Digitale Anlaufstelle

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Nach vielen Nächte voller Kopfzerbrechen und exzessiven Kaffekonsum stehe ich am Ende eines Projektes, welches mich über Wochen hinweg auf Trab gehalten hat. Jeder Student hat es sich schon einmal gedacht: Leistungen, die man erbringt, haben überhaupt keinen Nutzen. Sofort nach Beendigung enden sie entweder auf Nimmerwiedersehen in einer Schublade oder im besseren Fall noch als Lösung für folgende Generationen von Studenten, die dieselben Lehrveranstaltungen  abarbeiten, dienen.

Aber ohne angeben zu wollen, trinke ich gerade den letzten Kaffee nicht aus Frust. Ich feiere damit den Abschluss zumindest schon einmal für mich allein. Dieses Mal wird meine Arbeit nämlich nicht sinnlos gewesen sein, nein, sie wird vielmehr sogar eine Grundlage für etwas bilden, was Menschen mit echten Problemen hilft. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, was ich genau mache? Vor 3 Monaten bekam ich die Chance über die Universität für die Caritas eine Handyapplikation zu entwickeln. Diese App soll Menschen unterstützen, die sich in einer schweren Lebenssituation befinden.

An dieser Stelle muss ich aber zugeben, dass mich bereits der Teil mit dem „Handyapplikation entwickeln“ bekommen hat. Immer noch ist die faszinierende Idee alles griffbereit in einem Gerät, das in die eigene Hand passt, zu haben auf dem aufsteigenden Ast. Von daher hatte es mich sehr gefreut etwas in diese Richtung auch selber tun zu können. Natürlich hätte ich es mir alleine mit dem Internet auch selber beibringen können. Der Vorteil, den man durch die Uni hat, ist aber, dass man sehr gut auf seinem Weg vom ersten bis zum letzten Schritt begleitet und unterstützt wird. Auf genau diesen Weg möchte ich dich, lieber Leser, jetzt mitnehmen.

Ein langer Weg beginnt

Alles beginnt mit der Frage: „Was machen wir jetzt?“ Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, wie es auf den ersten Blick scheint. Das kann man sich in etwa so vorstellen, wie wenn man vor der Aufgabe steht ein Haus zu bauen. Jedes Kind weiß, was ein Haus grundsätzlich haben sollte, aber wo soll man was hinstellen? Genau solche Fragestellungen wurden im ersten Viertel unserer Reise betrachtet. Ziel war es für mich und mein Team eine „Digitale Anlaufstelle für hilfesuchende Menschen“ zu erstellen. Ein großes Problem hat sich uns schnell offenbart und hatte vor allem in den ersten Teilen der Entwicklung große Auswirkungen. Dass unser Auftraggeber vergessen hatte jemanden explizit als Ansprechperson für meine Entwicklergruppe abzustellen. Also haben wir nach bestem Gewissen unsere Zielgruppen ausgewählt und uns überlegt welche Funktionen welche Zielgruppe braucht.

Ein einfaches Beispiel an dieser Stelle war der geplante Spendebutton für die Zielgruppe Spender. Dieser ermöglicht es ihm, ganz einfach mit ein paar Klicks am Handy Geld zu überweisen. Der erste Teil ist allerdings der am wenigsten spannende zu erzählen. Es handelt sich dabei nur um eine Art theoretische Ausarbeitung des Programmes und von daher möchte ich dich an dieser Stelle gar nicht so lange aufhalten. Nach Abschluss dieser Phase war der erste Meilenstein in der Entwicklung erreicht. Gehen wir nun zum zweiten Teil über.

Prototyping

Als nächstes wurden Low Fidelity Prototypen erzeugt. Links im Bild ist einer unserer Prototypen. Findest du er sieht gut aus? Würdest du mir auch wirklich, ohne Rücksicht auf meine Gefühle, deine ehrliche Meinung sagen? Würdest du das auch  tun wenn du findest, dass er nicht gut aussieht? Hoffentlich ja, denn ich wäre dir auch nicht böse dafür. Ganz im Gegenteil, diese Art von Prototyp soll in erster Linie eines tun, brutal ehrliches Feedback sammeln.

Es klingt zwar lustig, aber man bemüht sich, dass die ersten Prototypen nach weniger als fünf Minuten Arbeit aussehen. Leute, denen der Prototyp gezeigt wird, sollen sich trauen zu sagen, dass sie ihn einfach schlecht finden. Das kennst du sicher auch selber. Wenn man sieht, dass jemand bereits viel Mühe investiert hat, will man ihn nicht wirklich runtermachen. Egal wie furchtbar das, was einem gezeigt wird, ist. Das Problem ist nur, dass wenn man an so einem Projekt arbeitet und man nicht „das Gelbe vom Ei“ in den Händen hält, oder der befragten Person einfach eine gute Idee kommen könnte, diese sich manchmal nicht mehr trauen das auszusprechen. Diese etwas merkwürdige Art der Prototypisierung soll dabei einfach aushelfen und hat unseren 2. Meilenstein in der Entwicklung dargestellt.

Feinschliff

Der programmiertechnisch größte Sprung hat im 3. Teil der Reise stattgefunden. Bei diesem handelte es sich um die Erstellung eines High Fidelity Prototypen. Zwanzig intensive Arbeitsstunden (mal 4 wohlgemerkt) später war der neue Prototyp fertig. Seine Hauptaufgabe war es zu zeigen wie unsere App schlussendlich aussehen und funktionieren könnte. Im Gegensatz zu den Prototypen, die im zweiten Teil vorgestellt wurden, soll hier alles perfekt sein. Das Aussehen, die Funktionalität, das Design, einfach alles soll so gut wie möglich sein. Von daher könntest du meine Gefühle dieses Mal schon verletzen. Vor allem wenn du mir sagst, dass du meinen Prototypen eher in der Mülltonne als im App Store siehst. Aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Als Entwickler wünscht man sich trotzdem wieder möglichst gutes Feedback, sodass im Endspurt des Projektes dieses noch berücksichtigt werden kann. Hier gilt wieder gnadenlose Ehrlichkeit vor sozialer Zurückhaltung.

Der Abschluss des Projektes

Nun bist du fast bereits am Ende der kurzen Reise angelangt. Von hier aus hat sich an der App selbst fast nichts mehr verändert. Im letzten Teil werden nur noch gefundene Fehler ausgebessert oder gute Vorschläge eingebaut. Hauptsächlich hatte meine Arbeit nun darin bestanden Buttons zu verschieben und deren Farbe zu ändern. Die wirklich wichtige Arbeit findet hier aber nicht am Computer statt. Der 4. Meilenstein, die sogenannte „User Evaluation“, handelt vor allem davon ein Ergebnis von ausgewählten Testnutzern zu erhalten. Wir haben uns in diesem Fall für eine einfache, begleitete Umfrage entschieden. Dabei sitzen wir neben der Testperson, während sie einen Fragebogen bearbeitet. Währenddessen bitten wir sie darum alles und ich meine wirklich alles was sie denkt sofort laut auszusprechen. Damit kann sehr gut gesehen werden, wie die App auf jemanden wirkt, der sie wirklich zum allerersten Mal sieht. Es ist unglaublich lustig was für Ergebnisse dabei herauskommen.

Damit war der letzte Teil der Entwicklung abgeschlossen und ich hoffe ich konnte dein Interesse für das Thema wecken. Das Projekt ist in seinem Endzustand an eine unserer Professorinnen geschickt worden und diese wird sich darum kümmern alles an die Caritas weiterzuleiten. Wir haben die App in Cordova, also weder mit Android noch mit IOS, entwickelt. Das hat den Vorteil, dass sie nun auf beiden Betriebssystemen funktionieren kann. Ab wann und auf welchem Appstore man die App downloaden kann, wird von der Caritas abhängen. Uns wurde im Laufe unserer Arbeit Bescheid gegeben, dass sie nicht möchten, dass wir auf ihre Daten Zugriff haben und dass sie lieber selber noch ein paar Sachen ergänzen wollen. Falls ich dich total begeistern konnte, kannst du auch dein eigenes Projekt starten. Es ist einfacher als es anfangs wirkt und ich kann dir sagen, dass es wirklich eine Menge Spaß macht.

 

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