Der Müllkeller

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Ich stehe in meinem Keller. Vor mir ein Berg aus Müll. Glücklicherweise stinkt er nicht. Kaum zu glauben wie viel Müll eine Person alleine in einem Monat anhäufen kann.  Mist, an’s wegräumen habe ich ja noch gar nicht gedacht.

Im Durchschnitt verursachen die ÖsterreicherInnen laut einer Statistik der Eurostat, 560 kg Müll pro Kopf und Jahr. Hochgerechnet auf ein Monat wären das ungefähr 47 kg. Mal schauen wie viel Müll ich in einem Monat verursache und ob ich damit im Durchschnitt liege oder nicht. Vom Ergebnis wirst du wahrscheinlich genauso überrascht sein wie ich.

Woche 1:

Ich bin am Überlegen worin ich meinen Müll denn eigentlich sammeln und wo ich ihn lagern soll. Wie wär‘s wenn ich ihn im Keller in verschiedenen Säcken lagern würde? So würde es nicht allzu sehr stören falls er anfängt zu stinken und ich könnte ihn gleich je nach Material trennen.

Es ist total ungewohnt darauf zu achten meinen Müll extra zu sammeln. Normalerweise würde ich ihn ja einfach in den Mistkübel werfen ohne groß nachzudenken. Doch jetzt muss ich eben bei jedem noch so kleinen Stückchen Müll daran denken ihn aufzuheben und nicht einfach wegzuwerfen. Da ist es mir schon öfters passiert, dass ich den Müll einfach ganz normal weggeworfen habe, mir dann wieder eingefallen ist, dass ich ja gerade diesen Selbstversuch mache und ich dann im Mistkübel nach meinem Müll gefischt habe. Woran ich auch überhaupt nicht gedacht habe, ist, dass ich ja auch meinen Müll mit nach Hause nehmen muss, wenn ich unterwegs bin. Also saß ich öfters mit einer leeren Pizzaschachtel oder einer leeren Maki-Verpackung in der Hand in der Bim und bin damit nach Hause gefahren. Die Blicke der Leute gingen von belustigt, über verwundert, zu verachtend.

© Cornelia Mölk

Woche 2:

Schon langsam habe ich mich daran gewöhnt meinen Müll extra aufzuheben und ich muss nur noch alle paar Tage im Mistkübel fischen um meinen Müll herauszuholen, den ich unabsichtlich nicht aufbewahrt habe.

In der zweiten Woche meines Selbstversuchs ist mir aufgefallen, dass es schlau gewesen wäre, die Verpackungen in denen Lebensmittel waren, auszuwaschen, damit sie nicht die Möglichkeit haben, zu stinken und den Keller zu verpesten. Also habe ich all den Müll von voriger Woche wieder hervorgeholt und ausgewaschen. Und das mit dem Auswaschen, werde ich hoffentlich die nächsten Wochen so beibehalten.

© Cornelia Mölk

Woche 3:

Ich habe mich Gott sei Dank daran erinnert die Verpackungen auszuwaschen also habe ich den Keller doch noch vor dem Stinken gerettet.

Langsam habe ich mich nun auch daran gewöhnt meinen Müll extra aufzubewahren und ich muss (fast) nicht mehr im Mistkübel nach meinem Müll fischen, den ich ohne nachzudenken, entsorgt habe. Naja, wird ja nach drei Wochen auch mal Zeit.

Meine Eltern sind schon ziemlich genervt davon, dass sich mein Müll im Keller auftürmt. Sie fragen schon jeden Tag wann denn das Müll sammeln ein Ende hat und wann ich ihn endlich wegräume.

© Cornelia Mölk

Woche 4:

Mittlerweile (wird aber nach 4 Wochen eh schon Zeit) habe ich mich daran gewöhnt, dass ich meinen Müll extra sammle und ihn nicht einfach in den Mistkübel werfe.

© Cornelia Mölk

Selbstversuch wird erweitert…

Während der vierten Woche kam mir die Idee , meinen Selbstversuch ein bisschen zu erweitern. Ich wollte meinen Müll nicht nur sammeln um zu sehen wie viel da zusammen kommt, sondern ihn auch recyceln und etwas Neues und Brauchbares daraus basteln. Oder es zumindest zu versuchen.

Mir kam in den Sinn, die Zeitungen, die sich angesammelt hatten, als Geschenkpapier zu verwenden. Denn wenn man mal so nachdenkt, ist einem sowieso egal wie das Geschenkpapier aussieht und es wird eh nur lieblos zerrissen also könnte man genauso gut Zeitungen dafür verwenden. Falls einem die Zeitungen zu langweilig sind, könnte man sie ja bemalen, Sticker darauf kleben oder wenn man ganz faul ist, einfach Seiten aus der Zeitung heraussuchen, auf denen ein schönes Foto abgebildet ist und diese Seite für die Oberseite des Geschenks verwenden. Und wenn man Gratiszeitungen von der Ubahn-Station nimmt, die ja eigentlich eh niemand so wirklich liest, ist das Geschenkpapier auch noch kostenlos. Perfekt für arme Studentierende.

Von der Dose mit Tomaten habe ich das Etikett abgelöst und eine Plastikblume hineingestellt. (Plastik deswegen, weil echte Blumen keine zwei Tage bei mir überleben, aber pscht sag‘s keinem.) Et voilà, schon hat man eine schlichte und schöne Vase.

Aus Klorollen und einem Stück Karton von einer Reisverpackung habe ich einen Stiftehalter gebastelt. Perfekt für den Schreibtisch eines toll organisierten Studenten oder für die, die es noch verwenden wollen.

Um das notgedrungene Lieblingsessen der Studierenden (was mag das wohl sein?) cool aufzubewahren, kam mir die Idee es einfach in ein leeres Nutellaglas zu füllen. So hat man auch gleich ein bisschen Deko für die Küche.

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Nach der vierten Woche:

Ich stehe nun nach vier Wochen wieder in meinem Keller. Vor mir mein vier Wochen lang mühsam gesammelter Müll. Schweren Herzens muss ich mich nun von meinem lieb gewonnenen Müll endgültig trennen. Na gut, Spaß beiseite. Ich bin doch schon froh, dass ich nicht mehr ständig daran denken muss meinen Müll extra zu entsorgen und ihn vorher schön brav auszuwaschen, damit er nicht lebendig wird, wenn ihr wisst was ich meine…

Jetzt stellt sich mir wieder die Frage: wie viel Müll habe ich denn nun in vier Wochen angesammelt und liege ich damit im Durchschnitt der Österreicher oder nicht? Ich nehme also den ganzen Müllberg und wiege ihn ab. Auf der Waage steht die Zahl: 7,5. Mir kommt das total wenig vor und ich wiege ihn nochmals. Wieder steht die Zahl 7,5 am Display. Das wäre ungefähr so schwer wie ein Handgepäckskoffer im Flugzeug. Mit meinen 7,5 kg liege ich also weit unter dem Durchschnitt von ungefähr 47 kg. Der Durchschnitt wäre mehr als 6-mal so viel.

Ich kann mir das dadurch erklären, dass ich durch meinen vegetarischen Lebensstil generell schon umweltbewusster bin als wahrscheinlich die meisten anderen und auch so einkaufe. Meine Einkäufe kommen nicht in Plastiksackerl, sondern ich habe immer einen Rucksack oder eine Einkaufstasche dabei. Ich kaufe so gut es geht nur unverpackte Lebensmittel (bei Obst und Gemüse ist das sehr einfach möglich, bei anderen Lebensmittel wirds dann schon schwerer) oder versuche dann zumindest die Verpackung wiederzuverwenden oder sie zweckzuentfremden.

Wenn unsere Gesellschaft ein besseres Umweltbewusstsein hätte und sie über die Folgen und Schäden aufgeklärt wäre, die der Müll auf unserer Erde anrichtet, dann wäre das ein möglicher Lösungsvorschlag gegen den ständig ansteigenden Müllverbrauch. Zumindest könnte man mal damit beginnen, der Bevölkerung zu zeigen, dass das Leben auch mit weniger Müll noch genauso gut funktioniert. (Fast) niemand ist sich so wirklich über die Folgen unseres Mülls bewusst. Denk doch mal an die Meeresschildkröte, die daran stirbt, weil sie den im Meer treibenden Müll mit Nahrung verwechselt oder an das sogenannte Mikroplastik, das wir unserem Körper einerseits über Kosmetik wie Zahnpasta, Shampoos oder Cremes antun und andereseits über unsere Nahrung wie Fisch aufnehmen. Um jetzt nur wenige Beispiele zu nennen.

Ein Bewusstsein über den besseren Umgang mit Müll, wie Recycling, und über die Folgen auf unsere Erde würde die Gesellschaft zum Umdenken und Handeln bewegen. Denn nur wenn man über ein Problem Bescheid weiß, kann man daran arbeiten.

Ist dir jetzt ein bisschen bewusster, dass es auch mit weniger Müll geht und was der Müll alles so anrichtet? Dann achte beim nächsten Einkauf doch mal auf unverpackte Lebensmittel, versuch Dinge zu recyceln und nimm gefälligst eine wiederverwendbare Tasche und kein Plastiksackerl für deine Einkäufe! 😉

Text und Fotos: Cornelia Mölk

© fotolia

 

 

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