Ist ein digitaler Unterricht an Schulen wirklich notwendig?

geposted am

Jeder von uns nutzt sie. Überall und tagtäglich. Dabei spreche ich nicht von den öffentlichen Verkehrsmitteln, den Autos oder den Bankomatkarten, sondern von den technischen Geräten wie Tablets, Laptops, Smartphones und ähnlichem. Digitale Medien begleiten vor allem uns, Erwachsene, regelmäßig und, das am meisten im Berufsalltag aber auch im privaten Leben. Was wäre aber, wenn auch Kinder an Schulen durchgehend vor das digitale Medium gesetzt werden? Stell dir vor, dein Kind ist durch den hohen Konsum digitaler Geräte ununterbrochen abgelenkt und konzentriert sich nicht mehr auf den aktiven Unterricht.

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“

Müssen Schulen eigentlich die Kinder rechtzeitig auf das zukünftige Leben mit digitalen Medien wie Computer, Tablet und Co. vorbereiten? Wie kann das Internet am sinnvollsten während der Unterrichtszeit verwendet werden?

Uns allen ist bewusst, dass der digitale Wandel nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch unser privates Leben im rasantem Tempo verändert. Alleine, wenn ich an die neu eingeführten Selbstbedienungs-Kassen in Lebensmittelgeschäften denke, frage ich mich wie ältere Menschen und vor allem Kinder der Volksschule oder Unterstufe mit ihren ein bis zwei Wochenstunden Informatik mit dem digitalen Alltag mithalten sollen. Letztendlich habe ich mich dazu entschlossen, dieser Frage auf den Grund zu gehen und wollte wissen, welche positiven Auswirkungen sich bei einer vermehrten Nutzung digitaler Geräte während des Unterrichts ergeben. Als ich einer Freundin von diesem Vorhaben erzählt habe, meinte sie nur: „Du wirst keine Vorteile dazu finden, eine frühe Digitalisierung bringt sowieso nur Nachteile mit sich. Schau, es werden die Augen durch die lange Benutzung geschädigt, die Schülerinnen und Schüler werden während des Unterrichts total unaufmerksam sein und stattdessen Spiele spielen oder sich untereinander Whats-App Nachrichten zusenden.“ Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass meine Freundin sich wohl oder übel getäuscht hat. Klar gibt es viele Menschen, darunter vor allem die betroffenen Erziehungsberechtigten die die Einführung der Digitalisierung als äußerst kritisch betrachten und die Nutzung von Medien im frühzeitigen Alter vermeiden möchten, aber meistens haben diese ein völlig falsches Bild vom Unterricht mit den neuen technologischen Entwicklungen.

Schule und Technologie – die Realität

Ich konnte mich während meines Besuchs am 16. November 2018 auf Österreichs führender Bildungsplattform und einziger Fachmesse für den pädagogischen Bereich, der „Interpädagogica“ in der Stadthalle in Graz noch mehr davon überzeugen, dass eine Einführung und vermehrte Nutzung der Technik in Schulklassen sinnvoll ist. Bei einem Vortrag habe ich erfahren, dass das Unternehmen „McWerk“ durch den Einsatz von EDU-IPad´s eine praktische Umsetzung von E-Learning bereits in der Volksschule ermöglicht. Dabei ist es nicht das Ziel gedruckte Bücher und Hefte abzuschaffen und diese nur mehr online anzubieten, sondern zusätzlich zum bisherigen Unterricht, der weiterhin mit Papier und Stift erfolgen soll, mit Tablets Unterrichtsinhalte spielerisch durch die verschiedensten Apps, die teils kostenpflichtig, teils kostenlos sind, zu überprüfen, zu wiederholen und zu festigen. Bei der Benutzung dieser Tablets ist technisches Vorwissen für Pädagoginnen und Pädagogen natürlich nicht notwendig, da „McWerk“ das EDU-IPad startbereit für den Unterricht an die Schule liefert. Bei der technischen Einstellung dieser Tablets werden auch bestimmte Einschränkungen in Bezug auf das Internet getätigt, die das Aufhalten auf nicht kindgerechten Internetseiten nicht gewähren. Ist das, denn nicht super? Doch was passiert nach der Absolvierung der vier Jahre? Die Eltern können das Tablet mit samt seinen Einstellungen nach Ende der Volksschulzeit ganz einfach entweder an „McWerk“ zurückgegeben oder vom Unternehmen zurücksetzen lassen, behalten und somit weiterhin uneingeschränkt für private Zwecke verwenden.

Ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Bücher nicht komplett aus der Schule verbannt werden bietet die Marke „Areeka“, von der ich mich selbst durch das Testen überzeugen durfte. Das Startup „Amlogy GmbH“ hat sich mit diesem Projekt vorgenommen, durch die Integration von Augmented Reality und 3D-Animationen für Schulbücher die Lernerfahrung für Schülerinnen und Schüler im Unterricht intensiver und nachhaltiger zu gestalten. Dies erfolgt folgendermaßen: Jede Schülerin und jeder Schüler erhält „Areeka“ Themenhefte, die die Schule für sie bestellt hat. Daraufhin laden sie sich die Applikation „Areeka“ auf ihr iOS- und Android-Gerät herunter und installieren sich daraufhin das Buch, dass im Unterricht verwendet wird. Hält man das mobile Endgerät mit der geöffneten „Areeka“ App nun über eine Grafik aus dem Themenheft, erscheint innerhalb kürzester Zeit eine 2D- bzw. 3D- Animation. Natürlich habe ich auf der Messe diese App anhand des Themenhefts „Verkehrszeichen einfach verstehen“ getestet und war sehr positiv davon überrascht, dass ich alle Verkehrszeichen „zum Leben erweckt habe“. Ich muss zugeben, dass ich mich durch die Animation der Verkehrszeichen gefühlt habe, als wäre ich direkt mitten auf der Straße vor dem Schild gestanden und hätte es mir aus der Nähe angesehen.

Meine neue alte Mittelschule

Und, weil ich mir natürlich ein eigenes Bild von der Praxis machen und mich über weitere digitale Geräte, die an Schulen verwendet werden, informieren wollte, besuchte ich meine ehemalige Mittelschule in Wien (die Schule möchte namentlich nicht genannt werden), die ich vor gut sieben Jahren abgeschlossen habe. Ich durfte eine Stunde in der 2. Klasse verbringen und habe mitverfolgt, wie der Mathematik Unterricht abläuft. Diese Schule setzt in puncto Digitalisierung auf sogenannte „Smart Boards“. Die ActivInspire-Software von Promethean unterstützt Lehrerinnen und Lehrer dabei, mit spannenden und interessanten Aktivitäten mehr Leben in den Unterricht zu bringen, um so die Aufmerksamkeit zu erhöhen und Echtzeitbewertungen und praktische Erfahrungen in den Lernprozess zu integrieren. Dabei entfallen die typischen Gegenstände wie Kreide, Tafeltuch, Schwamm, Geodreieck und Zirkel für den Lehrer weg, da diese in der Software mit inbegriffen sind. Neben den Unterrichtsutensilien der Lehrerinnen und Lehrer fallen auch alle Aufgaben, die die Schülerinnen und Schüler – jedenfalls als ich noch in der Unterstufe war – erledigt haben, wie zum Beispiel das Kreide holen aus dem Lehrerzimmer oder das Säubern von Tafeln am Ende der Unterrichtsstunde weg. Nur mittels eines Stifts kann die Pädagogin oder der Pädagoge mehrere Aktivitäten durchführen, wie das Schreiben in einem Textverarbeitungsprogramm, das Speichern des Geschriebenen, die Änderung der Schriftfarbe durch Anklicken der Farbfelder, das Löschen der nicht benötigten Zahlen, Buchstaben, Zeichen und sogar gesamter Seiten.

Meiner Meinung nach ist so eine Erneuerung wirklich sinnvoll, da sowohl Pädagoginnen und Pädagogen als auch Schülerinnen und Schüler ihre Unterrichtsstunde nicht dafür „verschwenden“ auf Kreiden zu warten oder zu diskutieren, wer nun an der Reihe ist mit Tafel löschen.

Volksschulen im digitalen Wandel

Am 12. Dezember 2018 durfte ich mich eine Stunde lang in den Unterricht der Klassen 3e und 2d der Volksschule „Schulverein De La Salle – Strebersdorf“ hineinsetzen und den Schülerinnen und Schülern beim Programmieren zusehen. Dabei haben die Volksschülerinnen und Volksschüler sich auf der Internetseite www.code.org angemeldet und zum ersten Mal eigenständig aus dem Projekt „Kurs 2“ die einzelnen Aufgaben der Reihe nach durchgeführt. Davor haben sie als Team, dass sich aus einer

Schülerin oder eines Schülers der dritten Klasse und einer Schülerin oder eines Schülers der zweiten Klasse zusammengearbeitet. Dabei haben die Drittklässler ihr erlerntes Wissen an die jüngere Klasse weitergegeben. Der Zweck hinter der Gruppenarbeit ist es die soziale Kompetenz und die Teamarbeit zwischen den beteiligten Volksschülerinnen und Volksschülern zu stärken. Durch die Durchführung der Übungen sollen vor allem die Orientierung mit der Maus sowie die Geschicklichkeit der Kinder trainiert werden. Natürlich wird auch das Unterrichtsfach Deutsch am Computer geübt. Wöchentlich gehen die Klassenlehrerinnen mit ihrer Klasse in den Informatikraum um die neu erlernten Lernwörter auf das Textverarbeitungsprogramm „Microsoft Word“ aufzuschreiben. Damit soll der Umgang mit der Tastatur und das Tippen erlernt werden.

… und weiter?

Schlussendlich kann ich nur sagen, dass sich meine kurzen Ausflüge auf die Grazer Messe und in die beiden Wiener Schulen sehr gelohnt haben. Das Ziel der Pädagoginnen und Pädagogen ist es nicht die Kinder den gesamten Schulalltag nur vor dem Bildschirmen „zu parken“ und sie mit Unmengen an Übungsaufgaben über die zahlreichen Apps zu überhäufen, sondern den erlernten Unterrichtsstoff durch selbstständiges Arbeiten zu festigen und ihnen gleichzeitig die Benutzung von technischen Medien näher zu bringen.

Also, liebe Mütter und Väter: Keep calm! Solange ihr eurem Kind zuhause nicht vorlebt, ununterbrochen am Handy zu sein und regelmäßig auf Whats-App Nachrichten antworten zu müssen, wird es auch kein Interesse daran haben.
P.S. Was mir während meiner Schulbesuche aufgefallen ist, ist, dass so etwas wie Hefte, Federpennale, Kugelschreiber und Papierblätter an Schulen noch existieren. 😉

Weiterführende Links zu diesem Thema gibt´s hier:

Digitales Lernen macht Schule! (Samsung)

eduWERK

eEducation Austria (Mitgliedsschulen)

EDUCATION GROUP

 

Verfasserin: Tatjana

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen