Sicher durch die Nacht

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Heimwegtelefon:
Du verlässt nachts den Club oder das Zuhause deiner Freunde und machst dich auf den Heimweg. Die Straßen sind dunkel und du denkst du siehst an jeder Ecke und hinter jedem Auto einen Schatten.  Plötzlich ein Geräusch, das dich zusammenzucken lässt. Ist da jemand hinter dir?

 

Ich gehöre zwar zu den glücken Menschen, die nachts noch nie blöd angemacht, überfallen oder gar verfolgt wurden, dennoch habe auch ich manchmal die Sorge, es könnte doch etwas passieren.  Gerade auf unbelebten Straßen erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich sicherheitshalber zu meinem Pfefferspray greife oder mir zum Schutz die Schlüssel zwischen die Finger stecke.

Ob ich mich damit überhaupt wehren könnte?  Hoffentlich werde ich es nie erfahren, dennoch fühle ich mich dadurch sicherer.

Dieses Gefühl hilft wohl auch dabei mehr Sicherheit auszustrahlen und dem Gegenüber zu vermittel: „Lass mich in Ruhe, ich bin kein Opfer!“ Um dieses Sicherheitsgefühl zu verstärken gibt es heutzutage Apps und verschiedene Dienste am Markt.

Seid ihr in der Dunkelheit auch manchmal mit einem flauen Gefühl im Magen unterwegs? Viele kennen dieses Gefühl und es ist gewiss kein Schönes. Allein im Dunkeln kann der Weg bis nach Hause endlos lang wirken. Das muss natürlich nicht sein! Für viele Menschen sind nächtliche Telefonate ganz normal, jedoch will man zur späten Stunde ungern seine Familie oder Freunde wecken. Wer künftig Angst auf seinem Weg nach Hause hat, kann neuerdings den Dienst des Heimwegtelefons in Anspruch nehmen.

Dieser Service ist hauptsächlich dazu da, um Sicherheit  und Wohlbefinden zu schenken.  Durch ein nettes Gespräch soll das Gefühl vermittelt werden, auf dem Weg nach Hause nicht alleine zu sein. Dadurch fühlt man sich nicht nur wohler, sondern strahlt anderen Personen gegenüber auch mehr Selbstbewusstsein aus.
Dem Gegenüber soll somit vermittelt werden: „Nimm dich in Acht, ich bin nicht alleine“. Das Telefonat soll also Angreifer abschrecken und so einen Überfall verhindern.

Die Idee zu der ehrenamtlichen Hotline wurde von zwei Berlinerinnen namens Frances Berger und Anabell Schuchhardt in Schweden aufgegriffen. Dort wird bereits ein Dienst der Polizei angeboten, den nächtliche Heimkehrer nutzen können, wenn sie sich unwohl fühlen. Nach einer dreiwöchigen Testphase wurde im Februar 2016 auch in Österreich das erste Heimwegtelefon aktiviert, nämlich in der Grazer Hauptstadt.

Wenn ihr nachts keinen eurer Vertrauten erreichen könnt, setzt die Idee  des Heimwegtelefons ein. Die Bedienung ist natürlich kinderleicht! Ihr wählt die kostenfreie Festnetznummer der Hotline und werdet danach mit einem der freiwilligen Mitarbeiter verbunden. Dieser stellt sich kurz vor und stellt euch danach ein paar Fragen, um das Telefonat persönlicher zu gestalten. Ihr könnt angeben, wo ihr euch gerade befindet, wo ihr hin möchtet und auch schildern, wie ihr euch gerade fühlt. Mit Hilfe eines Internetkartendienstes verfolgen die Mitarbeiter, wo sich der Anrufer befindet. Glücklicherweise ist bis dato noch keinem Anrufer etwas passiert, im Notfall sind die Mitarbeiter aber stets darüber informiert, wo ihr euch gerade befindet und können dann schnellstmöglich die Polizei informieren.

Wer sich nachts unwohl fühlt, kann künftig sonntags bis donnerstags zwischen 20.00 – 24.00 Uhr und freitags bis samstags von 22.00  – 4.00 Uhr unter der Nummer 872- 2277 einen Mitarbeiter des Services erreichen.

Für die unter euch, die es noch einfacher haben wollen steht neben dem Heimwegtelefon ab sofort auch eine „Heimweg-App“ als gratis Download zur Verfügung. Dies ist wohl der sicherste und auch einfachste Weg um das Heimwegtelefon in Anspruch zu nehmen. In erster Linie kann man die App dafür verwenden,  eine schnelle Verbindung zum Heimwegtelefon herzustellen. Außerdem funktioniert sie via GPS und kann euch jederzeit den aktuellen Standort anzeigen. Zusätzlich bietet die App die wichtigsten Notrufnummern sowie Stadt und Fahrpläne an und man  kann sich über die wichtigsten Tipps zum Selbstschutz informieren.

 

KommGutHeim:
Wie oft haben wir uns mit dem Satz: „Schreib mir, wenn du gut Zuhause angekommen bist“ von unseren Freunden verabschiedet? Natürlich möchte man wissen, ob jeder gut  Zuhause angekommen ist.
Wer Sicherheit verspüren möchte, aber nicht ständig am Hörer hängen möchte, der ist auch mit der „KommGutHeim“ App gut aufgehoben.  Mittels dieser App ist es möglich, sich einfach via Facebook einzuloggen und dadurch seine Facebook- Freunde als virtuelle Begleiter auszuwählen. Dein Standort wird daraufhin mit deinen Freunden geteilt und sie werden informiert, sobald du gut zuhause angekommst bist. So können wir uns in Zukunft die „Ich bin gut angekommen“ Nachricht schenken.

 

Selbsttest:
Es ist Samstagabend, genau 00:35 Uhr und mein Heimweg beträgt 1,5km. Die Straßen sind dunkel und leer und ich kann mir vorstellen, dass in solchen Situationen nicht nur ich Angst habe. Ich wähle die Nummer des Heimwegtelefons und gelange in eine kurze Warteschleife. Nach einigen Sekunden hebt einer der Mitarbeiter ab. Es sind nur knapp sechs Minuten, aber in dieser Zeit fühle ich mich sehr sicher und das obwohl ich alleine bin. Naja, zumindest nicht ganz alleine. Anna ist bei mir – zumindest auf der anderen Seite des Apparats. Sie stellt sich sehr freundlich bei mir vor und fragt direkt nach meinem Standort. Für einen kurzen Moment finde ich es eigenartig, so eine Information an eine fremde Person weiterzugeben.

Nachdem dies geklärt wurde, kommt Anna fast nicht dazu mir weitere Fragen zu stellen, denn ich löchere sie mit meinen Fragen über ihre Arbeit. Sie erzählt mir, dass es bei ihr noch keine Notsituation gab und dass sie glücklich ist diesen Job zu machen.  Als Grund erwähnt sie unter anderem die Dankbarkeit der Menschen, welche sich am anderen Ende des Apparates befinden. Sie erzählt mir, dass sie am häufigsten von Damen im Alter von 16-30 Jahren angerufen wird, und dass der durchschnittliche Heimweg 1-3km beträgt. Oftmals rufen aber auch Personen an, welche einen längeren Weg zurücklegen müssen und so kann das Telefonat auch bis zu einer halben Stunde dauern. Unser Gespräch ist ganz locker und entspannt und nach einigen Minuten erreiche ich meine Haustür.
Nachdem sich Anna versichert hat, dass ich auch gut zu Hause angekommen bin, verabschieden wir uns voneinander.

Text: Denise Rossbacher
Fotos: Denise Rossbacher