Was Frauen wirklich wollen

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Feminismus nervt. Das Wort „gendern“ erweckt bei vielen einen Brechreiz. Die einen sehen den Sinn dahinter nicht, die anderen haben es satt über diesen zu diskutieren. Aber warum nervt er so? Nervt die Gleichberechtigung auch? Im Zuge der #Metoo Kampagne haben hunderte von Frauen den Mut gefasst aufzustehen, um von den Ungerechtigkeiten, die ihnen widerfahren sind, zu berichten. Vielleicht existiert die Gleichberechtigung also noch nicht, frag ich mich. Aber warum höre ich dann immer wieder diese Kommentare, die Feminismus als etwas Unnötiges, Hysterisches und vollkommen Übertriebenes darstellen?

Geh, reg dich ned auf. 

Klar, hängt diese Unverständlichkeit vor allem mit der Konnotation zusammen, von dem der Begriff heute teilweise geprägt ist. Männer-Hasserinnen, Femi-Nazis, Gender-Wahnsinnige, linkslinke GutmenschInnen – da stellt es einem schonmal die Haare auf. Schließlich sind Feministinnen genau das: wütende, männerlose und unrasierte Frauen, die die Menschheit am liebsten

Sprecherin Teresa Havlicek bei der Generalversammlung 2017.     (c)Christopher Glanzl

vom maskulinen Geschlecht befreien und sie zum goldenen Matriarchat führen würden.

Oder?
Wir leben im 21. Jahrhundert, haben uns über die letzten Jahrhunderte emanzipiert und es geschafft Frauen in Österreich gleiches Recht auf Bildung und Arbeit zu verschaffen. Frauen sind gleichgestellt, warum regt sich da noch wer auf? Und Alltagssexismus, ja eh schon wissen,  ist ja nicht so schlimm. Oder?

Aufstehn, oida!

Leider nicht. Alltagssexismus ist mehr als nur eine Lappalie und steckt ganz tief in unserer Gesellschaft drinnen. Er zeigt sich in unserem zwischenmenschlichem Umgang, in den Medien, in der Popkultur, in der Arbeitswelt sowie in der Politik. Dabei geht’s aber nicht nur um Frauen. Klischees festigen auch männlich vorgegebene Geschlechtsidentitäten, Heterosexualität wird generell als die Norm betrachtet und wenn mächtige Männer ihre Sekretärinnen begrapschen, ist das eh normal.
Was Vorurteile betrifft, müssen wir uns sicher alle an der Nase nehmen. Wie oft bist du schon auf dein Äußeres reduziert worden und wie häufig reduzierst du jemanden auf seine oder ihre Erscheinung? Genau. Viel zu oft. Zum Glück gibt es aber Leute, die auch auf politischer Ebene versuchen gegen dieses Geschwür anzukämpfen. In Österreich gibt es seit 2017 eine Bewegung, die wieder ganz bewusst auf geschlechtsspezifische Ungleichheiten aufmerksam machen will und endlich eine Gleichstellung erreichen möchte, die nicht nur auf dem Papier stattfindet. Das Frauenvolksbegehren 2.0.

Es geht ums Ganze

Was das Frauenvolksbegehren fordert, sind unter anderem Aspekte, von denen wir wissen, dass sie schon lange geändert gehören: Einkommensunterschiede beseitigen, mehr Maßnahmen gegen Gewalt setzen, Müttern beim Wiedereinstieg ins Berufsleben helfen. Trotzdem besteht hier noch Veränderungsbedarf und genau dort will man mit dem Volksbegehren ansetzen.

Regelmäßig werden Infoveranstaltungen organisiert. (c)Christopher Glanzl

Um was es den Gründerinnen und den zahlreichen UnterstützerInnen des Frauenvolksbegehrens grundsätzlich geht, ist das große Ganze: ein respektvoller Umgang miteinander, eine offene Gesellschaft, Gleichberechtigung. Das Team besteht großteils aus weiblichen Engagierten, trotzdem fehlt der Anteil an männlichen Unterstützern nicht. Denn obwohl das Wort Frauen im Begehren steckt, betreffen die Forderungen nicht nur uns.

Das Frauenvolksbegehren 2.0 setzt sich für eine insgesamt offenere Gesellschaft ein.

Schon bevor die amerikanischen Kolleginnen  mit der Aussage „Time’s up“ an die #MeToo Kampagne angeknüpft haben und die türkise Liste ihre Wahlplakate an die Öffentlichkeit gebracht hat, ist dem Team des FVB klar: Es ist Zeit. „Es kann nicht sein, dass wir im 21. Jahrhundert leben und immer noch Gleichberechtigung einfordern müssen. Allein diese Tatsache hat für mich gereicht, um mich zu engagieren. Es ist wirklich einfach Zeit“, erklärt mir eine engagierte Unterstützerin. So geht es den meisten. Vor 20 Jahren, 1997, gab es das erste Frauenvolksbegehren, das 650 000 Österreicher und Österreicherinnen unterzeichnet haben. Passiert ist seitdem wenig. Anstatt Sexismus und Ungerechtigkeiten also weiterhin hinzunehmen, versucht man das Blatt zu wenden. Wie heißt es so schön? Selbst ist die Frau.

Was das Herz begehrt

Vielfalt leben, ist dabei ein wichtiges Stichwort. Man möchte Klischees und Genderstereotypen in Werbungen und Medien, die Sexismus nur noch mehr festigen, überdenken. Es soll mehr zum Schutz und zur Offenheit gegenüber LGBTIQ (Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Inter, Queer) Menschen getan werden. Ein wichtiger Aspekt ist auch die zeitgemäße, sexuelle Aufklärung Jugendlicher, sowie der Zugang zu gratis Verhütungsmitteln. Die Anzahl von Schwangerschaftsabbrüchen ist in Österreich viel höher als die in anderen westeuropäischen Ländern. Trotzdem soll jede Frau unabhängig von ihrem Wohnort und Einkommen die Möglichkeit haben einen Abbruch vornehmen zu können. Denn die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist ein essentieller Punkt in Sachen Gleichberechtigung.

Im Zuge der neuen Regierungsbildung verfasste das Team des FVBs außerdem einen offenen Brief an diese. Gefordert wird darin vor allem die Beseitigung von unfairen Lohnunterschieden. Die Verfasserinnen kritisieren aber auch die ungerechte Verteilung der Macht. Nur ein Drittel der Nationalratsplätze für die nächsten fünf Jahre geht an Frauen , obwohl wir mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Der Appell dahinter: „Wir wollen Abgeordnete, die unsere Lebensrealitäten kennen. Nur dann werden Politik und Gesetzgebung uns Frauen berücksichtigen.“ Auch am Tag X blieben die Engagierten deshalb nicht stumm und gingen auf die Straße.

Support, Support, Support

Die erste Hürde des Begehrens ist es nun einmal 8.401 Unterstützungserklärungen zu erreichen. Ab 12. Februar könnt ihr in jedem Gemeindeamt in Österreich oder von Zuhause per Handysignatur unterzeichnen.

In ganz Österreich interessieren und engagieren sich Leute für das Volksbegehren. (c) Kristina Satori

Werden diese erreicht, müssen innerhalb von sieben Tagen mehr als 100.000 Unterschriften erreicht werden. Erst dann werden die Anliegen an das Bundesministerium weitergegeben und bearbeitet. Die Woche, in der die Unterschriften gesammelt werden müssen, gibt das  Ministerium vor.  Generell ist das Team zuversichtlich gestimmt. Im ganzen Land, nicht nur in Wien, gibt es UnterstützerInnen und Aktionistas, die sich für die Sache einsetzen. Auch ich hab mir bereits den 12. Februar im Kalender markiert. Weil es wirklich Zeit ist. Leider ist das Knacken der 100 000 Unterschriften nicht einmal eine Garantie, dass sich in Zukunft etwas ändern wird. Letztendlich liegt das an den zuständigen Politiker und Politikerinnen. Doch mit Initiativen wie diesen können wir zeigen, was uns wichtig ist, und mithelfen die Zukunft zu gestalten. Eine Unterschrift tut nicht weh, vor allem wenn sie Potenzial hat etwas Wichtiges zu verändern.

Wenn du dich noch weiter informieren willst, kannst du das auf:

Homepage Frauenvolksbegehren

Text: Laura Aigner

Beitragsbild: (C) Claire Chretien / LifeSiteNews

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