Italy meets Austria: a survival guide

geposted am



Bin ich wirklich die einzige ausländische Studentin, die Heimweh fürchtet? Ich denke nicht. Mein geliebtes Italien zu verlassen, schaffte ich nicht ohne ein bisschen Herzschmerz, aber für die Studienwahl musste es sein und ich bin mir sicher, ich bin nicht die einzige Italienerin in Wien der’s so geht.

© Martina Igini
© Martina Igini Typischer Koffer einer Italienerin

Als ich den Koffer für meinen Umzug nach Wien vorbereiten musste, war mehr als die Hälfte davon von Kaffee, Pasta, hausgemachter Marmelade, Pflegeprodukten, Omas Geschenken und viel mehr besetzt (einen Augenblick habt ihr hier —>)

Ja genau, Klamotten waren mir nicht so wichtig, wie Lebensmittel und andere italienische Produkte, die ich in Wien sicherlich nie gefunden hätte (oder zumindest dachte ich beim Umzug noch so).

Auf der einen Seite habe ich mich auf meinen Umzug und mein neues Leben wahnsinnig gefreut; auf der anderen Seite bedeutet ja Umziehen, dass man auf alle Gewohnheiten, Traditionen und Produkte aus dem eigenen Mutterland verzichten soll und sich an einen neuen Lebensstandard anpassen muss. Und das Vorhaben, meine Heimat und meine Familie zu verlassen, besorgte mich ein bisschen.

Im Endeffekt war das aber – vor allem in den ersten Monaten – gar nicht so schlimm, wie ich es erwartet hatte! Ich habe mich schnell an das österreichische Leben gewöhnt und habe Wien von Anfang an geliebt. Mit der Zeit habe ich aber zwangsläufig angefangen, meine Heimat in gewisser Hinsicht zu vermissen.

In Italien haben wir bestimmte Gewohnheiten, denen ich treu bin. Es könnte als Kleinigkeit und blöde Launeklingen, aber sie gehören zu mir und meinem  Lebensstil und deshalb sind sie mir so wichtig. Deshalb konnte mein Leben in Wien nicht länger ohne bestimmte italienische Traditionen weitergehen. Ich musste herausfinden, ob diese in Österreich überhaupt existieren und inwieweit sie sich von den italienischen unterscheiden.

Und was folgt ist das Ergebnis einer sehr langen und erkenntnisreichen Suche:

DER KAFFEE

Zu allererst auf der Liste der unverzichtbaren italienischen Traditionen befindet sich mein Lieblingsprodukt: der Kaffee! 

© Lucid Betty

Ein Lebensretter für alle, die es eilig haben, das was jeder Student – vor allem während der gefürchteten Prüfungswoche – unbedingt braucht; etwas, worauf kein Italiener nach einer Mahlzeit verzichten würde.

“Tja, Kaffee gibt’s in Wien doch überall”, würdet ihr selbstverständlich denken. Aber der echte Kaffee erfüllt zwei grundlegende Qualitäten: es muss ein geschmackvollen Shot sein und nicht mehr als einen Euro kosten.

In Wien kann man aber leider keinen Kaffee nach italienischer Art finden: entweder bekommt man einen billigen “Verlängerten”, der praktisch schmutziges Wasser ist, oder man zahlt definitiv mehr um einen einzigartigen Kaffee genießen zu können. Dafür muss man die wunderschöne, berühmte Wiener Kaffeehäuser besuchen, die seit 2001 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehören. Aber manchmal lohnt es sich definitiv, vier bis fünf Euro für einen Kaffee zu zahlen. Ansonsten kann man sich immer an die aus Italien importierte Kaffeemaschine verlassen.

Meine Empfehlung: das legendäre und charmante Café Central.

FRESH FRUITS

© Martina Igini

Was mich anfangs gestört hat, als ich nach Wien gezogen bin, war das Obst- und Gemüseangebot der Supermärkte: in Italien kann man jede Sorte Frucht und Gemüse zu fairen Preisen finden und diese sind meistens sogar lokale Produkte, frisch aus unserem Land. Im Gegenteil zu Wien – hier ist das viel schwieriger.

Zum Glück habe ich nicht lange gebraucht, um die vielfältigen Märkte der Stadt zu entdecken!

© Martina Igini

Meiselmarkt, Kutschkermarkt, Karmelitermarkt, Naschmarkt, um nur die berühmtesten zu nennen. Diese multikulturellen Märkte sind  wunderschöne Freiluft-Einkaufserlebnisse, vor allem in den wärmeren Monaten. Sie sind eine tolle Möglichkeit, um die Straßen der Wiener Bezirke zu entdecken. Und sie werden die anspruchsvollen Italiener mit ihren vielfältigen internationalen Angeboten nicht enttäuschen.

Mein persönlicher Favorit? Der bunte und lebendige Brunnenmarkt, im Herzen des 16. Bezirks.

DER APERITIF

Wisst ihr, welche die berühmteste und beliebteste Tradition nach dem Feierabend in Italien ist? Nur ein Wort: Aperitif.

Ja genau, nach einem langen Tag an der Uni oder bei der Arbeit wollen die Italiener einfach einen trinken gehen. Dies ist der schönste Moment des Tages: Sunset, Drinks ‘n Friends, what else?

Das Aperitif ist kein Drink, sondern eher ein Ritual: in den meisten Bars kauft man einen Drink und bekommt dazu Brötchen, Snacks aller Sorten, Pizza und Pasta…alles umsonst!

Aperitiv am Donaukanal
© Martina Igini

Vielleicht nicht in der Winterzeit, aber ab April wird Wien die schönste und chilligste Stadt der Welt. Parks werden voll, Strandbars machen auf und alle sind endlich froh und lebendig. Zur Freude aller Italiener ist das Aperitif-Angebot in dieser lockeren Zeit des Jahres sehr groß und vielfältig. Sei es im sommerlichen Vorplatz des Museumsquartiers, auf den gemütlichen Stränden der Lokale am Donaukanal oder bei der Donauinsel. In Wien hat man immer die Möglichkeit, nach dem Feierabend den Sonnenuntergang mit Freunden zu genießen.

Beste Aperitif? Die Strandoase Copa Cagrana bei der Donauinsel, eine Promenade mit vielfältiger Auswahl an Lokale und Restaurants.

DAS MEER

… ist das, was Italien für Touristen am attraktivsten macht. Obwohl ich im Norden aufgewachsen bin, habe ich regelmäßig das Wochenende mit meiner ganze Familie am Meer verbracht. Nie könnte ich mehr als ein paar Monate überleben, ohne das Meer zu sehen.

© Martina Igini

Und das war eben eine meiner größten Sorgen, als ich nach Wien gezogen bin. Das Wintersemester war zu kalt, unglaublich lang und traurig. Aber mit etwas Geduld hat es sich im Endeffekt gelohnt, geduldig auf den Sommer zu warten.

Berühmte Locations wie die Alte Donau, die Donauinsel oder versteckte Oasen im 22. Bezirk sind perfekte Orte, um mein Bedürfnis nach Meer zu befriedigen.

Jaja ich weiß, die Donau und das Mittelmeer haben nicht viel gemeinsam. Aber man muss sich im Leben auch anpassen können, richtig? Und die Donauoasen sind ein echt guter Kompromiss: diese Freizeitparadiese bieten (fast) alles, was man sich selbst von einem Urlaub am Meer erwarten würde. Surfen kann man vielleicht nicht, aber baden ist erlaubt. Ein wichtiger Vorteil? Man muss die Stadtgrenze nicht überqueren, um diese Locations zu erreichen…wie viele Städte kennt ihr noch, wo es in der Innenstadt eine Insel gibt?

Top Oase? Mühlwasser im 22. Bezirk, eine ruhige Location, weit weg von den lauten Touristen und den schreienden Kindern.

DER ITALIENISCHE SONNTAG

Last but not least, meine Lieblingstradition aus Italien: das Wochenende-Familienmeeting.

Sonntag ist in Italien der Tag, wo man sich mit Verwandten und FreundInnen trifft und den Feiertag gemeinsam genießt. In Italien ist es Tradition, dass man jeden Sonntag ein riesiges Familienmittagessen organisiert. Und darüber freue ich mich wahnsinnig, vor allem jetzt, da ich in einem anderen Saat wohne. 

Eine ähnliche Version des Sonntagsrituals gibt’s in Wien zum Glück auch. Hier ist es typisch, dass man mit einer großen Gruppe brunchen geht. Da ich hier keine Familie habe und auch keine Küche besitze, habe ich das traditionelle Mittagessen mit dem Brunch ersetzt. Und ich muss ehrlich sein: seitdem ich in Wien wohne, kann ich auf meinen Sonntagsbrunch nie verzichten.

Sowohl in der Innenstadt, als auch in kleineren und ruhigeren Bars in den äußeren Bezirken, Brunch-Möglichkeiten gibt es  in Wien ganz viele und jeden Sonntag kann man ein neues Lokal ausprobieren. Pancakes, Green Smoothies, Eier Benedict und asiatische Köstlichkeiten: eine große Auswahl an Frühstückslokalen erfüllt jeden Wunsch.

Na gut, das Mittagessen, das meine Mutter und meine Oma vorbereiten ist damit nicht zu vergleichen, aber ich bin zufrieden und unglaublich dankbar, dass ich so viele tolle Menschen kennengelernt habe und dass ich die Traditionen meines Mutterlandes mit einer neuen Kultur vereinbaren kann.

Bester Brunch zum besten Preis? Die Bäckerei Wannenmacher im Herzen des 19. Bezirks.

Wer Freunde und Familie verlässt und weit weg von daheim ist, kann den Sinn dieses Artikels gut verstehen. Das Leben in einem anderen Land kann schwieriger sein, als man denkt. Vor allem, weil man ja nicht alles von Zuhause mitbringen kann. Was ich aber in Wien gelernt habe ist, dass man immer die positive Seiten solcher Erlebnisse finden soll: damit genießt man diese einmalige Lebenserfahrungen besser und man kann sich viel leichter an neuen Kulturen anpassen.

Text und Fotos:  Martina Igini

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

%d Bloggern gefällt das: