Netflix für die Medizin

geposted am

Es gibt kaum Leute, die sich auf einen Arztbesuch freuen. Furcht, Nervosität, Schmerzen und Angespanntheit sind eher Emotionen, die mit Behandlungen, Untersuchungen und Therapien verbunden werden. Wie kann man den Aufenthalt beim Arzt angenehmer gestalten?


Philip Albrecht hat eine Möglichkeit gefunden. 2013 machte er selbst die unangenehme Erfahrung einer Wurzelbehandlung durch, bei der ihm die Idee für ein Produkt kam, welches Gefühle wie Nervosität und Furcht beim Arzt zumindest lindern soll. Sein Ziel war es Patienten einen angenehmeren Arztbesuch möglich zu machen und dabei gleichzeitig die Arbeit der Ärzte zu erleichtern. Er gründete die Startup Firma „Happymed“ und mit der Hilfe von drei weiteren Mitarbeitern und acht sogenannten Angels, die für die finanzielle Unterstützung notwendig waren, begann er seine Idee zu verwirklichen. Happymed besteht aus einer Videobrille, Kopfhörern und einem Mediacenter, welches durch eine Fernbedienung steuerbar ist. Das Produkt, welches durch die Zusammensetzung dieser Teile entsteht, ist dafür da den Patienten während einer Behandlung bzw. Therapie abzulenken, für Entspannung zu sorgen oder gar zur Unterhaltung beizutragen. Man kann eine Serie, eine Dokumentation, ja sogar einen Film genießen, sich aus der Arztsituation hinausbeamen und nicht an das, was um einen herum geschieht, denken.

(c) David Lugmayr, HappyMed GmbH
(c) David Lugmayr, HappyMed GmbH

Lukas Böck, Medien- und Pressebeauftragter von Happymed, gibt mir bei einem Kaffee Einblick in die Entstehungsgeschichte der Firma. Schwierig war es für das Happymed Team anfangs die richtigen Leute zu finden und dann natürlich ein markttaugliches Produkt zu entwickeln, mit dem Patienten und Ärzte zufrieden sind. Jedoch gab es bei den vielen Studien um das Gerät zu testen schon früh positives Feedback, was die nötige Motivation für die weitere Arbeit lieferte. Das Schönste war die Patienten unter der Brille lächeln zu sehen. Auch wenn man nur mehr ihren Mund erkennen konnte, war klar, dass man einem Menschen in einer Situation Freude bereitet, die nicht unbedingt zum Lachen ist„, sagt mir Lukas Böck. Happymed ist zwar nicht für jeden das Richtige, wie mir erklärt wird, da sich manche Patienten von der Brille und den Kopfhörern eingeengt fühlen, jedoch überwiegen die positiven Rückmeldungen.

Viele Ärzte scheinen von dem Produkt jedenfalls beeindruckt zu sein. Im Gespräch mit einer Ärztin und einer diplomierten Krankenschwester, die Studien von Happymed im Zusammenhang mit Blutspenden durchgeführt haben, wird schnell klar, dass sowohl Ärzte als auch Patienten positive Erfahrungen mit dem Gerät gemacht haben. Auch wenn Happymed für Vollblutspenden eher weniger geeignet ist, da so eine Spende nur 3 bis 6 Minuten dauert, gibt es Spenden von speziellen Blutprodukten mit einer Dauer von 1.5 Stunden, wofür die gegebene Ablenkung mehr als willkommen ist. Für die Patienten hat Happymed in den meisten Fälle eine entspannende Wirkung, hilft dabei eventuelle Nebenwirkungen nicht zu spüren und verkürzt die Spendezeit. Tester, die bis zu 65 Jahre alt waren, nahmen an der Studie teil und fast alle gaben sehr positives Feedback. Manche könnten sich sogar vorstellen aufgrund von Happymed öfter spenden zu gehen. Auch die Bedienung von dem Gerät ist nicht schwierig, weder für Arzt noch für Patient. „Jeder, der schon mal ein Smartphone in der Hand hatte, kann auch mit Happymed umgehen„, berichtet mir die Studienleiterin. Nach den Voreinstellungen des Arztes bzw. der Krankenschwester, kann der Patient selbst in einem Menü navigieren und sich sein Programm aussuchen. Lautstärke und Sichtfeld sind regulierbar und der Arzt hat zu jeder Zeit die Möglichkeit das Programm zu pausieren, zu stoppen oder anders in den Vorgang des Gerätes einzugreifen, falls zum Beispiel Hilfe benötigt wird. Somit wird auch die Kommunikation zwischen Arzt und Patient nicht negativ beeinträchtigt.

(c) David Lugmayr, HappyMed GmbH
(c) Matthias Jungwirth, Akkurat Identity

Mitte 2015 startete die junge Firma nun mit ihrer ersten Produktserie den Verkauf von Happymed. Kliniken, Spendezentralen und sogar private Ordinationen zählen mittlerweile zu den Kunden von Happymed. Natürlich bedeutet das nicht, dass die Studienphase abgeschlossen ist, denn die Firma arbeitet mit ständigem Feedback immer weiter daran das Produkt zu verbessern und zu perfektionieren. Denn die Pläne für die Zukunft sind groß. Auch wenn die erste Serie ihren Zweck erfüllt, geht es noch besser, meint das Happymed Team. Außerdem ist es ein Ziel zu expandieren, international zu werden und sich als Wohlfühlmarke zu etablieren, welche einen Standard für Ärzte und Patienten schafft. Zusätzlich gibt es sogar Anfragen Happymed in anderen Bereichen, wie zum Beispiel für das Inflight Entertainment also für die Unterhaltung im Flugzeug, zu nutzen. Jedoch steht für die Firma die Medizin an aller erster Stelle. Sie nennen sich nicht umsonst gerne: Netflix für die Medizin.

Weitere Infos unter:

Happymed

Facebook-Link Happymed

Text: Lisa Kraus

Fotos: David Lugmayr,

Logo: Matthias Jungwirth, Akkurat Identity

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen