Geld machen oder und Gutes tun

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Von Start-ups die die Gesellschaft verändern, und uns nicht bloß etwas andrehen wollen

Was ist grundsätzlich Ziel eines jeden Unternehmens? Klar, Gewinnmaximierung. Dass dies aber nicht nur ein Ziel, sondern das Ziel für viele Konzerne geworden ist, dürfte jedem beim Anblick des gegenwärtigen kapitalistischen Systems einleuchtend sein.
Nun gibt es aber eine Sparte, ja ein Geschäftsmodell, welches dem entgegenwirken möchte und sich in den letzten Jahren einer wachsenden Zahl an Mitstreitern erfreuen konnte. Gemeint damit ist ein Business-Modell, welches es sich im Gegenzug zu den kommerziellen, auf Gewinn fokussierten Unternehmen zur Aufgabe gemacht hat mit ihren Outputs einen positiven Beitrag auf der Welt zu erzielen, und bestenfalls sogar soziale Probleme zu lösen.
Ein Themenblock der mich hierbei neugierig gemacht hat, ist jener der Bildung bzw. Arbeit. Gibt es hier in Wien Unternehmen die in dem Bereich „sozial wirtschaften“? Tatsächlich. Nach ein paar Clicks bin ich auf MTOP gestoßen. Und die sind noch dazu in aller Munde. 2017 hat MTOP den Social Impact Award gewonnen, und vor Kurzem haben die Gründer*innen es mit ihrem Unternehmen sogar in die Forbes 30 unter 30 Europe Liste geschafft.

MORE THAN ONE PERSPECTIVE (MTOP) ist ein junges Social Business, das gut ausgebildete Geflüchtete und Unternehmen am Arbeitsmarkt zusammenführt und mit negativen Vorurteilen aufräumt.
Warum? Alle Menschen bringen ganz viel Potential mit und es ist für alle Beteiligten ein Nachteil (Geflüchtete, Unternehmen und unseren Staat), wenn dieses Potential ungenutzt bleibt. Durch das Zusammenbringen von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen eröffnen sich neue Perspektiven und das braucht unsere Gesellschaft.
Quelle: https://mtop.at/

Klingt doch schon mal sehr vielversprechend und adäquat für das was ich suche. Ich wollte mehr wissen und habe mich daher mit der Mitgründerin Nina Poxleitner ausgetauscht.

Nina (3. v. li., mittlere Reihe) mit ihren Mitgründern Lisa-Marie (mitte, vordere Reihe) und Julian (li. auß., obere Reihe) sowie einigen Klient*innen.  © MTOP

Euer Wirkungsbericht zu einem Jahr MTOP ist nach Angaben eurer Website ja in Arbeit – Magst du uns aber trotzdem schon mal kurz in Zahlen und Worten verraten was MTOP für die ehemals Flüchtenden, die kooperierenden Unternehmen und uns (damit mein ich jetzt konkret Österreich) bedeutet?

Seit 2015 haben rund 2,5 Millionen Menschen unter 35 Jahren um Asyl in der EU angesucht. Von diesen aufgenommenen Personen beginnen aber nur 25% eine Arbeit innerhalb der nächsten fünf Jahre. Da die Geflüchteten oft als eine homogene Masse betrachtet werden, gehen die individuellen Fähigkeiten und Besonderheiten oft unter. Aber: 20% der Geflüchteten haben einen akademischen Abschluss, die meisten davon eine universitäre Ausbildung genossen. Wären sie nicht als Flüchtlinge zu uns gekommen, würde man sie wohl als Expatriates bezeichnen.
Mit unserer Arbeit haben wir in den letzten zwei Jahren, die Leben von Vielen positiv verändert. Über 100 Teilnehmer*innen hatten wir bislang in unserem MTOP Associate Programm. Von diesen haben über 70% direkt einen Job nach der Absolvierung unseres Trainings gefunden.
Heißt also, in den letzten zwei Jahren konnten sich 70 Menschen erfolgreich in den österreichischen Arbeitsmarkt – hauptsächlich in den Branchen Wirtschaft, IT und Maschinenbau – einbringen. Für manche gilt, dass sie durch MTOP ein Jahr schneller zu einer Arbeitsstelle gelangt sind. Andere hätten, laut Statistiken, wohl gar keine Anstellung gefunden.
Der Vorteil für den Staat Österreich liegt auch ganz klar auf der Hand: In einem Jahr werden rund 20.000€ an Sozialleistungen pro Person eingespart, und dafür circa 10.000€ an Steuern und Abgaben von dem Arbeitnehmer (unseren Associates) eingenommen.

Kurz gesagt: Wir haben dem Österreichischen Staat in den letzten beiden Jahren rund 2,1 Millionen € erspart.

Das sind in der Tat sehr beeindruckende Zahlen. Und ihr seid ein Social Business, ja? Durch was zeichnet sich euer Geschäftsmodell aus?

Ja, auf jeden Fall. Wir sehen uns als Social Business. Wir stellen die Wirkung in den Vordergrund, denken aber wirtschaftlich. Uns ist wichtig als Firma wahrgenommen zu werden, deren Leistungen Geld kosten und diese Einnahmen sind es auch, die unser Business Model nachhaltig machen. Durch die Nachhaltigkeit können wir langfristig größere Wirkung erzielen.

Was wünscht du dir für die Zukunft von MTOP?

Ich hoffe, dass wir andere inspirieren sich zu trauen ein Social Business zu gründen. Es ist eine Achterbahnfahrt, mit Höhen und Tiefen, aber es gibt nichts Schöneres als von den tollen Erfolgsgeschichten unserer Associates berichten zu können. Ich wünsche mir, dass wir noch viele mehr dieser Erfolgsgeschichten erzählen können und dadurch positive Impulse geben und gelungene Integration vorleben.

Kannst du uns da ein Beispiel für so eine Erfolgs-Story geben?

Am Anfang stellten nur Lisa-Maria, Julian und ich das Team dar (Anmerkung: Lisa-Maria Sommer und Julian Richter sind neben Nina die Mitgründer von MTOP). Mittlerweile sind wir bereits zu acht. Die erste Person die wir eingestellt haben, war Haia eine unserer associates. Wir wollten mit gutem Vorbild vorangehen, und unseren Worten Taten folgen lassen.

Haia hat einen Background in Marketing und ist wie die meisten unserer Teilnehmer*innen aus Syrien. Und ja um ehrlich zu sein, wir hatten ein paar Kommunikationsschwierigkeiten zu Beginn. Einmal haben wir Haia gebeten Postkarten mit den Geschichten von einigen unserer Alumni zu designen. Eine Woche später stellte sie uns dann ihre Vorschläge vor. Diese waren bunt und mit vielen Bildern bestückt – hatten aber überhaupt nicht die Gestalt und Formatierung einer Postkarte. Da sind wir dann draufgekommen, dass Haia nicht weiß was eine Postkarte ist. Ein wenig googlen und erklären, und wenig später entstanden dann aber auch gleich ziemlich tolle Postkarten. Das finde ich eine ziemlich nette Anekdote.

© MTOP

Wo und wie siehst du Wien im Jahr 2050? Hinsichtlich des Miteinanders, des Arbeitsmarktes, im internationalen Kontext…

Ich denke es wird immer wichtiger Begegnungen zu schaffen, vor allem auch zu Menschen außerhalb von unserer „Bubble“. Wir leben in immer kleineren Realitäten, identifizieren uns mit den wenigen Menschen um uns herum und nehmen Vieles nicht mehr wahr. Diesen Filter unterstützen die Sozialen Medien, aber auch Print Medien sehr stark. Wir wissen immer mehr, zu einigen wenigen Themen.

In Wien in 2050 wünsche ich mir diese natürlichen Kontaktpunkte von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen.

Abschließend noch: Meine Gedanken

Ninas Worte und der generelle Erfolg des Unternehmens haben mich ziemlich optimistisch gestimmt.
Werte wie Empathie, Verständnis und Humanität müssen keine Ausschlusskriterien für wirksames und gewinnbringendes business darstellen.

Ich glaube, dass unsere Generation allgemein gesprochen ein starkes Interesse an den sozialen Problemen unserer Zeit hat, und sich auch aktiv daran beteiligen will diesen entgegen zu streben. Ich bin gespannt auf noch mehr junge Menschen die mit ihren Startups die Wirtschaft kreativ und vielfältig mit gestalten, und dabei auch noch Gutes bewirken können.

Für weitere Erfolgsgeschichten der associates und Informationen über MTOP, hier der Link zur Website: https://mtop.at/category/mtopstorytelling-2/

© Chloe Lau

Autor/In des Beitrags: Chloe Lau

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