Lifestyle oder alive sein?

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Ich habe es getan. Das erste Mal. Ausprobiert, ob sogar ich es über einen gewissen Zeitraum einmal schaffe, ohne Handy und den uns bekannten Lifestyle zu leben. Uns allen ist unser Lifestyle sehr wichtig. Doch ist er auch für alle finanziell leistbar? Wir gehören zu der Generation, der es wichtig ist ob wir Sport machen und ins Fitnessstudio gehen. Wo darüber gesprochen wird, was wir anhaben, wo wir es gekauft haben und welches Smartphone wir benutzen. Wer jetzt denkt „Nein, das stimmt nicht, ich denke jedenfalls nicht so oberflächlich“, der lügt!

Wir alle werden tagtäglich damit konfrontiert. Weil es wichtig ist, was für einen Lifestyle wir haben und wie wir leben. Ganz klar ausgedrückt: Es ist eine Selbstverständlichkeit und gehört zu unserem Erscheinungsbild und Auftreten dazu. Man meldet sich also im Fitnessstudio an, der Grund dafür ist bei den meisten nicht die sportliche Tätigkeit, sondern einzig und allein das Aussehen und zusätzlich wer wem im Fitnessstudio begegnet. Ganz nach dem Motto: Sehen und gesehen werden. Wir wollen gesund und fit leben, so wie all die anderen Blogger auf Instagram und ähnlichen sozialen Netzwerken, vergessen dadurch aber ironischer Weise wirklich auf unsere Gesundheit zu achten. Unsere Vorbilder sind Menschen, die wir nur durch Bilder glauben zu kennen. Und genau diese Bilder bekommen wir nur dann zu Gesicht, wenn wir so oft wie möglich in unsere Smartphones starren. Ganz ehrlich: Es beginnt doch in dem Moment, wo wir aufwachen und uns noch im Halbschlaf im Bett befinden und endet zu später Stunde, wenn wir wieder im Bett liegen. Vor allem jetzt, in der kalten Jahreszeit neigen wir doch alle dazu, noch öfters Serien zu schauen als sonst. Wenn man wenig zu tun hat verbringt man schon einmal den halben Tag damit. Wir legen uns mit müden Augen ins Bett, wollen nur noch schnell Facebook, Snapchat und Instagram checken und schwups, schon ist eine weitere Stunde, die zum Schlafen dienen sollte vergangen. Gesund kann diese Lebenseinstellung nicht sein. Das ist uns zwar allen bewusst, ändern wollen wir ihn trotzdem nicht, unseren Lifestyle. Betrachtet man auch die Summe, die benötigt wird, um mit so einem Lebensstil mithalten zu können wird schnell klar: viel zu viele Moneten werden benötigt um alles abzudecken.

Ein kurzer Überblick über sogenannte „Lifestyle Kosten“:

  1. Smartphone, bevorzugt von Apple mindestens €500,-
  2. Netflix Abo, beginnt bei €8,- monatlich
  3. Fitnessstudio Abo, mindestens €20,- monatlich
  4. Ein neues Kleidungsstück pro Woche, €15,- monatlich €60,-
  5. Etwas trinken gehen, €15,- pro Woche, also €60,- monatlich
  6. Essen gehen mindestens 1 Mal pro Woche €15,- bis €20,- also monatlich €60,- bis €80,-

 

Ausgegangen wird hierbei vom Durchschnittsmenschen. Klar, es wird Menschen geben, die weniger brauchen und ausgeben, aber natürlich auch Jene, die weitaus mehr als die oben angeführten Zahlen monatlich verbrauchen.

Ausgenommen das Smartphone, welches man ja in den meisten Fällen einmalig bezahlt, bräuchten wir zwischen €208,- und €228,- nur dafür, den uns bekannten Lifestyle führen und leben zu können. Abgesehen von den Kosten ist es natürlich auch ein großer Zeitaufwand. Wir verbringen mit Sicherheit mindestens 8 Stunden pro Tag mit der Visage vor einem elektronischen Bildschirm. Und das ist spürbar. Wir nehmen uns keine Zeit mehr für uns selbst, uns gehen einige Stunden Schlaf ab. Diese Dinge spiegeln sich wider. Wir sind schnell und leicht reizbar, unsere Geduld hält nicht lange an und wir sind häufig müde und schlecht gelaunt. Schockiert vom eigenen Lebensstil habe ich festgestellt, dass so ein Lifestyle auf Dauer unmöglich ist. Da ich mit Sicherheit nicht der einzige Mensch in meinem Alter bin, der dem ganzen kritisch gegenübersteht, habe ich versucht, mir Gedanken darüber zu machen, ob ich das alles auch wirklich unbedingt in meinem Leben benötige und ob es nicht in gewissen Punkten Alternativen gibt. Und was wäre es für eine Welt, wenn es keine gäbe?

Alternativen gibt es! Sowohl um Kosten zu verringern, als auch sich selbst etwas Gutes zu tun. Ich persönlich habe es ausprobiert: Eine ganze Woche „Handyfasten“, mehr Zeit draußen an der frischen Luft, als in stickigen und nicht immer angenehm riechenden Fitnessstudios verbringen,

©Julia Streicher

sowie ein eigenes Abendritual bestimmen. Ich kann es euch wirklich nur empfehlen und ans Herz legen es ebenfalls auszuprobieren, es zahlt sich aus! Was vor allem in unserer Generation erwartet wird, ist, dass man jederzeit für Alles und Alle Zeit haben muss. Egal wie viele Freunde am selben Tag Geburtstag feiern, jeder Einzelne von Ihnen verlangt bei Seinem zumindest ein Vorbeischauen. Freie Zeit nur für sich selbst bleibt damit nicht viel. Umso wichtiger ist es sich selbst einmal Ruhe einzugestehen. Es ist keine Schande, nach einer anstrengenden Woche den Freunden einmal abzusagen. Spätestens wenn sie sich in der selben Lage befinden werden sie es verstehen. Wie man die Zeit für sich dann gestaltet kann jeder selbst entscheiden, ich persönlich setzte mich am liebsten mit einem guten Buch und einer Tasse Kaffee oder Tee in ein ruhiges Eckchen und genieße einfach.

©Julia Streicher

Statt der abendlichen Reizüberflutung durch stundenlanges in mein Handy blicken, habe ich mich dazu entschlossen ebenfalls zu lesen, oder mir ein heißes Bad zu gönnen. Beides dient der Entspannung, sodass man danach wie ein (Riesen)Baby einschlafen kann. Aber nicht nur abends, auch tagsüber ist es nicht verboten auch mal ein paar Stunden unerreichbar und vollkommen offline zu sein. Glaubt mir, solche entspannten Stunden habt ihr lang nicht mehr erlebt.

Anstelle von (zu) teuren Fitnessstudios bietet sich natürlich auch die pure Natur an. Und ja es ist wahr, vor allem im Winter, wenn die Temperaturen draußen sinken verbrennen wir mehr Energie beim normalen spazieren gehen, als auf etlichen Geräten, die im Fitnessstudio zu finden sind. Also nichts wie rein in die Wintersportklamotten

©Julia Streicher

und raus ins Freie! Egal ob einfach nur gehen, laufen oder vielleicht sogar Yoga. Körper und Seele bedanken sich mit reiner Haut, guter Durchblutung und einem „winterspecklosen“ Body.

Lifestyle ist und bleibt großer Bestandteil im Leben. Und das ist auch gut so! Ab und zu nur sollten wir uns alle einmal veranschaulichen ob es im Leben nicht vielleicht auch wichtigere Dinge gibt. Nicht ausschließlich einer gewissen Lebensart nach zu eifern, sondern einfach zu leben.

 

 

 

 

Text und Fotos: Julia Streicher

 

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