In 3 Gängen durch die Stadt

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Ein kulinarisches Erlebnis rockt die Stadt – Running Dinner Wien! Du kennst deine Gäste, die Gastgeber und das Menü nicht und machst eine Reise durch die ganze Stadt.  In diesem Frühling  habe auch ich mich dieser neuen Erfahrung gestellt.

Das Prinzip von „Rudi rockt“ ist ganz einfach: Je zwei Teilnehmer melden sich gemeinsam auf Rudirockt an und bilden ein Team. Dort kannst du angeben wie gut du kochst, was dein Lieblingsessen und wie gut deine Küche ausgestattet ist. Nach der Anmeldephase kannst du dich auf Rudirockt über andere Teilnehmer, sowie vergangene und neue Veranstaltungen informieren. Einen Tag vor dem Running Dinner bekommst du eine persönliche Dinner-Route zugeschickt und wirst über den Gang informiert, den du kochen musst (entweder Vor-, Haupt- oder Nachspeise). Außerdem kannst du schon sehen wer deine Gäste bzw. deine Gastgeber sein werden. Der zugeteilte Gang wird in der eigenen Küche zubereitet. Zum Essen kommen dann zwei weitere Gast-Teams dazu, sodass insgesamt sechs Personen pro Gang zusammentreffen. Zu einer festgelegten Uhrzeit geht anschließend jedes Team zum nächsten Gang, zu jeweils anderen Koch-Teams.

Der Zeitplan sieht folgendermaßen aus: um 18 Uhr findet der erste Gang beim ersten Koch-Team statt, der zweite dann um 20:15 Uhr und der dritte Gang wird beim dritten Koch-Team um 22:00 Uhr serviert.  Klingt stressig? War es auch. Nach den drei Gängen gibt es eine Aftershow-Party, deren Einnahmen einer Organisation zugutekommen. Das hat mich am meisten an der Veranstaltung interessiert und war auch ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung mitzumachen, da ich die Organisation dieses Abends von Festivals kenne. Die Aftershow-Party fand am 28. April im Café Kreuzberg, Neustiftgasse 103 in 1070 Wien statt.

Speziell diese Veranstaltung von „Rudi rockt“ kommt der Organisation „Viva con Agua“ zugute, die sich für Wasserprojekte der Welthungerhilfe einsetzt, um Menschen in vielen verschiedenen Ländern Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Anlagen und Hygieneeinrichtungen zu ermöglichen.  In Österreich gibt es den Verein „Viva con Agua Österreich-Leben mit Wasser e.V“.

18:00 Uhr

©Bettina Kirchweger

Meine Mitbewohnerin und ich bereiten die Vorspeise vor – eine chinesische Gemüsesuppe. Da wir uns die Zeit etwas falsch eingeteilt haben und zu viel Zeit damit verbracht haben, Platz für sechs Personen zu schaffen (eine gar nicht so leichte Aufgabe), werden wir langsam hektisch. Die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld und in letzter Minute wird noch schnell alles in den Geschirrspüler geschmissen.

 
18:30 Uhr

Unsere Nervosität steigt, da wir keine Ahnung haben wer gleich vor unserer Tür steht. Es klingelt. Schnell hetze ich zur Wohnungstür, reiße sie mit Schwung auf und zwei über beide Ohren strahlende Mädchen stehen vor mir. Gleich hinter ihnen kommen zwei junge Männer schnaufend das Treppenhaus hoch. Wir begrüßen beide Teams und setzen uns zum Tisch, um mit dem mitgebrachten Sekt auf einen hoffentlich erfolgreichen und lustigen Abend anzustoßen. Danach servieren wir unsere Suppe und sind erleichtert, dass jeder noch einen zweiten Teller möchte. Nach dem Essen führen wir unsere Gäste durch die Wohnung und trinken den restlichen Sekt aus.

19:45 Uhr

Die Zeit vergeht wie im Flug und langsam machen sich die zwei Teams auf zum nächsten Gang. Die nächsten Gastgeber wohnen in der Nähe, darum räumen wir noch gelassen die Küche zusammen, schnappen uns unsere Gastgeschenke und machen uns auf den Weg. Sehr pünktlich kommen wir beim nächsten Team an. Da wir unsere Nervosität durch die Leichtigkeit beim ersten Gang verloren haben, freuen wir uns auf unsere Gastgeber. An der Wohnungstüre werden wir von zwei ca. gleichaltrigen Gastgeberinnen herzlich empfangen und durch die Wohnung in die Küche geführt. Wir nehmen alle Platz und erzählen einander von unserem bisherigen Abend.

20:30 Uhr

Immer noch sitzen wir zu viert am Tisch und warten – langsam etwas ungeduldig – auf die zwei weiteren Gäste. Als es läutet, löst sich die Anspannung und die anderen Beiden setzen sich zu uns.

©Bettina Kirchweger

Es gibt Cesar Salat, der mit buntem Salat und perfekt knusprigen Croutons angerichtet ist. Wir Gäste sind begeistert und essen alle noch eine zweite Portion. Beim Gespräch erfahren wir, dass auch viele Teilnehmer des „Running Dinner Wien“ Mitglieder der Organisation „Viva von Agua“ sind und bekommen Einblicke in die Arbeit der Organisation und die Crew.

Der Verein „Viva con Agua Österreich-Leben mit Wasser e.V.“ wurde im Dezember 2013 in Österreich gegründet und unterstützt seit 2014 ein Wasserprojekt der Welthungerhilfe in Malawi. Durch dieses Projekt werden Latrinen saniert und behindertengerecht aufgebaut und Handwaschgelegenheiten konstruiert. Dabei wird die örtliche Bevölkerung miteinbezogen und erhalten Beratung über Hygiene. Meine Mitbewohnerin und ich waren sehr beeindruckt von der Arbeit die „Viva con Agua“ leistet. Durch die interessanten Gespräche vergessen wir fast die Zeit und packen schnell unsere Sachen, um zum nächsten Gang zu hetzen.

22:10 Uhr
©Bettina Kirchweger

Etwas verspätet kommen wir am letzten Stopp unserer Route an und lernen dort gleich sechs neue Gesichter kennen. Wenn ein Team eine große Küche hat, kann man auf „rudirockt.de“ in seinem Profil angeben, dass man ein sogenannter „Rudi-Retter“ ist. Da man sich bis 24 Stunden vor dem Dinner abmelden kann, kommt es oft vor, dass ein Team keine Gastgeber bzw. zu wenig Gäste hat. Dann wird die Route so umgeändert, dass ein „Rudi-Retter“-Team sechs Gäste zugeteilt bekommt. Zum letzten Gang gibt es Schokokuchen mit Vanilleeis, den wir alle genüsslich und entspannt verputzen. Nach dem Essen ist die Stimmung ausgelassen und wir begeben uns ins Wohnzimmer, um es uns dort gemütlich zu machen.

Alle lassen sich entspannt auf die Sessel und das Sofa fallen und den Abend Revue passieren.

23.30 Uhr

Angeheitert nach einem lustigen Trinkspiel beschließen wir gemeinsam auf die Aftershow-Party zu gehen, welche im Café Kreuzberg stattfindet. Dort angekommen, erkenne ich einige der Gesichter wieder – alle, die wir heute kennengelernt haben sind da. Müde und angeschlagen vom stressigen Abend, machen meine Mitbewohnerin und ich uns auf den Weg nach Hause.

Fazit: Die meisten unserer Gastgeber hatten schon ein Dutzend Mal bei Rudi rockt teilgenommen, was für uns „Erstteilnehmer“ aber trotzdem nicht unangenehm war, da das Prinzip des Running Dinners so simple ist und durch den Stress die Nervosität fast verfliegt. Tatsächlich machte uns der Stress trotzdem zu schaffen und wir hätten uns gewünscht mehr Zeit für die Gespräche und die Suche nach den Wohnungen zu haben. Alles in allem wird diese Veranstaltung wirklich gut geplant und auch die anfänglichen Probleme konnten schnell gelöst werden. Außerdem war die Aftershow-Party danach ein voller Erfolg und es war interessant zu sehen, wie viele Menschen man in so kurzer Zeit kennenlernen kann.

Ich würde das Running Dinner jedem empfehlen der keine Scheu vor fremden Menschen und Spaß am Kochen hat. Man muss aber absolut kein Gourmet sein, um mitmachen zu können. Man lernt wirklich nette Menschen kennen, sieht neue Ecken der Stadt und kann vielleicht auch das eigene Rezeptbuch erweitern.

Text, Bilder: Bettina Kirchweger

 

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