Das Schiff im 7. Bezirk

geposted am

Dock 7 ahoi! Fair Trade, Organic, Vintage, … – Innovation im „Schiff“, oder doch nur weitere Insignien des Hipsterkults?


Die genannten „Modeerscheinungen“ erfreuen sich an stets steigender Beliebtheit. Es scheinen immer mehr Geschäfte und Pop-Up-Stores aus dem Boden zu sprießen, welche innovative Geschäftsmodelle, sowie fair gehandelte und biologische Produkte versprechen. All diese Aspekte bietet auch das Dock 7, obwohl es sich hier nicht um einen kurzfristigen Pop-Up-Store – wie im urbanen Raum derzeit sehr modern – sondern um einen (zumindest nach Plan) längerfristig bestehenden „Ort der Begegnung“ handeln soll. Um herauszufinden, was sich hinter dem Local Labelstore und dem Foto-, Filmstudio verbirgt und vor allem, ob es sich hier tatsächlich um mehr als nur einen kurzfristigen Hype handelt, habe ich das Dock 7 genauer unter die Lupe genommen.

1. Bild
(c) Manuel Gell

Das Dock 7 bezeichnet sich selbst als Schiff, welches im Hafen – genauer gesagt im 7. Bezirk, Kirchengasse 43 – angelegt hat, um auf mehreren Decks junge Labels zu präsentieren und Raum für ein Foto- und Filmstudie sowie für Workshops, Vernissagen und private Veranstaltungen zu bieten. Eröffnet wurde das Dock 7 im September 2015 von Sara und Jimmy (Modelabel „taiwishi“)Kiko (Modelabel „pirata del viento“) und Martin (Filmprodutktion „SpineProduction“). Ziel der InitiatorInnen ist es, auf den über 200 m² Geschäftsfläche, neben ihren eigenen Labels, auch anderen (österreichischen) JungedesignerInnen die Möglichkeit zu bieten, ihre Produkte zu präsentieren. So finden sich auch noch weitere Labels wie Ylva, Rubber Killer, That’s what she said, uvm. (siehe Bildergalerie am Ende des Beitrages) Das – noch in der Entstehung befindliche – Filmstudio soll an größeren Projekten mitwirken, aber auch zu vermieten sein.

DSC_9857
(c) Manuel Gell

Ich mache mich nun also auf den Weg in den 7. Bezirk . Ungefähr zehn Minuten abseits der Maria-Hilfer-Straße stoße ich dann auf das, von außen sehr modern wirkende, Dock 7 . Direkt nach dem Betreten des Geschäfts findet man sich in der „Schleuse“ wieder, in welcher ich sehr freundlich von Jimmy (siehe Bild rechts) empfangen werde. In diesem rustikal wirkenden Eingangsbereich können alkoholische Spezialitäten (wie beispielsweise österreichische Weine, etc.) oder Erfrischungen wie Limonade oder Craft Beer erworben werden. Bedient mit diesen Getränken kann  man es sich auf den vom Möbeldepot zur verfügunggestellten und ebenfalls erwerblichen Möbeln (die sich auch im ganzen Lokal wiederfinden) gemütlich machen und in den hier aufliegenden Flyern von den GeschäftspartnerInnen schmöckern, oder direkt mit dem Shopping beginnen.

DSC_9809
(c) Manuel Gell

Mit einem Eistee beschenkt (arbeiten kann so schön sein!), mache ich mich mit Jimmy direkt weiter auf den Weg ins „Deck 1„. Hier werden überwiegend die Modelabels der GründerInnen („pirata del viento“ und „taiwishi“) präsentiert. „Pirata del viento“ stellt Mode mit kreativen, skizzenartigen Siebdrucken her. Bei „taiwishi“ finden sich Prints die eine Kombination aus Wind- und Wettercodes darstellen, die stets Rückenwind bieten wollen. Bei den schön drapierten Klamotten und all den bunten Prints tritt aber ein weiterer wichtiger Aspekt schnell in den Hintergrund: Fair Trade. Im Gespräch mit Jimmy wird aber schnell klar, dass sie mit ihrer fairen Produktion nicht nur einer aktuellen Modeerscheinung nacheifern, sondern tatsächlich ein Bewusstsein für fairen Handel schaffen wollen. So meint er, dass er und die anderen GründerInnen auch in privaten Lebensbereichen sehr auf nachhaltige und faire Produktion achten und sich dies in ihrem gesamten Geschäftsmodell wiederspiegle.

Deck 2+3
(c) Manuel Gell

Auf „Deck 2 und 3“ finden sich dann viele Kleider und Accesoirs von weiteren jungen DesignerInnen. An dieser Stelle lässt sich nun auch am besten erklären, was es mit dem Schiffsmotto auf sich hat: Jimmy meint, dass es ihr Ziel war bzw. ist, dass weitere junge DesignerInnen, UnternehmerInnen oder einfach nur Kreative „andocken“ können, um dann im „Schiff“ Raum für ihrer Projekte zu finden. Auf diesen Decks zeigt sich dann auch, dass jeder/jedem „angedockten“ DesignerIn auch genau dieser Raum geboten wird, denn jede/r hat hier seinen seperaten Platz, an welchem die Produkte präsentiert werden. Diese klare Stuktur wirkt auch sehr positiv auf mich, da man sich dadurch viel mehr mit dem/der jeweiligen HerstellerIn beschäftigt und kein Einzelstück auf einer Stange mit zig anderen Produkten – wie in anderen Modestores üblich – verloren geht.

Weiter geht’s auf die „Brücke„, von welcher man in das Foto-, Filmstudio „SpineProduction“ und in die lichtdurchflutete Galerie (mit Außenbereich) gelangt. Diese Räumlichkeiten sollen künftig für Vernissagen, Filmproduktionen oder anderes kreatives Schaffen auf Mietbasis zur Verfügung gestellt werden. Nachgefragt wie ein Filmstudio und ein Local Labelstore überhaupt harmonisieren, meint Jimmy, dass durch diesen Zusammenschluss (und auch durch das Andocken aller anderen Mitschaffenden) gewisse Symbiosen entstehen. Es ziehen auf dem Schiff also alle an einem Strang und können dann füreinander von Nutzen sein. (Welches junge Modelabel wünscht sich schließlich nicht ein Fotostudio im Hinterzimmer, um mal schnell die neuen Kollektion abzulichten?)

Betonhocker
(c) Manuel Gell

Neben den bereits erwähnten Produkten und Dienstleistungen sollen zusätzlich auch verschiedene Workshops angeboten werden bzw. wurden bereits auch angeboten. So wurden beispielsweise ein Upcycling-Workshop – in welchem alte Gegenstände wie Briefmarken oder Tasten aus einer Computertastatur zu Schmuck verwandelt werden – und ein Betonhocker-Workshop – der Name ist Programm – veranstaltet. Diese haben sich laut Jimmy größter Beliebtheit erfreut, weshalb für das Frühjahr 2016 auch wieder einige Workshops in Planung sind. Genaue Termine können im aktuell vorherrschenden Weihnachtstrubel zwar noch nicht bekanntgegeben werden, aber es sei durchaus auch eine Erweiterung des Angebotes (z.B. Weinverköstigung, etc.) denkbar. (Um auf dem Laufenden zu bleiben, am besten einfach die Dock 7-Facebookseite im Auge behalten.)

Da ich nun das komplette Geschäft betrachtet und meinen Eistee nahezu leergetrunken habe, wird es Zeit für ein Fazit. Wie eingangs erwähnt gibt es derzeit laufend neue Shops mit ähnlichen Geschäftsmodellen, jedoch kann das Dock 7 durchaus als einzigartig betrachtet werden. Es versucht hier nämlich die ganze Crew, in starker Zusammenarbeit mit allen angedockten „MatrosInnen“, Neues zu schaffen. Und das mit Erfolg: Es entstand bzw. entsteht nach wie vor ein Geschäft mit innovativen Produkten und Dienstleistungen, die sich (vor allem in dieser Kombination) in Wien kein zweites Mal finden lassen.
Zwar werde ich als Student immer wieder von großen Modeketten mit Billigpreisen angelockt, jedoch wird im Dock 7 für ein bisschen mehr Geld auch tatsächlich höhere Qualität und Einzigartigkeit geboten. Das gute Gewissen gibt es bei jedem Kauf gratis dazu, denn man kann sich sicher sein, dass hier stets auf fairen Handel geachtet wird. Alles in allem kann das Dock 7 also nicht einfach als „Nachläufer“ aktueller Trends, sondern eher als Pionier in Sachen neuer Geschäftsmodelle betrachtet werden, wodurch hoffentlichen auch noch weitere „Schiffe“ nach Wien gelotst werden, um hier anzudocken.

Fotos und Text: Manuel Gell

Weitere Infos:

Dock 7

 


Hier findet ihr eine kleine Führung durch das Dock 7 in Form einer Bildergalerie:

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen