Das Kistl das mit dem Radl kommt

geposted am

Das Konzept ist vielen schon bekannt: frische Bio-Lebensmittel wöchentlich vor die Haustüre. Was jedoch bei bioradl anders läuft, warum „nicht-Bio“ manchmal sogar besser als Bio ist und was das alles mit dem Radfahren zu tun hat, das haben mir Julian, Arno und Paul (alle 23, am Bild v.l.n.r.) bei einem Bier erzählt.

©Lea Sonderegger

Umweltbewusste Ernährung- kein leichtes Unterfangen

Regional, saisonal, bio und gesund soll’s sein, Ansprüche die du als umwelt- und ernährungsbewusster junger Mensch klarer Weise bei jedem Einkauf berücksichtigst. Geld dafür hast du auch genug, du bist top informiert, auf deinem Fahrrad klebt ein „Bio 4 ever“ Sticker, die Waldviertler-Schuhe sitzen seit 3 Jahren wie eh und je- jede Mahlzeit kannst du also reinsten Gewissens genießen.
Halt! Das trifft nicht auf dich zu? Dann zählst du wahrscheinlich (wie ich) zur breiten Masse der StudentInnen die wissen, dass es „schon gut“ ist Bio zu kaufen, das vielleicht auch gar nicht so selten tun, die jedoch bei „ja-natürlich“ Zwiebeln aus Ägypten schon mal ins Grübeln kommen ob das nun der Weisheit letzter Schluss sei.

Man fühlt sich manchmal ein bisschen verloren im Dschungel der umweltbewussten Ernährung. Arno, Julian und Paul können hier weiterhelfen. Seit 2 1/2 Jahren arbeiten sie nun schon an Ihrem Projekt bioradl. Die Idee: regionale, saisonale Lebensmittel bester Qualität, aus nachhaltiger Landwirtschaft, ausschließlich von österreichischen Bauern, verteilt in Wien mit dem Lastenrad.  Wichtig sei ihnen vor allem auch die faire Bezahlung der Bauern. Von großen Supermarktketten unter Druck gesetzt und abhängig, sind diese oft gezwungen ihre Produkte zu sehr niedrigen Preisen zu verkaufen. So verliere der Konsument jeglichen Bezug zum Wert von Lebensmitteln meint Arno. Niemand wisse zudem heutzutage noch welches Gemüse wann Saison hat, man habe sich an die ganzjährige Verfügbarkeit aller Lebensmittel gewöhnt. Zulasten der Umwelt werden weite Transportwege in Kauf genommen. Als Konsument weiß man dann lediglich, dass etwas aus Italien, Spanien, etc. stammt. Die Burschen hingegen können die Herkunft ihrer Ware exakt bestimmen, kennen sie doch fast alle ihrer Lieferanten persönlich. Hier kommt ihnen das von Julian und Pauls Vater über viele Jahre aufgebaute Netzwerk zu gute. Er betreibt seit 37 Jahren die Arge Rosenauerwald, die in Zusammenarbeit mit der BERSTA* Vermarktungswege biologischer und regionaler Bauernprodukte in Wien aufgebaut hat. Arno, Julian und Paul arbeiten selbst schon seit einigen Jahren an Marktständen der Arge. Für ihr Projekt bioradl nützen sie ausschließlich schon bestehende Transportwege und erweitern sie durch die Auslieferung per Rad.

©Lea Sonderegger

Bio Zertifikate: ein teurer Spaß

Warum man im Bioradl Sortiment teils auch Lebensmittel aus „herkömmlicher“ Landwirtschaft findet: für kleine Bauern ist die Bio Zertifizierung oft nicht leistbar, der Qualität der Produkte tut das keinen Abbruch. Deswegen kann schon mal ein offiziell „nicht Bio-Produkt“ aus Österreich umweltschonender sein als die Bio-Zwiebeln aus Ägypten.

 

So kommst du zu deinem Kistl und so kommt es zu dir:

Wer auf das Know-how der drei Burschen zurückgreifen und mit reinem Gewissen seine Lebensmittel genießen will, kann auf der Homepage vorbeischauen. Hier findet man das aktuelle Sortiment, den nächsten Liefertermin (einmal wöchentlich wird geradelt) und Informationen zur Herkunft der Produkte. Bis Freitag kann man online bestellen. Am Samstag wird dann das Kistl per Rad geliefert. Den Inhalt kann der/die Kunde/Kundin selbst bestimmen oder aber auch auf fertige (saisonal wechselnde) Pakete zurückgreifen. Für Bequeme gibt’s das „Überlebenskistl“ ein “ Studentenkistl“ ist auch zu finden.

© Lea Sonderegger

Viel Geld wollen/können Arno, Julian und Paul mit ihrem Projekt nicht verdienen, ist doch ihre Kapazität auf max. 30 KundInnen begrenzt. Wenn’s jedoch gut läuft, könne man sich die Anschaffung eines zweiten Lastenrads überlegen, meinen die drei.

Homepage Bioradl

Homepage Arge Rosenauerwald

Text: Florian Drechsel-Burkhard

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

%d Bloggern gefällt das: