Auch in der Zukunft EU erleben

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„Jedes Projekt fängt mit einer Idee an.“ Diese, vermutlich schon überstrapazierte, Phrase, trifft bei dem Projekt „Europäische Union“ absolut zu. Bei Coloured Glasses war das nicht anders.

In einem Europa, dass von politischen Entscheidungsträgern einzelner Nationalstaaten momentan im wahrsten Sinn des Wortes seine Grenzen aufgezeigt bekommt und medial eher von negativen Nachrichten – Brexit, Populismus, DSGVO, um nur einige Schlagwörter zu nennen – begleitet wird, fällt es schwer, seine ganz eigene Rolle im Verbund so vieler, diverser Nationalstaaten zu finden und zu leben.

Vereint in aller Unterschiedlichkeit

Das haben auch Freiwillige und Verantwortliche der gemeinnützigen Schüleraustauschorganisation YFU, kurz für Youth for Understanding, verstanden und daraus ein Projekt für mehr Bewusstseinsbildung für die Werte der EU geschaffen. Dem als Basis zugrunde liegt das bereits „altbewährte“ Coloured Glasses Konzept. Eine Symbiose zweier Ideen, zweier Projekte also.

Dahinter steckt eine ganze Reihe an Vorüberlegungen und Erfahrungen. Ganz am Anfang dieser Reihe steht YFU, die es sich zum Ziel gesetzt haben, jungen Menschen die Tür zu mehr interkultureller Verständigung zu öffnen und – so idealistisch es auch klingen mag – durch neu gewonnene Perspektiven die Welt ein bisschen besser zu machen. Doch damit nicht genug – international formierte sich bald eine Gruppe ehemaliger Austauschschüler und nunmehriger Freiwilliger, die der Meinung waren, dass die „bunten Brillen“ als Analogie für einen geweiteten Blickwinkel auf die Welt, nicht ausschließlich Austauschschülern und AustauschschülerInnen vorbehalten sein sollen. Denn diese Brillen sollen sämtliche Jugendliche in aller Welt erreichen, und das im Rahmen eines breit gefächerten, gesellschaftlichen Engagements.

© COLOURED GLASSES YFU AUSTRIA
Visionen gelebt und umgesetzt

Es ist Freitagfrüh, ich läute an der Tür der Tulpengasse 5 in Wien, an der Adresse von YFU und damit auch dem Arbeitsplatz von Judith Haidacher. Judith ist ihres Zeichens Regional Coordinator von Coloured Glasses und nun mehr auch von ACLEV. ACLEV steht für Active Citiziens Living European Values und ist das “Nachfolgeprodukt“ von Coloured Glasses. Regional Coordinator liest sich in einer international ausgerichteten Organisation, die zu einem Großteil auch auf Englisch arbeitet, ganz nett – meint aber vereinfacht, dass Judith die österreichische Verantwortliche und Koordinatorin für diese beiden Projekte ist. Es herrscht geschäftige, freundliche Stimmung im Büro. Judith und Claudia, die Marketingverantwortliche der Organisation, besprechen gerade die Gestaltung neuer Seiten auf der Homepage.

Es wird viel gelacht, geplant, fleißig am Computer getippt. Man merkt, hier entsteht etwas Neues. Termine für Workshops werden erstellt und festgelegt, weitere Besprechungen in den Kalendern notiert und Punkte der „To do“-Liste für 2019 hinzugefügt. Und es werden auch schon Projekt Einreichungen für 2020 angedacht und diskutiert.

© LISA STEPANEK

Ich bekomme einen ersten Eindruck davon, was es bedeutet, ein neues Projekt aufzuziehen. Viel Arbeit, einiges an Planung und Networking steckt dahinter. Schließlich ist Judith die einzige, die für Österreich die organisatorischen Fäden in Sachen Coloured Glasses und ACLEV zieht. Doch was tut ACLEV tatsächlich, und inwiefern ist es nicht nur das „alte“ Projekt Coloured Glasses unter neuem Namen, interessiert mich. Judith fängt enthusiastisch zu erzählen an: „Das alte Manual gilt nach wie vor als Basis, das Neue wurde eher theoretisch überarbeitet.“ „Der gravierendste Unterschied“, fährt sie fort, „spiegelt sich in der veränderten Zielgruppe wieder.“ Schließlich wird ACLEV, wie auch der Vorgänger, von der EU im Rahmen von Erasmus+ gefördert. Das Projekt richtet sich damit an Menschen, die bei der anstehenden Europawahl 2019 wahlberechtigt sind. Europaweit wird die Altersgruppe von Kea Hoppe, Verantwortliche im YFU Global Office in Brüssel, mit 18 bis 25 Jahren angegeben, in Österreich aber ist man schon mit 16 wahlberechtigt und, wie Judith meinte, können Workshops für alle Altersgruppen adaptiert werden. Im Sinne des peer-to-peer Ansatzes, welcher meint, dass die Workshops von Gleichaltrigen, meist Volunteers zwischen 16 und 30, gehalten werden, richtet sich aber auch ACLEV tendenziell eher an Schul-, Studien- oder andere Jugendgruppen.

Wir sind Europa

ACLEV deklariert sich als „EU Projekt 2019“ und ist in der Umsetzung nichts desto trotz viel flexibler, kreativer und spannender, als es der vielleicht nüchterne Titel aussagen mag. Die Workshops folgen üblicherweise einem vorher vom Team festgelegten Ablauf, der aber stark auf die Teilnahme und das Engagement der Gruppe setzt. So soll in Simulationen wie dem „Circle of European Society” hautnah erlebt werden, was es bedeutet, in einer Union mit Menschen aus 28 Staaten zu leben. Nach der Simulation folgt eine Gruppendiskussion, anhand vorhandener Leitfragen. Im Fall der oben angeführten Simulation geschieht dies anhand der Frage, wie trotz aller Unterschiedlichkeit ein Gefühl der Einheit erreicht werden kann.

© LISA STEPANEK

Es ist ein Projekt, dass mit viel Engagement, Ehrgeiz und hohen Zielen 2019 in die Umsetzung geht. Verschiedene europäische YFU Organisationen beteiligen sich sowohl was Planung, Weiterentwicklung als auch Durchführung der Workshops angeht. Dabei kann von einem „bunten europäischen Mix“ gesprochen werden. ACLEV erreicht nämlich alle Ecken Europas. Von Rumänien, über Schweden, Österreich bis Spanien soll mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen spannende Diskurse über ihre Rolle in der europäischen Union stattfinden.

Das Bewusstsein, dass die Stimme jedes europäischen Bürgers und jeder europäischen Bürgerin bei der anstehenden Europawahl die Richtung der EU gravierend bestimmt, ist meist nicht vorhanden, meint Judith. Und gleichzeitig ist das die Hoffnung, gewissermaßen auch das Ziel von ACLEV, diesen Umstand zu ändern. Damit junge Menschen wie ich, die in der europäischen Union aufgewachsen sind, Grenzen überwinden und EU nicht nur erleben, sondern schließlich auch leben.

Lisa Stepanek

Siehe auch:

Video zu Coloured Glasses

Offizielle Coloured Glasses Austria Homepage

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