Den Kuchen gibt’s bei der Oma!

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Menschen werden älter, Probleme rund um die Finanzierung von Pensionen häufen sich, Wohnungen in Wien werden immer teurer. Stell dir vor, du bist in Zukunft von Altersarmut oder Einsamkeit betroffen.

Café Vollpension

An einem gemütlichen Sonntagnachmittag gibt es nichts Schöneres, als durch die Straßen Wiens zu spazieren und anschließend eine Tasse Kaffee oder Tee zu genießen. Ich schlendere eine Gasse entlang und lande schließlich vor einer süßen, beinahe kitschigen, Ladenfront. Blumen, Fotos und eine LED Aufschrift mit dem Titel „Vollpension“ wecken meine Aufmerksamkeit. Ich betrete das Café und ich fühle mich sofort wohl. Das wunderbare Wohnzimmerflair des Cafés mit altmodischen Möbeln und Stehlampen strahlt nur so vor Gemütlichkeit.

©Sabrina Svetnik

Das Café Vollpension ist ein öffentliches Wohnzimmer, in welchem der Austausch von Neuigkeiten bei Kaffee und Kuchen an oberster Stelle steht. Generationen von Jung bis Alt sind hier vertreten. Das Café ist aber auch Teil eines sozialen Projektes; hier arbeiten Omas und Opas. Die Omis stehen hinter der Theke und backen Kuchen, die nicht nur gut aussehen, sondern auch fantastisch schmecken – Oma’s Kuchen sind eben die Besten. Die Opas „versorgen“ die Besucher mit Eierlikör und achten immer darauf, dass alles abgeräumt ist. Das Projekt versucht Pensionisten und Pensionistinnen, die in Randgebieten Wiens wohnen und oftmals vereinsamen, wieder mit Leute, vor allem auch mit jüngeren Generationen, zusammenbringen. Zudem kommen ältere Menschen mit ihren Pensionen häufig kaum über die Runden – das Café Vollpension versucht hier, Abhilfe zu schaffen. Durch ein wenig Mithilfe im Café können diese Menschen ihr Einkommen aufbessern.

Die Zukunft von Wiens Bevölkerung

In näherer Zukunft wird Wien zwei Millionen Einwohner erreichen. Die Menschen werden jedoch immer älter und somit gibt es große Probleme, ein funktionales Pensionssystem aufrechtzuerhalten. Die Wohnungen in Wien werden immer teurer, die Pensionen vieler Menschen sind gering. Somit kommt es zur Altersarmut, von der 226.000 Senioren und Seniorinnen laut der Diakonie Österreich betroffen sind. 620.000 Senioren und Seniorinnen sind alleinstehend. Das Café Vollpension hat diese Entwicklung erkannt und sich zur Aufgabe gemacht, dieser entgegenzusteuern.

Kaffee und Kuchen

©Sabrina Svetnik

Ich sehe mich ein wenig um und mir fällt auf, dass es recht voll ist. Einige Tische sind sogar
reserviert – sehr ungewöhnlich für ein Café, denke ich mir. Im nächsten Moment kommt auch schon ein Opa auf mich zu, den Damen neben mir reicht er zwei Stamperln Eierlikör, mich weist er zu einem Tisch, an dem noch ein Platz frei ist. Die Leute unterhalten sich prächtig, lachen und essen Kuchen. Ich gehe an die Theke, um mir einen frisch gebackenen Kuchen von der Oma persönlich zu holen. Obstkuchen, Schwedenbombentorte, mmh… oh ja Sachertorte ist mein liebster Kuchen. An meinem Platz bestelle ich mir noch eine heiße Ingwer-Zitrone, Oma’s Spezialtee (und meine persönliche Empfehlung). Die Sachertorte schmeckt köstlich, der Tee wärmt schön, währenddessen ich das Ambiente des gemütlichen Wohnzimmers genieße. An der Wand hinter mir hängen alte Familienfotos, direkt gegenüber erblicke ich ein sehr altes Radio, das nicht mehr zu funktionieren erscheint. Die Musik, die im Hintergrund erklingt, versetzt mich zurück in die 90er. Als ich nach einer guten Stunde meinen Kuchen genüsslich verzehrt und meinen Tee ausgetrunken habe, verlasse ich mit guter Stimmung das Café. Der Opa kommt mir nochmal entgegen und lächelt mich freundlich an. Draußen vor der Tür erwischt mich wieder die Kälte, die mich daran erinnert wie gemütlich und warm es zuvor im Café war. Das wird definitiv ein Winterstammplatz! Vielleicht wird es auch deiner?

© https://www.vollpension.wien

Oma und Opa nehmen Stellung

Meine Großeltern sind sehr glücklich mit ihrer Pension, sie müssen sich keine finanziellen Sorgen machen. Dennoch habe ich sie interviewt, um herauszufinden, was sie an der Stelle eines anderen, der keine schöne Pension hat, unternehmen würden.

Was hält ihr von dem Projekt, das im Café Vollpension durchgeführt wird?

Oma: Ich bin stolz, dass es Möglichkeiten wie diese gibt, dass Jung und Alt zusammenkommen und kommunizieren. Außerdem ist es toll, dass Omas traditionell für das Kuchenbacken zuständig sind und der Brauch nicht in Vergessenheit gerät.

Opa: Ich halte sehr viel von dem Projekt. Mir gefällt es, dass ältere Menschen mit jüngeren zusammenkommen, denn es gibt viele Pensionisten und Pensionistinnen, die alleine sind und sich einsam fühlen. Dort haben sie die Möglichkeit, sich vom schwierigen Alltag abzulenken.

Versetzt euch in die Lage einer Oma beziehungsweise eines Opas, die in ihrer Pension vereinsamen und verarmen, was würdet ihr an ihrer Stelle unternehmen? Würdet ihr auch ein Angebot wie dieses im Café Vollpension annehmen?

Oma: Auf jeden Fall! Ich würde mich gerne integrieren und mit der jungen Generation in Kontakt treten, weil das Alleinsein nicht schön ist. Die ältere Generation kann von Konversationen mit der Jugend profitieren und Neues lernen, sowie umgekehrt auch. Ich würde dort sehr gerne arbeiten, denn ich möchte auch im hohen Alter noch etwas tun.

Opa: Ich würde auf jeden Fall dort arbeiten, denn allein möchte ich auf gar keinen Fall sein. Ich brauche eine Aufgabe und dort würde ich bestimmt eine finden.

Nun eine Frage an dich, Oma! Du backst sehr gerne, könntest du dir vorstellen, deine liebsten Kuchen im Café Vollpension zu backen und würde es dir dort auch Spaß machen?

Oma: Ja, egal wo ich backe, ob zu Hause, oder in diesem Café, es würde mir genauso viel Spaß machen. Ich möchte nämlich auch meine Kenntnisse und Erfahrungen weitergeben. Es würde mich umso mehr freuen, wenn den Cafébesuchern meine Kuchen schmecken würden.

Was wäre dann deine Spezialität?

Oma: Der Kärntner Reindling wäre meine liebste Mehlspeise, weil der kommt überall gut an.

Opa, du hilfst der Oma überall, sei es in der Küche beim Zwiebel schneiden, abwaschen oder seien es die Lebensmittel, die du vom Keller ins Haus trägst. Könntest du dir auch vorstellen als Opa im Café Vollpension Tätigkeiten wie diese zu übernehmen?

Opa: Auf jeden Fall! Es wäre eine tolle Beschäftigung, wenn ich mithelfen könnte.

Oldies aufgepasst!

Wenn man sich im hohen Alter einsam fühlt, wenig Einkommen zur Verfügung hat und nur schwer über die Runden kommt, dann gebe ich dir einen heißen Tipp: Bewirb dich im Café Vollpension, Bäckerinnen und Gastgeber werden immer wieder gesucht – und unter uns Jüngeren, besuch das Café, es wird dir gefallen!

Wie die Lage in Wien in Zukunft wirklich aussehen wird, weiß niemand, doch die Altersarmut wird auf die Schnelle nicht sinken. Somit sollten mehrere dieser Projekte in Wien unterstützt werden, damit ältere Menschen die Chance auf eine schöne Pension haben.

Mehr Infos unter…

https://www.vollpension.wien

 

Sabrina Svetnik

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