle Fälle wert und ich würde jederzeit wieder eine Stehplatzkarte fürs Ronacher erwerben. Man hat größtenteils eine gute Sicht auf die Bühne und kann die spannende Bühnenhandlung ungezwungen verfolgen, obwohl sich alle Stehplätze im 2. Rang befinden.

How to get them

Stehplatzkarten stehen eine Woche vor der jeweiligen Vorstellung bereit. Da diese jedoch besonders bei Wochenendvorstellungen sehr beliebt sind, würde ich dir raten, dich bereits ab 00:00h vor den Computer zu setzen, um Tickets für deine Wunschvorstellung zu ergattern. Sie sind jedoch auch telefonisch und an den Tageskassen erhältlich.

Mehr dazu auf der Website: Ronacher

3. Burgtheater

Theater – nicht ganz so wie geplant

@Sarah Prankl

Begeistert von meinem vielversprechenden Besuch im Ronacher startete ich zur letzten Vorstellung wenige Tage später. Von außen macht das Burgtheater einen guten Eindruck, jedoch wurde ich schon wenig später beim Eintreten wieder ein wenig ernüchtert, da meine Vorstellung abgesagt wurde. Statt „Ein Sommernachtstraum“ von Shakespeare spielten sie jetzt „Liebesgeschichten und Heiratssachen“. Yep, richtig gelesen.

Zugegebenermaßen kann hierfür mein Stehplatz nichts, aber auch der Stehplatzbereich beeindruckte mich nicht wirklich. Dieser war nicht gerade einladend, man steht hinter einfachen Stangen im hinteren Ende des Theaters. Durch die Spielplanänderung war das Theater auch nur spärlich besetzt, sodass ich mir etwas fehl am Platz vorkam in der letzten Reihe.

Deswegen setzte ich mich nach einiger Zeit in die letzte Sitzplatzreihe, mit der Hoffnung, dass mich niemand wieder verjagt. Dort blieb ich dann auch und langsam stieg meine Stimmung wieder und ich beobachtete weiter die Theaterhandlung, die trotzdem noch nicht ganz meinen Geschmack traf.

Mein Fazit

Um nur 3,50€ kann man die Stehplätze zwar einmal ausprobieren, wirklich begeistern konnten sie mich jedoch nicht. Allen Theaterbegeisterten empfehle ich die Ermäßigungsangebote vom Burgtheater zu nutzen. Für nur 10€ bekommen SchülerInnen, Lehrlinge und Studierende bis 27 zum Beispiel Logenkarten, die normalerweise um einiges teurer wären.

How to get them

Ob online, an den Theaterkassen, per Telefon oder als schriftliche Bestellung: Hier ist alles dabei. Einfach die bevorzugte Bestellungsart wählen und der Theaterabend kann beginnen: Burgtheater

 

Fazit

Wer sich wie mitten im Bühnengeschehen fühlen will, sollte zwar auf die Studentenangebote oder auf das Weihnachtsgeld zurückgreifen, mich konnten die Stehplätze jedoch überzeugen. Für unschlagbare 14,50€ konnte ich ein Konzert, ein Musical und ein Theater besuchen. Mehr als 6 Stunden Musikerlebnis für einen Preis, der an keine Sitzplatzkarte herankommt. Von einer etwas eigenartigen Theaterhandlung bis zu einer umwerfenden Musicalshow wurde mir hier alles geboten. Zwar konnte mich nicht alles überzeugen, jedoch, glaube ich, brauche ich nicht weiter erklären, warum Stehplatzkarten für mich der Tipp für Studenten  sind.

Ich steh auf Musikveranstaltungen… du auch?

 

Text: Sarah Prankl

Fotos: Sarah Prankl

 

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