Das nicht ganz so haarige Make-up

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Make-up ArtistInnen aka WissenschaftlerInnen sitzen vor einem Labortisch und kreieren das perfekte Freitagabend „Ich geh in die Shishabar“ Makeup. Es fehlt ihnen an nichts, denn sie haben an alles gedacht. Ein smokey-eye look mit cut crease, ein perfekt konturiertes Gesicht sowie nude Lippen à la Kylie Jenner. Das Model? Na ein Kaninchen! Ich weiß, dass klingt sehr komisch und wie aus einem Cartoon, ist aber die Realität. Doch kann man sich denn nicht pflegen, ohne Tiere zu verletzten?

©Gudrun Steinmill-Hommel

Um nicht länger um den heißen Brei zu reden, nenn ich es mal beim Namen. Es geht um Tierversuche bei der Produktion von Kosmetikartikeln. Wir leben im Jahr 2017, man könnte doch annehmen, dass die Menschen wenigstens etwas Mitgefühl haben. Aber nein. Kleintiere wie Kaninchen, Ratten und Mäuse werden gequält und erleben Schmerzen durch Ausschläge, Herzrasen und Atemnot. Das einzige was sie rettet, ist der Tod.

Noch dazu ist es nicht einmal mehr nötig Tiere zu Versuchskaninchen zu machen, da es mittlerweile auch schon andere Möglichkeiten gibt Kosmetika zu testen, die sogar billiger wären. Aber da wir Menschen teilweise einfach grausam sind, hinkt die Industrie noch hinterher.

„In der EU dürfen keine Produkte verkauft werden, die an Tieren getestet wurden!“ Dieses EU Gesetz ließ mich aufatmen und mein Glaube an die Menschheit wurde wieder etwas aufgebaut. Leider blieb meine Laune nicht allzu lange am Höhepunkt, denn Hey, wer hätte es erwartet, wir Menschen sind pfiffig und finden immer wieder Wege dem Richtigen auszuweichen. Die meisten Pflegeartikel -Produzenten umgehen dieses Gesetz indem sie ihre Produkte in Drittstaaten trotzdem durch Tierversuche testen lassen oder einfach nur bestimmte Inhaltstoffe testen.

Um ehrlich zu sein sollte ich jetzt aber nicht den Moralapostel spielen, denn ich setzte mich mit dem Thema, bis vor kurzem, nie auseinander. Denn über mich muss man eines wissen: Ich liebe Make-up. „Mehr ist mehr“ ist die Devise. Wenn man so ein Make-up Junkie wie ich ist, dann besitzt man nun mal von jeder Marke etwas, sei es jetzt MAC oder Essence. Ich kaufe nun mal was mich anspricht, da hab ich nie darauf geachtet, ob die Produkte Tierversuchsfrei sind. Ob für meinen MAC Lippenstift in der Farbe „Please Me“ eine Ratte einen Ausschlag bekommen hat, war mir eigentlich immer wurscht.

„Kann man sich denn nicht pflegen ohne, dass dafür ein Tier leiden muss?“ genau das war mein Gedanke und darum plante ich einen Selbstversuch. Eine Woche nur tierversuchsfreie Kosmetik aber nicht nur Make-up, das wäre vielleicht etwas zu leicht, sondern auch Haarpflegeprodukte für mein blondiertes Haar und  eine Gesichtspflege für meine ölige Haut.  Ich startete komplett optimistisch, da ich mir dachte ich sei jetzt ein besserer Mensch, nur weil ich mich einmal für eine Woche für Tiere einsetze.

Ich hab mir ein 3 Schritte Programm für dieses Projekt ausgedacht.

Schritt 1: Ausmisten!

Das, was so einfach klingt stellte sich rasch als nervenstrapazierend dar. Nun saß ich an meinem Tisch der Schande, auf dem hunderte von Pflegeprodukten für Haar, Haut und Körper standen. Meine Augen starrten einfach in die Luft. „Hmm und was jetzt? Was darf ich denn überhaupt benützen?“ Das war der Moment in dem ich realisierte, dass ich mich erstmal informieren muss, welche Marken Tierversuchsfrei sind. Ich tat also das, was jeder verzweifelte macht: Googeln! Ich kam auf die Peta Webseite, auf der (Gott sei Dank) eine Liste veröffentlicht wurde, in der alle Tierversuchsfreien Marken aufgelistet waren. Zu meinem Erstaunen waren Catrice, Essence und Alverde auf der Liste. Jetzt  hieß es bye bye für MAC, Sleek und co. und Hallo gutes Gewissen.

Mehr dazu: Peta

Schritt 2: Shoppen!

©Kaestis blogspot

Nun machte ich mich auf den Weg zu meiner am nahegelegensten dm-Filiale. Ich ging schnurstracks  zu den Catrice, Essence und Alverde Theken, die für mich kein fremdes Terrain sind, denn wie ich am Vortag beim Ausmisten rausgefunden habe, besitze ich schon so einiges dieser Marken, zumindestens was die Schminke angeht. Bei den Make-up Theken hab ich mich trotzdem reichlich bedient. ABER wenn man schon so seine Lieblinge für Haut und Haar gefunden hat wirds richtig schwer was zu finden, dass mit denen mithalten kann.  Shampoo, Spülung, Duschgel und Gesichtswaschgel von Alverde kamen in meinen Warenkorb.

Nach dieser filmreichen Vorbereitung gings auch schon los mit Schritt 3: Austesten!

Tag 1:  Der erste Tag meiner Experimentwoche startete super. Ich war hochmotiviert, denn wie schwer kann das denn schon werden? Ich hüpfte unter die Dusche und startete mein morgendiches Badezimmerprogramm. Begeistert föhnte ich meine Haare, denn das Shampoo samt Spülung wirkten Wunder und über das Gesichtswaschgel gabs auch nichts zu meckern. Leider erlaubte es mir die Zeit nicht mich  zu schminken.

Tag 2: Gelassen stieg ich aus meinen Bett und ging wie immer ins Badezimmer. Ich putze meine Zähne und wusch mein Gesicht. Ich verspürte ein Brennen auf der Haut sowie bei einer „Anti-Falten Maske“. „Wer schön sein will muss leiden“, murmelte ich in mich hinein, um nicht in Panik auszubrechen. Um meine Haut nicht noch mehr zu reizen, ließ ich das Schminken auch heute sein.

©Maria Lovric-Anusic

Tag 3 und Tag 4, oder auch „Die Hölle auf Erden!“: Schockiert blickte ich in den Spiegel, Pickel, überall Pickel. „Was hab ich gemacht? Alles nur wegen diesem scheiss Bio Zeugs!“ Kurz vor dem Tränenausbruch wie der von Kim Kardashian, atmete ich einmal tief ein und aus und packte mein neu gekauftes Make-up aus. Ein schlichtes Alltagsmake-up ist es geworden. Zufrieden betrachtete ich mein Ergebnis und startete,etwas beruhigter, aber dennoch genervt, in den Tag.

Tag 5: Kein besonderer Tag. Ich habe das Gesichtswaschgel abgesetzt, weil ich das meiner Haut nicht mehr antun konnte.

Tag 6: Dies war ein Ausgehabend. Ein Ausflug in die Shisha-Bar mit meinen Freunden, natürlich musste da ein über das Alltagsmake-up hinausgehender Look her. Ich liebe viel Liedschatten und einen Wing-Eyeliner. Leider waren die Liedschattenpaletten nicht allzu Pigmentiert, darum wurde nicht sonderlich viel daraus. Aber es war ausreichend da ich noch künstliche Wimpern raufgeklebt hab. Meine Haare hab ich so wie fast  jeden Tag mit dem Shampoo und der Spülung gewaschen.

Tag 7: Nun war es soweit der letzte Tag ist angebrochen. Sonntags ist nun mal ein Ruhetag, darum hab ich auch da nicht sonderlich viel gemacht.

Fazit

Dieses Erlebnis, das so hochmotiviert began endete mit gemischten Gefühlen.

Was ich sofort sagen muss ist, dass ich mit diesen tierversuchsfreien Produkten, beispielsweise mit dem Shampoo und der Spülung von Alverde deutlich billiger rumgekommen bin, als mit meine herkömmlichen Artikel. Das liegt einfach daran, dass ich einfach alles aus der Drogerie gekauft hab. Das find ich super, Gutes tun sollte auch nicht teuer sein, sonst würde es ja keiner tun, oder?

Mit den Haarprodukten war ich mehr als zufrieden. Sie haben mein Haar so weich und glänzend gemacht. Doch dafür wurde meine Haut so schlimm durch das Waschgel, was echt sehr schade war. Aber ehrlich gesagt könnte das ja daran liegen, dass ich mir womöglich etwas ausgesucht habe, dass nicht so gut für meinen Hauttypen geeignet ist. Jetzt zu meinem Lieblingsthema und zwar das Make-up. Ich muss schon sagen, für den Alltagslook war es sehr gut, doch für den Abend hat es einfach nicht gereicht. Da fehlen mir leider meine tollen Sleek Paletten.

Alles in einem kann man durchaus sagen, dass es eine Erfahrung wert war und einige Produkte werde ich mir auch aufjeden Fall nachkaufen. Ich werde mich auch etwas mehr mit den ganzen Produkten der Tierversuchsfreienwelt beschäftigen. Wer weiß, womöglich finde ich auch ein geeignetes Gesichtsprodukt, das mich nicht an das Ende meiner Kräfte bringt.

Und wie sieht es mit euch aus, habt ihr vor auch etwas mehr auf unsere geliebten Tiere zu achten?

Text: Maria Lovric-Anusic

Fotos: Maria Lovric-Anusic, Kaestis blogspot, Gudrun Steinmill-Hommel

 

 

 

 

 

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