Ein Monat der Fitness

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Es ist noch dunkel als ich den hell beleuchteten, weitläufigen Raum betrete. Um mich herum 14 Gleichgesinnte, die in etwa so erschöpft aussehen, wie ich mich fühle. Überall stehen Gewichte und allerlei komplex aussehende Gerätschaften herum. Worauf habe ich mich da bloß eingelassen? Die Antwort ist: Crossfit – constantly varied functional movements performed at high intensity.

Kürzlich entschied ich mich nach langem Hin und Her dazu, den inneren Schweinhund zu überwinden, und von einem Standard–Fitnesscenter in eine Crossfit – „Box“ zu übersiedeln. Ja, kein Scherz, so werden die Crossfit – Gyms wirklich genannt. Nicht zuletzt weil sie meistens in etwas größeren Garagen untergebracht sind, und sich somit größenmäßig kaum von einer Box unterscheiden. Dies in Betracht gezogen, wundert man sich dann schon etwas über die doch nicht unbeträchtlichen Preise von ca. 90€ pro Monat. Das wird dadurch gerechtfertigt, dass jede angeführte Trainingseinheit von einem ausgebildeten Coach begleitet und erklärt wird, und in meinem Fall auf höchstens 15 Teilnehmer begrenzt ist. Außerdem kann ich jeden Tag von 06:00 bis 22:00 Uhr auch alleine trainieren und dabei alle vorhandenen Geräte verwenden.

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Warum habe ich mich für diesen Trainingsstil entschieden? 

Nachdem ich mich fast zwei Jahre lang (mit mäßigem Fortschritt) im Krafttraining/Bodybuilding versucht habe, musste ich feststellen, dass diese repetitiven Sportarten nichts für mich sind. Ich fand heraus, dass meine eigentliche Leidenschaft darin liegt, an allen Fronten besser zu werden: Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Flexibilität. All diese Komponenten vereint Crossfit. Da kann eine Fitnessroutine, die nur auf Stärke und voluminöse Muskeln abzielt, einpacken. Mal davon abgesehen, dass Crossfit bestimmte funktionale Übungen und Bewegungsabläufe inkludiert, die jedem/r im Alltag helfen können (z.B. beim Heben von schweren Gegenständen oder beim Tragen von Einkäufen), ist der Spaßfaktor ganz einfach höher. Das kommt auch daher, dass es hin und wieder Workouts gibt, die im Team absolviert werden müssen, was natürlich die/den Einzelne/n dazu bewegt, alles zu geben, um die Teamkameraden nicht im Stich zu lassen.

Welche Resultate kann man denn nun von Crossfit erwarten?

Es ist im Allgemeinen leider nicht damit getan, 3x/Woche zu trainieren, um sich danach erst wieder mit Junk Food vollzustopfen. Ein gesunder Lifestyle entsteht erst durch 75% gesunde Ernährung und 25% hartes Training. Ein typischer Sager hierzu wäre wohl: “You can´t outtrain a bad diet!“. Wenn deine Ernährung also nicht on point ist und du kein genetischer Freak bist, stehen deine Chancen, deinen Idealkörper zu erreichen, ziemlich schlecht.

Nun zum Konzept einer typischen Crossfit Einheit: Schweiß, Schmerz und Skills

Gleich am Anfang wird gemeinsam aufgewärmt. Viele Crossfit-Neulinge halten das Aufwärmen beim ersten Mal für das Workout. Wenn sie dann erschöpft und keuchend dastehen und vom Coach erfahren, dass jetzt das eigentliche Metcon beginnt, fallen sie meist aus allen Wolken (mir ist es hierbei nicht anders ergangen). Vom Aufbau her gibt es danach entweder einen Kraft- oder Skillteil. Ersterer wäre z.B. 3×12 Kniebeugen (mit Gewicht). Das bedeutet, man müsste in einem vorgegebenen Zeitfenster drei Sätze mit jeweils 12 Wiederholungen mit einem selbstgewählten Gewicht absolvieren. Im Gegensatz dazu geht es im Skillteil primär darum, eine neue Fähigkeit zu erlernen oder zu verbessern, z.B. den Handstandwalk. Nach der (hoffentlich) erfolgreichen Beendigung eines dieser Teile findet das eigentliche

© David Ulrich

Workout statt, genannt Metcon (Metabolic Conditioning). Dieses kann unzählige Formen annehmen, aus vielen verschiedenen Übungen bestehen, und unterscheidet sich auch zeitmäßig sehr stark (manchmal gibt es statt dem Kraft-/Skillteil einfach ein längeres Metcon). Danach ist die Einheit meistens zu Ende (so wie man selbst auch). Es sei denn, die Coaches sind mal wieder etwas sadistisch gestimmt, und es gibt noch einen Finisher. Wenn du danach nicht um Atem ringend und schweißüberströmt am Boden liegst hast du wohl etwas falsch gemacht.

Wie wirkt es sich aus, einen Monat lang jeden Tag zu trainieren?

Ich bin kein absoluter Neuling was häufiges Training angeht. Bisher habe ich zumeist bis zu 6x/Woche trainiert. Allerdings, ob du es glaubst oder nicht, es gibt einen riesigen Unterschied zwischen 6x und 7x pro Woche. Wenn du jeden Tag ein Workout machst, hast du (logischerweise) keinen Rest-day, was zu enormem Dauer-Muskelkater führen kann. Auch ich bin trotz täglichem Dehnen und Mobilisieren nicht verschont geblieben.

Außerdem nimmt es ziemlich viel Zeit in Anspruch, nicht zuletzt, wenn man überhaupt erstmal nach Wien pendeln muss, um trainieren zu können. Für alle, die vielleicht nur 20 Minuten Anfahrt haben, ist das zwar kein Problem, aber für Niederösterreicher wie mich ist das definitiv etwas, das einen Teil meines Alltags darstellt. Da ich also insgesamt bereits eineinhalb Stunden Pendelzeit einrechnen kann, ist es äußerst wichtig für mich, zu priorisieren. Somit war es auch unerlässlich herauszufinden, ob es sich wirklich für mich lohnt (extra wegen des Trainings), am Sonntag noch nach Wien zu fahren. Die Antwort ist definitiv: Nein!

Trainieren ist zwar gut und schön (vor allem wenn es sich um einen Sport handelt, den man leidenschaftlich gerne betreibt), allerdings: Alles in Maßen! Auch wenn Sport generell gut für den Körper ist, kann zu viel davon mehr Schaden anrichten, als Gutes tun. Wir sind nun mal nicht alle Spitzenathleten, die ihren Sport professionell als Vollzeitjob betreiben. Die können es sich leisten jede Woche zur Physiotherapie zu gehen, oder alle paar Tage eine Sportmassage über sich ergehen zu lassen. Für den Durchschnittsstudenten (oder sonstige „normale“ Menschen) ist das monetär und generell wohl auch zeitlich nicht machbar. Insofern sollte man abwägen, ob es sich wirklich auszahlt, auch noch den letzten Ruhetag dem Training zu opfern. Ich persönlich habe in den letzten vier Wochen ganz einfach keine Vorteile an der Sache gesehen. Mein Körper hat sich nicht wirklich positiv verändert (was, realistisch gesehen, in dieser kurzen Zeitspanne kaum möglich gewesen wäre), aber auch mental war es einfach erschöpfend, ohne Ruhetag auskommen zu müssen. Nach dieser (mehr oder minder) erfolgreichen Beendigung meines kleinen Experiments, werde ich also wieder 6x/Woche trainieren gehen.

Ich kann dir allerdings nur empfehlen Crossfit auszuprobieren, und zusätzlich vorschlagen, dass du dich einfach mehr bewegst. Dies muss nicht im Rahmen eines Fitnessstudios oder eines bestimmten Trainingsplans erfolgen, sondern kann auch einfach bedeuten, einen kleinen Spaziergang jeden Tag zu machen. Bewegung ist sehr wichtig für unsere Gesundheit und ich denke, dass viele Menschen oft darauf vergessen, wenn sie Berge an Arbeit zu bewältigen haben, oder für fünf Prüfungen gleichzeitig lernen müssen. Also wenn du nur eine Sache von diesem Post mitnimmst, dann sollte es diese sein: Bemühe dich, dir  jeden Tag zumindestens ein wenig die Beine zu vertreten (vor allem an der frischen Luft) und du wirst sehen, dass du dich besser fühlen wirst!


Mehr Infos zu Crossfit

Meine Crossfit „Box“


Text und Fotos: David Ulrich

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