Low Budget Sightseeing – Viel Stadt für wenig Geld

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Bereits zum achten Mal ist Wien zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt worden. Und das völlig zurecht. Zwischen Pferdeäpfel und Bobo-Vierteln versprüht Österreichs Hauptstadt mehr Charme denn je. Für jede Altersgruppe ist etwas dabei. Ob kultur-pur im Theater oder frisch-jugendlich in einem der angesagtesten Lokale der Stadt. Dabei müsst ihr auch nicht mehr tief ins Geldbörserl greifen – ich habe für euch fünf Alternativen für einen perfekten Sightseeing Trip, vollgepackt mit Kultur und Kulinarik, getestet.

Erste Station – If you like it, then you should put a ring on it!

Zu Beginn  geht’s gleich mal los ins Zentrum. Natürlich könnt ihr alles zu Fuß abklappern, hinter einer Pferdekutsche herlaufen und dabei Wortfetzen des Kutschers aufschnappen, der einer Familie mit vier Kindern versucht, die Schönheit des Rathauses näherzubringen ODER in die überaus teure, berühmt berüchtigte „Ringtram“ einsteigen. (Zur Info: 25 Minuten Fahrt kosten ganze 9 €). Was mir jedoch beim täglichen Weg zur Arbeit oder auf die Uni aufgefallen ist: Die Straßenbahnlinien 1, 2, 71 und D fahren so ziemlich die selbe Strecke ab, allerdings für 2,30 € die Stunde. Für alle Monats-, Jahres- oder Studentenfahrkartenbesitzer ist das sowieso all inclusive!

Los geht’s beim Schwarzenbergplatz, über den Kärntner-Ring, samt Sicht auf die Oper und Wiens einzigartige Luxushotels. Mit ein bisschen Glück fährt auch gerade Herrn Lugners Opernballgast vor oder Jennifer Lawrence verlässt ihr Gemach um sich eine Smoothie Bowl in der Juice Factory zu gönnen. Auf dem Weg zum Volkstheater gibt’s dann einiges zu sehen: rechts der Volksgarten, aus dem in der Sommerzeit schon mal ein paar heiße Disko-Sounds klingen und links das prächtige Museumsquartier mit mindestens achthundertsiebzig Touristen davor. Wer gute Augen hat, kann in der Ferne auch die Dachterrasse des Kult-Lokals „Dachboden“ erspähen. Dort gibt’s überteuerte Cocktails und eine fulminante Aussicht.

© Ajla Ahatovic

 Nachdem die orange Leuchtschrift des 25-Hours Hotels, indem sich das Kultlokal übrigens befindet, verarbeitet wurde, kommt auch schon die nächste Sehenswürdigkeit: das Parlament. Zwischen gut aussehenden Polizisten und Touristen-Selfies ist das Regierungsgebäude von der Straßenbahn aus außerordentlich gut zu betrachten. Dann geht alles sehr schnell. In nur wenigen Metern seht ihr das Rathaus, das Burgtheater und die Universität. Ein Gebäude eindrucksvoller als das andere. Am Schottentor ist dann aber Schluss mit Lustig. Da trennen sich die Wege der Alternativ-Ringtrams.

Ein kleines Extra wenn ihr mit den Trams fährt: fast immer sind Touristen unterwegs oder Wiener, die jemandem die Stadt zeigen wollen. Einfach zuhören was sie zu erzählen haben, dann gibt’s eine Erklärung gratis dazu.

Zweite Station – Hoch, höher, Pfeilheim!

Nach der eindrucksvollen Tramfahrt, geht’s auch schon weiter in den 8. Bezirk. Am besten ihr schlendert davor durch den angesagten 7. Bezirk, in dem sich Hipster und Influenzer die vegane Klinke in die Hand drücken. Vorbei bei den Kollegen „Ulrich“ und „Erich“, zwei Top-Adressen, die ihr als Food-Blogger nicht verpassen solltet, steht ihr plötzlich vor dem legendären Pfeilheim in der, wer hätte es gedacht, Pfeilgasse!

Da sich Wien zu einer sehr beliebten Studentenstadt etabliert hat, muss natürlich auch Platz geschaffen werden. Nicht selten werden also bestehende Häuser und Heime aufgestockt. Da kann es dann schon mal passieren, dass in dem Fall das Pfeilheim, über ganze elf Stockwerke samt Dachterrasse verfügt. Von dort oben gibt’s einen wunderbaren rundum Blick über ganz Wien. Ihr seht den Stephansdom, die Votivkirche und sogar den Donauturm. Und das vollkommen umsonst. Wenn ihr Glück habt, crasht ihr sogar noch eine Studenten-Grillparty und mischt euch unauffällig unters Volk.

© Ajla Ahatovic

Keine Sorge, ihr begeht dabei keinen Hausfriedensbruch. Der nette Herr beim Empfang lässt euch bestimmt ohne zu Zögern in den 11. Stock, wenn ihr ihm ein entzücktes Lächeln schenkt. Es lohnt sich!

Dritte Station – What’s in my box?

In den Höhen des Pfeilheims kann es manchmal ganz schön windig werden. Und Wind macht hungrig. Deshalb geht die Tour weiter in den 1. Bezirk. Abseits vom Graben und der „High-Class-Vienna“ befindet sich ein wahres Herzstück der österreichisch-böhmischen Küche. Mit regionaler Küche, die sowohl Fleischfresser und Neu-Veganer überzeugt, bietet die „Schachtelwirtschaft“ in der Judengasse 5, ein saisonales Angebot an frisch-saftigen Zutaten an. Serviert wird das Essen in Kartonboxen, die das Wort „Recycling“ förmlich schreien. Zwischen Studierenden und Beruflern findet man sich in einem freundlichen, hippen Lokal wieder.

© Laura Rauch

Besondere Empfehlungen sind bei der Schachtelwirtschaft schwer zu geben, da sich die Speisekarte ungefähr so schnell ändert, wie das aktuelle Tier an Richard „Mörtel“ Lugners Seite. Ja, das ist schon das zweite Mal, dass ich den Baulöwen erwähne. Aber wir sind ja schließlich in Wien und Herr Lugner gehört genauso zu dieser Stadt wie die berühmten Eismarillen-Knödl von Tichy.

Vierte Station – es gibt ein Leben nach der Obdachlosigkeit!

Nach der Stärkung gibt’s jetzt etwas für Kopf und Herz. Eine Stadtführung der anderen Art, bei der einem nicht nur die Augen geöffnet werden, sondern auch Gutes getan wird.

Durch Zufall habe ich von „Supertramps“ erfahren. Fünf Ex-Obdachlose bieten dabei einen Rundgang durch verschiedene Bezirke von Wien an und erzählen wie das Leben eines Menschen verläuft, der alles verloren hat. Mit Witz und Charme berichten Ferdinand, Angelo, Hedy, Heidi und Robert von ihrem berührenden Schicksal, können sich im selben Atemzug aber auch über einen vorbeiflatternden Schmetterling freuen, da sie das Leben wieder zu schätzen wissen. Um läppische 8 € Studentenrabatt könnt ihr hier also einiges bewegen. Nicht nur erfährt ihr etwas über das Leben abseits von Glanz und Gloria, ich versichere euch, dass diese Führung etwas mit euch machen wird. Als Bonus lernt ihr Wiens Bezirke außerdem von einer ganz anderen Seite kennen und lieben.

© Laura Rauch

Wenn ihr dann, durch euch vorher noch unbekannte Gassen geschlendert seid und Ferdinand mit einem breiten Grinsen im Gesicht verkündet, dass die Tour geschafft ist, könnt ihr mit ein paar Euro Trinkgeld etwas Gutes bewirken. Und in diesem Fall könnt ihr euch auch zu 100 Prozent sicher sein, dass die paar Euros  in warme Kleidung, Schuhe oder eine Wurstsemmel investiert werden.

Übrigens: Pia Schulte hat bei ihrer „Shakes Tour“ etwas Ähnliches erlebt: Das ungesehene Wien.

 

Fünfte Station  – The show must go on!

Mit der „Supertramps-Führung“ im Hinterkopf geht’s jetzt auf zur fünften und letzten Station eures Low-Budget-Sightseeing-Trips. Wenn eure Stimmung jetzt etwas getrübt ist, ihr ein wenig nachdenklich geworden seid, dann lasst mich euch versichern, dass die Welt euch in den nächsten zwei Stunden wieder ihre Sonnenseite zuwenden wird. Wien ist nicht umsonst ein Synonym für Kultur. Mit den gefühlten dreihundertvierundvierzig Theatern ist die Hauptstadt eine Hochburg für Komödie und Kabarett. Wer den überteuerten Preisen des „Simple“ entgehen, aber trotzdem einen von Lachkrämpfen durchzogenen Abend haben will, der ist am Schwedenplatz genau richtig.

Dort befindet sich nämlich die „Komödie am Kai“, in der sich meistens drei Schauspieler auf einer kleinen Bühne köstlich amüsieren. Und ihr dürft für 15 € Zeuge eines Spektakels sein, dass ihr am Ende mit einem Sixpack vor lauter Lachen wieder verlassen werdet.

© Laura Rauch
© Laura Rauch

 

 

 

Hier gilt übrigens das selbe wie im Pfeilheim, wenn ihr einer der Studentinnen, die hier neben ihrem äußerst zeitaufwendigen Studium jobbt, ein nettes Lächeln schenkt, springt vielleicht sogar eine Backstage-Tour bei eurem Theater-Besuch heraus.

 

Das war’s dann auch schon mit eurer alternativen Sightseeing-Tour durch Wien. Die vielen Eindrücke müssen jetzt erst mal verarbeitet werden. Wie könnte das auch besser gehen, als mit einem Erfrischungsgetränk am Donaukanal?! Wo ihr schon mal in der Gegend seid, könnt ihr doch gleich den Tel Aviv Beach besuchen. Urlaubsfeeling pur. Cheers!

Verfasserin: Laura Rauch

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